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Olympia in Deutschland

»Hauptsache, man hat wieder ein Prestigeprojekt«

Koste es, was es wolle: Die Linke in Augsburg stellt sich gegen Olympia. Ein Gespräch mit Ömür Kanbur-Akyol

Foto: Sven Hoppe/dpa
Die olympischen Ringe im Münchner Olympiapark (19.9.2025)

Vor zwei Wochen hat der Deutsche Olympische Sportbund, DOSB, entschieden, die Stadt München in die deutsche Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 zu schicken. Warum kritisieren Sie, dass Augsburg daran beteiligt sein soll?

Als Die Linke in Augsburg waren wir schon zuvor dagegen. Wenige Tage vor der Entscheidung des DOSB wurde im Augsburger Stadtrat zudem eine Haushaltssperre fürs laufende Jahr verkündet: Es soll im sozialen Bereich gekürzt werden. Zwei Tage später wird dann gejubelt, weil wir mit München ins Rennen um Olympia gehen. Augsburg wäre mit Blick auf den Haushalt niemals die Stadt für so etwas gewesen. In ein paar Monaten wird der Doppelhaushalt für 2027/28 vorgelegt. Ob dieser überhaupt von der Regierung von Schwaben genehmigt wird, steht in den Sternen. Aber wir träumen von Olympia.

Was hat es mit dieser Haushaltssperre auf sich?

Im Juli hieß es schon im Stadtrat, die Haushaltslage sei sehr angespannt. Hinzu kamen nun Bezirksumlagen, die mit unerwarteten Kosten in der Energieversorgung und Nachzahlungen bei den Schulen begründet wurden, und Großbaustellen wie die Sanierung des Hauptbahnhofs, des Staatstheaters, des Perlachturms und der Freilichtbühne. Mit der MAN-Brücke muss eine wichtige Brücke saniert werden. Jetzt werden neue Projekte zurückgestellt und freiwillige Zuschüsse nicht mehr erhöht.

Gibt es bereits mögliche Schätzungen, was Olympia für Augsburgs Stadtkasse hieße?

Uns liegt hierzu nichts vor. Man hat sich anscheinend blindlings beworben, in der Hoffnung, da mitziehen zu können. Hauptsache, man hat wieder ein Prestigeprojekt in der Stadt. Kürzen kann man ja im sozialen Bereich. Vielleicht hat die Verwaltung intern Berechnungen, aber als Stadtrat wurden wir nicht über Kostenschätzungen informiert.

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Versprochen werden Investitionen in Infrastruktur und Co.

Auch hierzu gibt es bislang kaum Infos. Wenn es für den Haushalt nachhaltige Pläne sein sollen, müssen wir wissen, wieviel davon gefördert wird. Selbst wenn alles gefördert werden würde, bräuchten wir andere Kapazitäten beim Personal. Nicht nur, um etwa eine stabile ÖPNV-Taktung für solche Großereignisse zu gewährleisten, sondern auch in der Verwaltung zur Planung. Mit der jetzigen Haushaltssperre gilt zudem eine Wiederbesetzungssperre für Stellen in der Stadtverwaltung. Das passt nicht zu einer Ausrichtung auf Olympia. Wir können da nicht mitziehen, ohne all diese Informationen zu haben.

Welche weiteren negativen Auswirkungen sehen Sie?

In Augsburg stehen aktuell über 3.000 Wohnungen seit mehr als einem Jahr leer, kurzfristig waren es sogar mal 7.000. Ein Blick auf die vergangenen Olympischen Spiele in Paris hat gezeigt, wie viele Wohnungen für touristische Zwecke freigehalten wurden. Wir haben hier bereits Wohnungsnot. Wir müssen jetzt bereits alles tun, um diese Wohnungen langfristig zu vermieten. Mit Olympia ist noch mehr Leerstand zu erwarten. Auch, weil es bislang keine ausreichenden Regelungen gibt, kurzfristigen Vermietungen entgegenzuwirken. Ich möchte nicht wissen, zu welchen Preisen diese dann kurzfristig vermietet würden.

In einem Antrag an den Stadtrat fordern Sie nun den Rückzug aus der Bewerbung.

Genau. Zugleich wollen wir wissen, welche Kosten entstehen. Uns liegen keinerlei Infos vor, welche Verpflichtungen die Stadt eingegangen ist.

Wie sieht die Perspektive aus, wenn Sie es nicht schaffen, Olympia in Ihrer Stadt zu verhindern?

Die Stadt bräuchte definitiv mehr Förderung. Ich wüsste nicht, woher der Eigenanteil kommen soll. Eine Augsburger Teilnahme müsste wahrscheinlich zu hundert Prozent gefördert werden. Ob das möglich ist, ist offen. Zumal dann noch die Personalressourcen aufgestockt werden müssten. Die Befürworter verweisen immer darauf, dass der erste mögliche Olympiatermin in zehn Jahren sei. Allerdings wird darüber schon 2029 entschieden. Der schlimmste Fall wäre dann eine Austragung 2036. Bei den anderen Terminen gäbe es immerhin noch ein bisschen Puffer. Das ist allerdings nichts, was wir beeinflussen können.

Ömür Kanbur-Akyol ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Augsburger Stadtrat und sportpolitische Sprecherin

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.10.2026, Seite 3, Sport

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