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Nahostkonflikt

Glücksfall für Netanjahu

Israel: Mutmaßliche Kaperung und Zerstörung einer Verkehrsmaschine im letzten Moment abgewendet. Premier spricht von Terrorattacke

Foto: GPO/Handout via REUTERS
Günstige Möglichkeit zur Selbstinszenierung: Israels Premier mit einem der »Helden« (Ben-Gurion-Airport, 1.10.2026)

Knapp einen Monat vor den Parlamentswahlen gibt es in den israelischen Medien vor allem ein Thema: die Geschehnisse an Bord einer Verkehrsmaschine der Gesellschaft Flydubai mit 174 Fluggästen, davon 166 Israelis. »Durch Mut und Glück«, ja »wie durch ein Wunder« sei am Mittwoch ein »Desaster« verhindert worden, hieß es zum Beispiel am Donnerstag in der liberalen Tageszeitung Haaretz. Auch das rechte Internetmedium Times of Israel feierte das »beispiellose« und »außergewöhnliche Heldentum«, durch das eine Katastrophe im letzten Moment abgewendet worden sei. Das eng mit Israel befreundete, ebenfalls von ultrarechten nationalistischen Hardlinern regierte Indien schloss sich an. Der indische Flugkapitän Smit Machchhar wurde von Premierminister Narendra Modi als Held gepriesen, der trotz schwerer Verletzung den Kampf gegen den vermeintlichen Luftpiraten nicht aufgab.

Dabei war am Donnerstag noch lange nicht klar, was überhaupt genau bei dem Flug geschehen ist: Handelte es sich um eine zufällige Auseinandersetzung zwischen Pilot und Kopilot? Oder war es tatsächlich eine zuvor geplante Entführung mit dem Ziel, das Flugzeug zum Absturz zu bringen? Fest steht, dass eine Boeing 737 Max mit der Flugnummer FZ 1073 auf dem Weg von Dubai zum israelischen Flughafen »Ben-Gurion« knapp zweieinhalb Stunden nach dem Start um 7.05 Uhr (Ortszeit) plötzlich stark an Höhe verlor, nachdem der Kopilot der Maschine seinen Kapitän offensichtlich mit einem Messer angegriffen und den Sturzflug eingeleitet hatte.

Obwohl schwer verletzt, gelang es Machchhar den Berichten zufolge, den Mechanismus zur Türöffnung zu betätigen, so dass Passagiere sich Zutritt zum Cockpit verschaffen und den Angreifer überwältigen konnten. Aufnahmen der Überwachungskamera zeigten laut dem Sender Al-Dschasira, dass Machchhar, von mehreren Messerstichen getroffen, auf dem Boden lag. Auch ein blutüberströmter Passagier sei auf dem Video zu sehen. Nach der Ausschaltung des Angreifers habe dann ein zweites Flugteam, das sich an Bord befunden habe, das Steuer übernommen und die Maschine im saudischen Tabuk gelandet. Das Flugzeug sandte laut den Berichten verschiedene Notsignale: nach dem verhinderten Absturz zunächst das Zeichen, das auf einen allgemeinen Notfall hinweist. Dann meldete es eine Entführung, worauf planmäßig israelische Abfangjäger aufgestiegen seien. Schließlich sei wieder das ursprüngliche Notzeichen verwendet worden. Auf Fotos des gelandeten Jets ist ein defektes Seitenruder zu sehen.

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Der Tageszeitung Haaretz sagte die Passagierin Dalia Shpigel, dass einige Leute, die ganz vorn gesessen hätten, ins Cockpit eingebrochen seien, nachdem sie gemerkt hätten, dass etwas nicht stimmte. Einer von ihnen, der Fluggast Yitzhak Lieber, habe in einem Clip in den sozialen Netzwerken nach der Landung in Tabuk gesagt: »Der Pilot war schwer verletzt. Sie haben ihn evakuiert. Wir haben den Terroristen überwältigt und gefesselt.« Laut Medienberichten wurden die israelischen Passagiere noch am Mittwoch mit einer anderen Flydubai-Maschine nach Tel Aviv gebracht.

Fragen wirft auf, dass der Kopilot aus Oman stammen soll. Schließlich ist nur Flugpersonal aus solchen arabischen Ländern in Israel zugelassen, die wie die Emirate ihre Beziehungen zu Tel Aviv »normalisiert« haben. Der Angreifer befindet sich nach wie vor in saudischem Gewahrsam. Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Israel haben Ermittlungen aufgenommen. Während Saudis und Emiratis sich mit Deutungen zurückhielten, steht für Israels Premier Netanjahu schon fest: Es handelte sich um eine Terrorattacke. Pikant ist dabei nicht zuletzt ein Sachverhalt: Unmittelbar vor der vermeintlichen Entführung hatte Netanjahu am Dienstag abend Oppositionsführer Jair Lapid über Hinweise informiert, »dass die Feinde Israels im Vorfeld der Wahlen von Ende Oktober Anschläge verüben könnten«, wie Al-Dschasira festhält. Lapid habe erwidert, dass er »keinen Grund sehe, die Öffentlichkeit in Panik zu versetzen«. Soviel an dem bereits mit »9/11« in den USA verglichenen Fall auch unklar bleibt, eines steht jetzt schon fest, wie die US-amerikanische Internetseite The Grayzone titelte: »Der Flydubai-Vorfall ist ein Geschenk für Netanjahu.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.10.2026, Seite 6, Ausland

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