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Seltene Erden

Strahlende Zukunft

Brasilien will ins Geschäft mit seltenen Erden einsteigen. Konzerne stehen Schlange. Die Umweltauswirkungen werden kaum beachtet

Foto: Tuane Fernandes/Reuters
Objekt der Begierde: Eine Erzprobe des Minenkonzerns Virdis am Standort in Brasilien (Poços de Caldas, 20.6.2026)

Elektrofahrzeuge und Kampfjets, Windkraftanlagen wie Datencenter, Smartphones bis Kriegsdrohnen: Sie alle brauchen Komponenten, für deren Fertigung man wiederum auf seltene Erden angewiesen ist. Bisher hat China das faktische Monopol bei Abbau und Aufbereitung. Doch mit geschätzten 21 Millionen Tonnen hat Brasilien das weltweit größte Vorkommen seltener Erden – ein Schatz, der so schnell wie möglich gehoben werden soll, geht es nach dem Willen der Regierung in Brasilia und internationaler Bergbaukonzerne.

Bereits über 2.000 Anträge für den Abbau von seltenen Erden im ganzen Land liegen der Nationalen Bergbaubehörde vor. Nach Schätzungen des brasilianischen Bergbauinstituts (Instituto Brasileiro de Mineração) werden Unternehmen aus der ganzen Welt in den kommenden fünf Jahren gut 76,3 Milliarden US-Dollar in den brasilianischen Bergbausektor investieren.

Vergangenen April hat der nordamerikanische Konzern USA Rare Earth, an dem auch die US Regierung beteiligt ist, Brasiliens bisher einziges Seltene-Erden-Unternehmen für 2,8 Milliarden US-Dollar übernommen. Die Mine Serra Verde liegt in der Gemeinde Minaçu im zentralbrasilianischen Bundesstaat Goiás; sie ist die einzige außerhalb Asiens, die jene vier Metalle produziert, die als die wichtigsten der 17 seltenen Erden gelten: Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium.

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Gleichfalls im April schnappte sich der australische Konzern Power Minerals ein Projekt für den Abbau von seltenen Erden in Poços de Caldas, im Süden von Minas Gerais, für rund 15 Millionen US-Dollar. Erst in der vergangenen Woche gab zudem das australische Unternehmen Harvest Minerals den Erwerb von acht Projekten mit insgesamt 27 zugehörigen Abbaugenehmigungen bekannt. Die Projekte befinden sich in den Bundesstaaten Paraná, São Paulo, Bahia, Ceará und Minas Gerais.

Doch die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will mehr als nur Lieferant beim Rohstoff für die globale Energiewende oder Rüstungsindustrie sein. »Wir wollen keine Rohstoffverkäufer sein. Wir wollen Exporteure von Intelligenz und Wissen sein«, gab er jüngst unmissverständlich bei einem Treffen mit Ministern, Beratern, Wissenschaftlern und Vertretern aus. Ziel sei es, die Verarbeitung und Industrialisierung der Mineralien in Brasilien selbst durchzuführen, um die technologische Entwicklung im Land zu fördern, die Wertschöpfung zu steigern und den Wohlstand der Bevölkerung zu erhöhen. Dazu gehöre auch, das gesamte Land – inklusive Amazonien – nach neuen Vorkommen der strategisch wichtigen Rohstoffe abzusuchen. Branchenbeobachter halten es für durchaus möglich, dass Brasilien bei fortgesetzter Prospektion eines Tages zum bedeutendsten Land beim Abbau seltener Erden aufsteigen könnte.

Der Run auf die seltenen Erden hat jedoch bekanntlich auch seine Schattenseiten. Abbau und Aufbereitung sind ein schmutziges Geschäft, verschlingen enorme Mengen an Trinkwasser und Energie. Für jede geförderte Tonne seltener Erden fallen bis zu 2.000 Tonnen giftige und teilweise auch radioaktive Abfälle an, da sie oft gemeinsam mit Uran, Thorium oder ihren Zerfallsprodukten vorkommen. Beim Ausschwemmen entstehen Millionen von Tonnen an Abwasser. Diese müssen über lange Zeiträume in sogenannten Rückhalte- oder Absetzbecken gelagert werden. Doch Dämme können brechen: In Brasilien gab es bereits mehrere Dammbrüche in Bergbaugebieten, die zu schweren Umweltkatastrophen führten, wie 2015 in Mariana und 2019 in Brumadinho im südostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Durch die Sprengarbeiten in den Minen verteilt sich giftiger und radioaktiver Staub. Diesem Problem lässt sich zwar durch Beregnung zuvorkommen – doch dann entsteht wiederum mehr Abwasser, das außerdem in den Boden gelangen kann. Daten aus chinesischen Projekten zeigen laut dem US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology, dass pro produzierter Tonne seltener Erden zwischen 9.600 und 12.000 Kubikmeter giftiger Gase freigesetzt werden. Und auch die Erden selbst sind gesundheitsschädlich – sie können Lungenerkrankungen, neurologische Schäden, Herz-Kreislauf-Störungen und Krebs verursachen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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