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Malen gegen die Besatzung
Palästina hat eine kulturelle Ikone verloren – zum Tod des weltweit bekannten Künstlers Suleiman Mansour
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Suleiman Mansour ist tot. Er wurde vor allem durch seine Gemälde bekannt, auf denen er ein lebendiges Palästina darstellte, im Widerstand gegen die Unterdrückung durch die Besatzung. Mansour wollte zeigen, wie Palästinenser an ihrer Kultur, ihrer Tradition und ihrem Land festhalten, das ihnen der israelische Siedlerkolonialismus wegzunehmen versucht. Sein Bild »Kamel der Mühsal« ist sicher das weltweit bekannteste palästinensische Gemälde. Es zeigt einen gealterten palästinensischen Träger, der die Stadt Jerusalem und den Felsendom in einem Sack auf seinem Rücken trägt. Gemalt hat er es 1973.
Sein deutscher Lehrer Felix Theis, selbst begeisterter Maler, führte den 1947 geborenen Mansour, den er bald als hochbegabten jungen Künstler erkannte, zur Malerei. Das war auf der evangelisch-lutherischen Schule in Beit Dschala, wo Mansour im Internat lebte, nachdem sein Vater gestorben war. Schon damals errang er »Berühmtheit« als der Künstler der Schule. Und dieser Ruf drang bald auch bis in seine Heimatstadt Birzeit. Eine zentrale Erfahrung aus der Schulzeit waren die vielen Ausflüge, auf denen er die palästinensische Landschaft mit ihren speziellen Farben und mit ihren Bäumen – an erster Stelle den Olivenbäumen – erleben konnte. Verstärkt wurde dies in Birzeit, wo Tausende der Bäume in und um die Ortschaft wachsen. Einen großen Einfluss übte seine Großmutter Salma auf ihn aus. Sie war Töpferin, und durch sie lernte er schon als Kind natürliche Materialien kennen. Er beobachtete sie, wie sie Bienenstöcke aus Lehm und Heu anfertigte. Er durfte derweil mit dem Schlamm und mit viel Wasser spielen. Das Material sollte in seinen Arbeiten in der Ersten Intifada (1987–1993) eine wichtige Rolle einnehmen.
1980 führte eine Ausstellung mit Bildern von Mansour sowie Nabil Anani und Issam Badr zum ersten direkten Zusammenstoß mit der Besatzung. Die Armee schloss sie nur wenige Stunden nach der Eröffnung. Zwei Wochen später wurden die drei Künstler ins Militärhauptquartier gerufen, wo man ihnen eine klare Warnung gab: Politische Gemälde sind verboten. Mansour erinnerte sich 2021 gegenüber The National: »Sie sagten uns, es sei verboten, eine palästinensische Fahne zu malen. Auch die Farben der Fahne seien verboten. Als Issam Badr fragte, was passieren würde, wenn er eine Blume in Rot, Grün, Schwarz und Weiß malen würde, antwortete der Offizier ärgerlich: ›Das Gemälde wird konfisziert. Selbst wenn du eine Wassermelone malst, werden wir es konfiszieren.‹ Die Wassermelone wurde also erwähnt, allerdings von dem israelischen Offizier.« – und sie wurde zum Symbol Palästinas.
Zu Beginn der Ersten Intifada gründete Mansour zusammen mit Vera Tamari, Taysir Barakat und Nabil Anani das Kollektiv »Neue Visionen«. Mit ihren Gemälden boykottierten die Künstler alle Materialien aus Israel und benutzten ausschließlich lokale Naturstoffe wie Schlamm, Stroh und Henna. Sie schlossen sich damit dem landesweiten Intifada-Boykott gegen israelische Waren an. Niemand, der damals in den besetzten Gebieten lebte, wird die historische Ausstellung der Gruppe in Jerusalem vergessen. Es war eine Zeit, in der die Künstler aus Ramallah – oder Taysir Barakat, der aus Gaza stammt, aber schon einige Zeit in der Stadt gelebt hatte – noch problemlos nach Jerusalem kommen konnten.
Mansour wollte in den USA Kunst studieren, wo er eine Zusage vom Chicago Art Institute hatte. Dann kam der 1967er Krieg, der seine Pläne zunichte machte. Er beschloss deshalb, an die Bezalel-Akademie in Westjerusalem zu gehen. 1970 musste er sein Studium ohne Abschluss aus Geldmangel abbrechen. Seine Bilder wurden international ausgestellt und sind inzwischen im British Museum in London oder im Institut du monde arabe in Paris zu bewundern. Er erhielt internationale Preise wie auf der Biennale in Kairo 1998 sowie 2019 den UNESCO-Schardscha-Preis für arabische Kultur. Suleiman Mansour starb am Montag im Makassed-Krankenhaus in Jerusalem, der ältesten palästinensischen Stadt, die er mit so vielen seiner Gemälde unsterblich gemacht hat. Seine Familie machte seinen Tod bekannt mit den Worten: »Die Welt sieht in ihm und seinen Bildern ein Leben der Schönheit, voll mit Erinnerungen. Er hinterlässt ein Erbe, das weiterleben wird.«
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