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Eine verheerende Bilanz
Tag der humanitären Hilfe: Mehr als die Hälfte der weltweit getöteten Helfer starb durch Angriffe der israelischen Armee in Palästina
Angriffe auf Hilfskräfte sind auch Angriffe auf die Bevölkerung. Am 19. August, dem Tag der humanitären Hilfe, wandte sich Jamie McGoldrick, ein Mitglied von »United Staff for Gaza«, an die Weltöffentlichkeit. In der Gruppe setzen sich Hunderte ehemalige Mitarbeiter der Vereinten Nationen für Gaza ein. Er betonte in einem schriftlichen Statement, dass von den zwischen 2023 und 2025 weltweit getöteten über tausend humanitären Helfern mehr als die Hälfte durch israelische Militärangriffe in Palästina ermordet worden sei. Die internationale Gemeinschaft, so McGoldrick, müsse endlich mit der Wahrheit konfrontiert werden: Die israelische Armee habe mehr humanitäre Helfer ermordet als alle Armeen, aufständischen Gruppen oder terroristischen Organisationen weltweit.
Jede Zahl, so McGoldrick weiter, repräsentiere einen Kollegen, eine Mutter, ein Kind oder einen Freund. Sie dürften nicht vergessen werden. Ihre Mörder müssten zur Verantwortung gezogen werden. Alle humanitären Helfer müssten endlich geschützt werden, wie es das internationale Recht verlange. Dessen Missachtung durch mächtige Staaten dürfe nicht zur Normalität werden. Deshalb stellt McCormick für Palästina klare Forderungen auf: »Stopp der Bombardierungen in Gaza und des Siedlerterrors in der Westbank. Schutz der Zivilbevölkerung (…) und unabhängige Untersuchungen der Tötung von UN-Mitarbeitern und anderen humanitären Kräften sowie die Gewährleistung, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.«
Schon zwei Monate früher, am 18. Juni, hatte die Palästinenserin Bushra Khalidi, von Oxfam Palästina und ebenfalls Mitglied von »United Staff for Gaza«, eine bewegende Anklage vor dem UN-Sicherheitsrat in New York erhoben. »Ob der Sicherheitsrat jetzt mit Menschlichkeit, Mut und massivem Druck handelt, darüber wird die Geschichte urteilen.« Sie fuhr fort: »Ich stehe vor Ihnen als Zeugin für die Verbrechen, unter denen unsere Kollegen, lokalen Partner und die Gesellschaft in Gaza leiden. Den Palästinensern wird all das, was zum schlichten Überleben notwendig ist, verweigert. Die Notlage der Menschen ist noch nicht vorbei. Der Waffenstillstand ist gescheitert. Die israelische Armee tötet täglich Palästinenser. Gaza wird weiter zerstückelt, und die Bevölkerung wird in ein immer kleineres Gebiet zurückgedrängt. Die Menschen sitzen in einer Falle, mehrmals vertrieben, hungrig, ohne jeden Schutz.« Khalidi fordert sofortiges Handeln. »Frieden wird nicht mit Erklärungen geschaffen. Er wird daran gemessen, ob Eltern ihre Kinder ernähren und Familien ohne Angst schlafen können, ob sauberes Wasser zugänglich ist und Patienten medizinisch versorgt werden, und ob Gaza wieder aufgebaut werden kann. Der Sicherheitsrat kennt die Verwüstungen dort.«
Seit Oktober 2023 beklagt das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) 391 getötete Kollegen. Das ist die höchste Opferzahl in der Geschichte der UNO im Rahmen eines einzelnen Konflikts. Mehr als 500 weitere humanitäre Helfer und mehr als 1.000 Mitarbeiter im Gesundheitssektor, darunter Beschäftigte der Weltgesundheitsorganisation und von Oxfam, wurden ebenfalls durch israelische Angriffe getötet und oft gezielt ermordet.
Der Tag für humanitäre Hilfe wurde 2008 durch die UN-Vollversammlung beschlossen. Anlass war ein Suizidattentat von Salafisten unter Abu Musab Al-Sarkawi, dem späteren Al-Qaida-Chef im Irak, in Bagdad am 19. August 2003. Bei dem Anschlag auf das Canal-Hotel wurden 23 Menschen getötet, darunter der UN-Vertreter im Irak, Sérgio Vieira de Mello.
UN-Generalsekretär António Guterres wandte sich in einer Rede am Mittwoch an die Welt. Er betonte, dass es heute gefährlicher sei als je zuvor in der Geschichte, Menschen in Not zu helfen. Es gebe keinen Schutz mehr vor Bombardierungen, Entführungen und Vergewaltigungen. Immer neue Waffen, speziell bewaffnete Drohnen, würden eingesetzt. Gleichzeitig würden Desinformationen das Vertrauen untergraben. Die Konsequenz getöteter Helfer sei, dass Kinder verhungerten und Kranke nicht mehr medizinisch versorgt würden. Guterres fordert von der Welt, das internationale Recht einzuhalten und Täter endlich zur Verantwortung zu ziehen. »Wir müssen handeln für die Menschheit – jetzt!«
Israel mordet derweil weiter in Gaza. Allein am Mittwoch gab es mindestens zehn Tote: palästinensische Polizisten, die eine zentrale Rolle für ein einigermaßen sicheres Leben in Gaza spielen. Und immer wieder sind Kinder die Opfer. Solange die Mitgliedstaaten der UNO nicht handeln, solange Deutschland nicht handelt, werden jedoch alle Reden folgenlos bleiben.
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