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Verdrängt aus der Stadt
»Jerusalem Story« dokumentiert palästinensische Biographien und die Zerstörung palästinensischer Lebensräume
Aktuelle Analysen zu Problemen in der Stadt – seit vier Jahren können interessierte Leser auf der Internetseite von »Jerusalem Story« dazu fündig werden. Zum Beispiel findet man die Podiumsdiskussion vom 30. Juli zum Thema »Ostjerusalem nach 59 Jahren israelischer militärischer, administrativer und rechtlicher Besatzung«. Oder den Beitrag vom 15. Juli: »Die geretteten Archive von UNRWA werden bald offen sein zur Onlinesuche, speziell für palästinensische Flüchtlinge«. Schließlich, wieder am 30. Juli, ein Artikel über die Palästinenser in Kufr Akab (zwischen Kalandija und Ramallah): »Sie protestieren gegen die unerträglichen Bedingungen an der Armeesperre in Kalandija«, die sie täglich passieren müssen, um morgens nach Jerusalem zu gelangen und abends zurückzukommen.
Ziel der Webseite ist es, Jerusalem aus einem weniger bekannten Blickwinkel zu »erzählen«. Es geht um Perspektiven der palästinensischen Gesellschaft in Jerusalem. Es ist eine sehr komplexe Geschichte, und zu lesen sind zuerst und vor allem die wesentlichen Aspekte, sowohl historisch als auch aktuell. Viele wissen zum Beispiel nicht, dass etwa die Hälfte der Bewohner Jerusalems Palästinenser sind. Circa 41 Prozent sind offiziell als Jerusalemer Bürger registriert. Viele Tausende leben aber inoffiziell in der Stadt.
Kate Rouhana, US-Amerikanerin, die längere Zeit in Jerusalem gelebt hat, mit dem Historiker Nadim Rouhana aus Haifa verheiratet ist und mit ihm in Boston wohnt, hatte die Idee zur Schaffung der Webseite. Inauguriert in Doha, wird »Jerusalem Story« voll unterstützt und finanziert vom Arab Center for Research and Policy Studies. Dieses wurde von Azmi Bischara – ehemals Professor an der Birzeit-Universität, dann Knessetabgeordneter für die Partei Balad – 2015 in Katar gegründet und wird bis heute von ihm geleitet.
Viele Leser würdigen die zahllosen Biographien von bekannten – und nicht so bekannten – Jerusalemern und lesen sie mit größtem Interesse. Viele der Porträtierten leben noch, zum Beispiel Sahira Kamal, politische Aktivistin der Demokratischen Front, die sich für die Rechte der Frauen einsetzt, der Musiker Jakub Abu Arafa oder der Maler Taleb Dweik, der immer wieder vor allem Jerusalemer Motive für seine Arbeiten wählt. Andere sind inzwischen verstorben, wie der Politiker Faisal Al-Husseini oder der Musiker und Liedermacher Mustafa Al-Kurd. Darunter sind auch Ermordete wie die Al-Dschasira-Korrespondentin Schirin Abu Akleh, die von einem israelischen Soldaten am Eingang zum Dschenin-Flüchtlingslager kaltblütig und gezielt erschossen wurde.
Die Entwicklung der Stadt Jerusalem taucht immer wieder in den Schlagzeilen vor Ort auf – leider kaum in der deutschen Tagespresse. Derzeit berichtet die Organisation Ir Amim von Plänen für eine großangelegte kolonialistische Siedlungsexpansion in und um Jerusalem. Der Bau einer neuen Siedlung mit 650 Wohneinheiten ist vorgesehen für Umm Tuba, ein palästinensisches Viertel. Mitten in Umm Lison, einem weiteren palästinensischen Stadtteil, sollen 450 neue Wohneinheiten errichtet werden, und schließlich steht die Vergrößerung von Gilo, einer der größten Siedlungen am südlichen Ende von Jerusalem, um 2.500 Wohneinheiten direkt bevor.
Zusammen mit den palästinensischen Bewohnern des Stadtteils Scheich Dscharra hat Ir Amim eine Petition beim Jerusalemer Distriktgericht eingereicht. Sie fordern, dass die Genehmigung für die Etablierung einer Jeschiwa, also einer Toraschule, mitten in Ostjerusalem, speziell für US-amerikanische Juden vorgesehen, zurückgezogen wird.
In Al-Bustan, Teil des südlich der Jerusalemer Altstadt gelegenen Vororts Silwan, gehen die Häuserzerstörungen ungehindert weiter. Präziser gesprochen: Die palästinensischen Bewohner werden unter Androhung von Zerstörungen vertrieben, und kolonialistische israelische Siedler ziehen sofort nach dem Auszug der Palästinenser in die »freigewordenen« Häuser ein. Seit 2023 wurden außerdem 59 Häuser zerstört. Von den Verantwortlichen der Jerusalemer Stadtverwaltung hört man, dass bis Ende 2026 keine palästinensischen Gebäude mehr in Bustan stehen sollen. Dafür würden ein großer Parkplatz und ein Park – natürlich für die jüdisch-israelischen Kolonialisten – gebaut. All das läuft ab ohne wirksame internationale Intervention. Auch »Besuche« der diplomatischen Vertreter der EU in Al-Bustan ändern nichts daran.
»Jerusalem Story« wird inzwischen in mehr als 100 Ländern weltweit gelesen, insbesondere natürlich in den angelsächsischen Staaten, aber auch in Jerusalem von den vielen englischsprachigen Bewohnern.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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