Schauriges
Nach dem Besuch von CIA-Chef John Ratcliffe am Dienstag in Moskau legte die NATO-Propaganda mit Halluzinationen über das los, was in der russischen Hauptstadt geschehen sein soll. Murdochs Wall Street Journal und Springers Politico erzählten als erste, Ratcliffe habe Russland vor einem Angriff auf NATO-Verbündete gewarnt. Das schrieb die Presse im NATO-Beritt kollektiv brav ab. Am Donnerstag sprach Wladimir Putins Pressesprecher Dmitri Peskow von »Schauergeschichten«.
Mit denen machte das Handelsblatt am Donnerstag weiter: »Ratcliffe ist bekannt für eine gewisse Russland-Nähe. So griff er als republikanischer Abgeordneter 2019 im Kongress den früheren US-Sonderermittler Robert Mueller scharf an, der eine mögliche Beeinflussung der US-Wahl 2016 durch Moskau und die Russland-Kontakte von Trump untersucht hatte.« Dumm nur: Die russische Beeinflussung der US-Wahlen 2016 war eine Erfindung, Muellers Nachforschungen erbrachten daher nichts, und Ratcliffes Kritik war insofern berechtigt. Am selben Tag teilte die Neue Zürcher Zeitung mit: »Allerdings gilt Ratcliffe in der amerikanischen Regierung als Russland-Falke, also als Vertreter einer traditionellen harten Linie gegenüber Moskau. Der CIA-Direktor hat sich sowohl für amerikanische Militärhilfe wie für die Weitergabe amerikanischer Geheimdiensterkenntnisse an die Ukraine ausgesprochen.« Überschrift: Qualitätszeitungen.
Im Handelsblatt kommt am selben Tag der Militärexperte Nico Lange zu Wort. Sein Text beginnt mit dem Satz: »Die NATO flog in den letzten Tagen ein großes Militärmanöver, das viele überraschte.« Es sei ein »hochkomplexes Luft-Boden-Manöver direkt neben der russischen Exklave Kaliningrad« gewesen, »mit militärischen Fähigkeiten, die man nur zeigt, wenn man der anderen Seite etwas sagen will«. Im Zentrum habe das US-Flugzeug EA-37B »Compass Call« gestanden: »eine technologisch hochgerüstete Plattform für elektronischen Kampf. Damit kann man Kommunikation unmöglich machen. Damit kann man Radare blenden. Damit kann man Steuerungssysteme für Luftverteidigungssysteme und Raketen ausschalten.« Das sei eine Antwort auf »hybride Operationen« Russlands. Und dann lande Ratcliffe in Moskau. Lange fühlt sich an das Treffen des damaligen CIA-Chefs William Burns mit seinem russischen Gegenüber Sergej Narischkin am 14. November 2022 in der Türkei erinnert: »Er überbringt eine klare Warnung: Wenn Russland taktische Nuklearwaffen in der Ukraine einsetzt, wird es schwerwiegende Konsequenzen geben.« Das habe gewirkt. Ach, herrje.
Die NATO-Eskalation durch das Manöver vor Kaliningrad gab es wirklich, der Rest ist Langes kalter Kaffee. (as)
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
