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Lange Nächte

Foto: Leon Frick/STEINSIEK.CH/imago
Ein Platz in den Geschichtsbüchern: Pascal Steinwender (l.) vom SSV Jeddeloh II im Spiel gegen Heidenheim (Oldenburg 23.8.2026)

In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals trifft zusammen, was nicht zusammengehört – zumindest bezüglich Klasse und Niveau. Hier wird sie immer noch versprochen, die große Erzählung. Davon, wie der offensichtlich weit Unterlegene den großen Favoriten alt aussehen lässt. Wie durch Einsatz und Kühnheit des Underdogs die höherklassige Mannschaft an den Rand der Verzweiflung gebracht und, im besten Fall, eiskalt aus dem Wettbewerb gekickt wird. Nur einmal war mir das Erlebnis dieser Sensation live vor Ort vergönnt, 2012 im Poststadion in Berlin. Der viertklassige Berliner AK aus der Regionalliga Nordost katapultierte sich durch ein souveränes 4:0 gegen den Bundesligisten Hoffenheim in die zweite Runde, unvergessen.

Meist kassieren aber die Kleinen, oft auch noch mehr als damals die TSG. Keine Schande für die Vereine aus den niederen Gefilden. Dagegen kann ein Ehrentreffer einen bereits zum Helden machen, so wie letzten Sonnabend den 19jährigen Ledjon Fikaj beim 1:9 zwischen seinem Bremer Stadtteilverein SV Hemelingen aus der fünften Liga und dem inzwischen ewigen Zweitligisten Hannover 96.

Nach einigen Blamagen der letzten Jahre (wir denken da besonders gern an Bayern München vs. Saarbrücken) sind die oft noch unzureichend eingespielten Bundesligisten, deren Saison immer etwas später beginnt, vor den hochmotivierten Underdogs gewarnt. Überraschungen waren deshalb in der ersten Runde Mangelware. Na gut, am Samstag abend konnte die SG Sonnenhof Großaspach als Wiederaufsteiger in die dritte Liga die eine Liga höher angesiedelte Arminia aus Bielefeld im Elfmeterschießen mit 3:0 niederringen. Trotzdem, ein Quäntchen Hochmut ist aus den Köpfen einiger Profis nicht ganz herauszubekommen.

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Zugegeben, es war ein Absteiger aus der Bundesliga, der 1. FC Heidenheim – ein kleiner Verein aus Württemberg, eher sympathisch wegen seiner immer noch bestehenden e.-V.-Zugehörigkeit, entschiedener Antirassismushaltung und dem Trainer Frank Schmidt, der seit 2007 im Amt ist – dem folgendes geschah: eine Niederlage gegen einen Verein aus der vierten unteren Etage. Jedelloh II klingt nach Alpenvereinshütte, ist aber ein Fußballklub, der in der Regionalliga Nord beheimatet ist und in der vergangenen Saison knapp am Aufstieg in die dritte Liga vorbeischrammte. So können Namen täuschen. Denn was der SSV dem nichtsahnenden Gegner an einem frischen Augustsonntag antat, wird in die Geschichtsbücher des DFB-Pokals eingehen. Nicht nur ein Sieg, sondern ein Spektakel. Trotz früher Führung von Heidenheim änderte sich das Tableau in der niedersächsischen Miniarena recht schnell. Ausgleich durch Kamer Krasniqi, Führung nach Eigentor durch Vorlage von Krasniqi, Traumtor von Neuzugang Haris Hyseni, gefolgt von seinem Elfmeter. Tim Janßen traf, ebenfalls nach Vorlage von Krasniqi, zum 5:2-Endstand.

Die Jedelloher haben nun lange Nächte zu überstehen. Dabei sein ist alles – und bleiben. Für Runde zwei regnet es 456.377 Euro.

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.08.2026, Seite 16, Sport

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