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Kein Boden für Verhandlungen
Libanon: Offizielle Vertreter verheißen Fortschritte bei Gesprächen mit Israel – doch die Besatzungstruppen bomben weiter wie gehabt
In der italienischen Hauptstadt soll es in knapp einem Monat eine neue Gesprächsrunde in den Verhandlungen über ein Friedensabkommen zwischen Israel und dem Libanon geben. »Die politischen Vertreter werden Anfang September in Rom zusammenkommen – bis dahin werden die Gespräche in Beirut, Jerusalem und Washington fortgesetzt«, erklärte ein Vertreter des US-Außenministeriums am Dienstag. Die US-Regierung sei »zuversichtlich, was den weiteren Verlauf angeht«. Ähnlich äußerte sich der libanesische Präsident Joseph Aoun auf X: Die Verhandlungen machten Fortschritte und »bleiben in jedem Fall besser als die Ergebnisse des zerstörerischen Krieges, der uns heimgesucht hat«.
Die siebte Gesprächsrunde zwischen den USA, Israel und der libanesischen Regierung vergangene Woche in Rom hatte jedoch deutlich gemacht, dass die Positionen in Beirut und Tel Aviv sehr gegensätzlich sind. Libanon fordert den sofortigen Abzug der israelischen Armee, die weite Gebiete im Süden des Landes besetzt hält. Auf diese Forderung gibt es bis heute keine Antwort. Die US-Regierung versprach, »Druck auf Israel auszuüben«, berichteten libanesische Medien am Dienstag. Die Erfahrung zeige allerdings, dass die Regierung von Benjamin Netanjahu auch auf »Druck« aus Washington nicht reagiere.
Berichten zufolge ist für die libanesische Delegation jedoch Voraussetzung für die Fortführung der Gespräche, dass Israel sich konkret aus weiteren Gebieten im Südlibanon zurückzieht. Zudem müssten Angriffe und die anhaltende Zerstörung der zivilen Infrastruktur, einschließlich agrarwirtschaftlicher Gebiete, eingestellt werden. Libanon fordert gleichzeitig zwei neue sogenannte Pilotzonen in Khiam und Bint Dschubeil, aus denen sich die Besatzungstruppen zurückziehen müssen. Sollten diese Bedingungen nicht erfüllt werden, werde es »keine neuen Verhandlungen geben«, so eine namentlich nicht genannte Quelle aus der Delegation gegenüber der libanesischen Tageszeitung L’Orient le Jour.
Konkret tut Israel genau das Gegenteil. Am Wochenende drangen israelische Truppen erneut in das Dorf Sawtar Al-Gharbija ein und errichteten einen Erdwall. Zusammen mit den Orten Frun und Srifa gehört das Dorf zu den drei Pilotzonen, die Ende Juni gekennzeichnet worden waren. Die Besatzungstruppen sollten sich aus diesen Orten zurückziehen, die libanesische Armee sollte dort Stellung beziehen und mit der Entwaffnung der Hisbollah beginnen. Die libanesische Armeeführung wirft den israelischen Truppen allerdings vor, sich nicht zurückzuziehen und die Stationierung der Armee in den Gebieten – auch durch fortgesetzte Explosionen und Angriffe – zu verhindern.
Tatsächlich will Israel seine militärische Bodenoffensive wieder aufnehmen und ausweiten, um angebliche Stützpunkte und Waffenlager der Hisbollah zu zerstören. Bei den Gesprächen in Rom wurde bekannt, dass Israel versucht, von Washington »grünes Licht« für Angriffe auf den Hügel Ali Taher, das Tal Wadi Hudscheir und den Berg Dschabal Al-Rihan im Gouvernement Nabatija zu bekommen. Die Hisbollah habe sich dort in einem Tunnelsystem verschanzt, so die Argumentation. Berichten libanesischer Medien zufolge soll die israelische Armee »Giftgas in das Tunnelnetz unter den Hügeln« gepumpt haben, die bereits wochenlang bombardiert worden seien. Tatsächlich setzen die Besatzungstruppen seit langem weißen Phosphor und Herbizide in großen Mengen im Südlibanon und in der Bekaa-Ebene ein. Das Landwirtschaftsministerium in Beirut hatte zuletzt Anfang des Jahres in einem ausführlichen Bericht darauf hingewiesen.
Umfassend sind weiterhin die täglichen Zerstörungen. Hart traf es den Ort Haddatha im Bezirk von Bint Dschubeil, knapp zehn Kilometer von der »Blauen Linie« – der offiziellen Waffenstillstandslinie – entfernt. Während aus Rom Nachrichten angeblicher Verhandlungen verbreitet wurden, bombardierten und zerstörten die Besatzungstruppen in Haddatha täglich Wohnhäuser und Straßen; Wiesen und agrarwirtschaftliche Flächen wurden in Brand gesetzt. »Heute morgen hat Israel kaltblütig das letzte Zuhause zerstört, das unserer Familie noch geblieben war«, hieß es in der Nachricht eines Bekannten, die jW an dem Tag erhielt, als die Gespräche in Rom begannen. »Sie haben es mit Sprengstoff zerrissen. Innerhalb weniger Augenblicke wurde das Haus, das meine Familie gebaut hatte, in dem wir lebten, zu dem wir immer zurückkehren konnten, in dem wir in Sicherheit und Liebe lebten, in Schutt und Asche gelegt.« Das Familienhaus habe, wie die benachbarten Häuser von Verwandten, »das gleiche Schicksal erlitten wie unser gesamtes Dorf, das bereits zerstört worden war«.
Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass die Familie ihr Zuhause verloren habe, so der Gesprächspartner: »1982, während der Belagerung von Beirut, waren meine Eltern frisch verheiratet, als Israel sie aus ihrem ersten gemeinsamen Zuhause vertrieb. Sie bauten es wieder auf. Während der Besetzung des Südlibanon, die im Jahr 2000 ihren Höhepunkt erreichte, mussten sie dieselbe Tortur noch einmal durchstehen. Sie bauten ihr Zuhause wieder auf. Im Jahr 2006 brach erneut Krieg aus. Und wieder einmal bauten sie alles von Grund auf neu auf. Jetzt, im Jahr 2026, hat Israel das, was noch übrig war, kaltblütig zerstört.« In den folgenden Tagen erhielt jW die Nachricht seiner in Tränen aufgelösten Cousine, deren Haus dort ebenfalls zerstört worden war. »Die Bombardierungen gehen täglich weiter, sie haben sogar den Friedhof zerstört.«
In der Bevölkerung organisieren sich zunehmend Menschen, die die Verhandlungen mit Israel ablehnen und den sofortigen Rückzug der Besatzungstruppen fordern. Der Kampagne »Libanesen gegen die Normalisierung« gehören Berichten zufolge mehr als 87 gesellschaftliche, kulturelle und basispolitische Gruppen und Organisationen an. Am Wochenende kamen sie zu einem ersten gemeinsamen Treffen in Beirut zusammen. Der Schutz des Südlibanon vor Verwüstung, der Schutz historischer Stätten, der dörflichen Infrastruktur, von Agrarland und die Rückkehr der Vertriebenen standen bei den Diskussionen ebenso auf der Agenda wie die Frage, wie der Libanon seine Souveränität und territoriale Integrität wahren kann.
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