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Ölförderungin Brasilien

Brasiliens fossile Zukunft

Präsident Lula feiert einen Ölfund des staatlichen Energiekonzerns Petrobras im Amazonas-Mündungsgebiet

Foto: Pilar Olivares/Reuters
Der Amazonas: Sinnbild für natürliche Lebensgrundlagen und bald Erdölfördergebiet (Rio de Janeiro, 20.5.2025)

Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva hat noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mit mehr Erdölausbeutung die nationale Energiewende vorantreiben und das Klima schützen will. Eine Auffassung, die nicht nur nach Meinung von Umweltforschern und Klimaschützern eine Quadratur des Kreises ist. Am Montag reiste der 80jährige bereits am zweiten Wahlkampftag in den nordostamazonischen Bundesstaat Amapá nach Oiapoque an der Grenze zu Französisch-Guayana, um ein Bohrschiff von Petrobras zu besuchen und dessen jüngsten Erdölfund zu feiern.

Der staatliche Erdölkonzern hatte drei Tage zuvor die Entdeckung eines möglicherweise riesigen Vorkommens im Mündungsgebiet des Amazonas bekanntgegeben. Die Probebohrung »Morpho« in der Tiefsee rund 175 Kilometer vor der Küste Amapás mit einer Tiefe von rund zwei Kilometern hatte laut Petrobras Erdöl von bester Qualität zu Tage gefördert, was Lula in höchsten Tönen lobte: »Es sah aus, als wäre es bereits raffiniert, so leicht war es«, erklärte der Präsident gegenüber Medien in Oiapoque.

Doch brasilianische Ökologen, internationale Forscher, lokale Fischergemeinden und die indigenen Völker Amazoniens lehnen schon seit Jahren die Erdölausbeutung in dieser extrem artenreichen und ökologisch empfindlichen Region vehement ab. In einer Stellungnahme zur Klimaschutzkonferenz im vergangenen Jahr schrieb die Koordination der Indigenen-Organisationen im Brasilianischen Amazonien (COIAB): Die Erdölausbeutung im Amazonasmündungsgebiet gefährde das Leben Tausender indigener Menschen, »indem sie ihre Gebiete, insbesondere in Amapá, schwerwiegenden sozioökologischen Auswirkungen aussetzt wie Ernährungsunsicherheit, zunehmende Gewalt, Abholzung und Landinvasionen«. Das Voranschreiten des Projekts stelle eine »schwere Gewalttat« gegen indigene Völker dar.

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Nichtsdestoweniger sagte Lula auf dem Bohrschiff, dass er bei der Erdölausbeutung keine Einmischung, auch nicht aus dem Ausland, hinnehmen werde. »Dies ist eine Frage nationaler Souveränität. Ein Land, das über Erdöl dieser Qualität verfügt, lässt sich von niemandem hineinreden«, sagte er. Die Erdölexploration vor der Küste von Amapá sei eine Chance für die Entwicklung des Landes und eine »Eintrittskarte in die Zukunft« Brasiliens. Die Gefahr einer Ölpest sieht der ehemalige Metallgewerkschaftsführer nicht. Modernste brasilianische Technologie werde Umweltkatastrophen in der Region verhindern. Brasilien sei bereit, »weit mehr zu leisten und Operationen durchzuführen, von denen die ganze Welt lernen kann«. Petrobras verfüge über die Kompetenz und die Kapazitäten für eine Ölförderung in der Tiefsee.

Doch Produktion und Transport des »schwarzen Goldes« sind kein sicheres, sondern ein »todsicheres« Geschäft. Weltweit kam es bereits zu Dutzenden von schwerwiegenden Katastrophen durch die Erdölindustrie, etwa im Jahr 1989. Der Öltanker »Exxon Valdez« lief vor Alaska auf Grund und löste damit eine der größten Ölpesten der Seefahrt aus. Mehr als 2.000 Kilometer Küste wurden verseucht. 2010 explodierte die Tiefseebohrplattform »Deepwater Horizon« im Golf von Mexiko. 87 Tage lang strömte das giftige, »schwarze Gold« ins Meer und bildete einen 10.000 Quadratkilometer großen Ölteppich. Im Januar 2022 brach eine Unterwasserpipeline vor der Küste Thailands. Rund 50.000 Liter Rohöl strömten in den Golf von Thailand, bildeten einen 47 Quadratkilometer großen Ölteppich und verseuchten den bei Touristen beliebten tropischen Sandstrand Mae Ram Phueng südöstlich von Bangkok.

Die Frage ist nicht, ob, sondern wann die erste große Erdölkatastrophe vor der Küste Amazoniens eintritt. Das gilt besonders auch für den unter Korruptionsskandalen leidenden Staatskonzern Petrobras, der keineswegs eine weiße (Sicherheits-)Weste hat. In Brasilien kam es bereits zu mehreren Unfällen, wie am 20. März 2001, als seine Bohrplattform P-36 vor der Küste Rio de Janeiros versank. Elf Menschen starben. Es war die damals größte Ölbohrinsel der Welt mit der Fläche eines Fußballfelds. Tatsächlich kam es bereits im Januar 2026 zu einer Havarie bei den Probebohrungen von Petrobras vor Amapá im Bohrloch »Morpho«. Dabei strömten bereits 18.000 Liter Bohrflüssigkeit ins Meer.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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