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Automobilindustrie

Unifor im Zollgewitter

Kanada: Gewerkschaft kämpft während Tarifverhandlungen gegen Werkschließung und Abwanderung von Stellantis. Beschäftigte geraten im Handelsstreit mit US-Präsident Trump zwischen die Fronten

Foto: NurPhoto/IMAGO
Die Fabrik in Brampton könnte geschlossen, die Kapazitäten von Stellantis könnten in die USA verlegt werden

Die kanadische Autoindustrie steht zunehmend unter Druck: US-Zölle und die Verlagerung von Produktion in die USA gefährden Arbeitsplätze. Während die Gewerkschaft Unifor mit großen Autoherstellern neue Tarifverträge aushandelt, ist der mögliche Verkauf des Stellantis-Werks nahe Toronto das jüngste Zeichen für die sich verschärfende Krise.

Das Werk in Brampton, Ontario, liegt seit Dezember 2023 für Umrüstungsarbeiten still, um die Produktion einer neuen Generation des Jeep Compass vorzubereiten, die Anfang 2026 beginnen sollte. Die kanadischen Regierungen stellten Stellantis Hunderte Millionen Kanadische Dollar zur Modernisierung der Werke in Brampton und Windsor zur Verfügung. Im vergangenen Jahr kündigte der Konzern jedoch an, die Produktion nach Illinois, USA, zu verlagern. Aufgrund des zunehmenden Drucks von Präsident Donald Trump auf die Automobilhersteller sowie zusätzlicher Zölle auf kanadische Waren. Der Ausbau des Werks in Belvidere, Illinois, ist Teil eines 13-Milliarden-US-Dollar-Investitionsplans in den USA und der Strategie von Stellantis, die Produktion in die USA zu verlagern, um das Zollrisiko zu verringern.

Gleichzeitig bleibt die Situation in Kanada unsicher. Am Freitag teilte Unifor, Kanadas größte Privatsektorgewerkschaft und Vertreterin der Automobilarbeiter, mit, dass Stellantis die Schließung und den Verkauf des Montagewerks in Brampton ernsthaft erwäge. Unifor-Präsidentin Lana Payne erklärte, das Unternehmen habe zwar keine formelle Schließungsmitteilung vorgelegt, dem Gewerkschaftsverband jedoch mitgeteilt, Gespräche mit einem Unternehmen über einen möglichen Verkauf des Werks aufnehmen zu wollen. Mehr als 2.200 Mitglieder der Unifor-Ortsgruppe 1285 sind dort beschäftigt und befinden sich seit der Stillegung im Dezember 2023 in Kurzarbeit.

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Zudem führt Unifor wichtige Tarifverhandlungen mit den drei großen Autoherstellern, in einem Versuch, den Produktionsabbau zu verhindern. Mit Stellantis verhandelt die Gewerkschaft über einen Vertrag für das Werk in Brampton, ein weiteres Montagewerk und ein Gießereiwerk; der aktuelle Tarifvertrag läuft im September aus. Die Ford-Beschäftigten stimmten bereits am 19. Juli mit 74 Prozent einem Dreijahresvertrag zu, der unter anderem jährliche Lohnerhöhungen von drei Prozent plus Lebenshaltungskostenanpassung, Prämien sowie Verbesserungen bei Altersvorsorge und Sozialleistungen vorsieht. Ford verpflichtet sich zudem, seine kanadischen Standorte zu erhalten und auszubauen, einschließlich der Möglichkeit zur Wiedereinstellung entlassener Beschäftigter. Unifor will den Ford-Abschluss als Vorbild für die Verhandlungen mit General Motors nutzen, wo ein Drittel der Unifor-Mitglieder von Entlassungen bedroht ist. Eine vorläufige Einigung soll bis Freitag erreicht werden.

Lana Payne betont wiederholt, dass die Zölle für die Unsicherheit in der Branche verantwortlich seien. Am 15. August erklärte sie, die Position der Gewerkschaft sei klar: Wer in Kanada verkauft, müsse auch in Kanada produzieren. Ein schlechtes Abkommen, das US-Zölle legitimiere, sei derzeit »schlimmer als gar kein Abkommen«.

Am Dienstag (Ortszeit) hatte Trump erklärt, die geplanten 50prozentigen Zölle für drei Tage ausgesetzt zu haben. Kanada und die USA hätten vorbehaltlich der Fertigstellung der Dokumente einen »Deal« erzielt. Die Zölle hätten ab Mittwoch eine breite Palette kanadischer Produkte betroffen. Laut dem Weißen Haus sagte Kanada zu, eigene Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Exporte von Alkohol, Milchprodukten und Kraftfahrzeugen aufzuheben. Kanada bestätigte dies zunächst nicht. Premierminister Mark Carney sprach von »erheblichen Fortschritten«, aber weiterem Verhandlungsbedarf in den kommenden drei Tagen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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  • Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 19. Aug. 2026 um 22:20 Uhr
    Ein bewährtes Mittel: Boykottaufruf von Stellantis hergestellte Autos in Kanada zu kaufen.
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