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Waldbrände in Deutschland

Weckruf Hitzewelle

Vielerorts brennen die Wälder, auch in der Bundesrepublik. »Klimaanpassung« im Grundgesetz gefordert

Foto: Marius Schwarz/IMAGO
Waldbrand zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog in Brandenburg (24.8.2018)

Wasser, Erde, Feuer, Luft – alles ist heiß in Deutschland. Seit Montag breitet sich ein Waldbrand beim südhessischen Rodenbach an der Grenze zu Bayern aus. Per Warnmeldung haben die Behörden nun zum Wassersparen aufgerufen, da die Reserven für die Brandbekämpfung benötigt werden: »Bitte verzichten Sie möglichst auf Duschen, Baden, das Bewässern von Gärten sowie wasserintensive Tätigkeiten.« Nach Angaben des Landkreises Main-Kinzig waren Feuerwehren aus rund einem Dutzend Gemeinden inklusive Kräften aus Bayern im Einsatz.

Flammen auch andernorts: Bei Olsberg in Nordrhein-Westfalen waren am Montag und Dienstag zeitweise 180 Helfer mit 36 Fahrzeugen mit einem Waldbrand beschäftigt. Auch in der Nähe des nordbayerischen Ortes Volkach, des südhessischen Bad Schwalbach und bei Hilgert in Rheinland-Pfalz brannte es. In Südniedersachsen war bis in die Nacht zu Montag die A 7 bei Hannoversch Münden wegen der starken Rauchentwicklung eines Feuers vollständig gesperrt.

Werden Autobahnen unbefahrbar, dürfte das den Gütertransport, der aufgrund der extrem niedrigen Pegelstände deutscher Flüsse zunehmend auf die Straße verlegt werden soll, weiter erschweren. Die Ausweichlösung ist ohnehin mangelhaft: Ein durchschnittliches Binnenschiff ersetzt etwa 100 Lkw. Immerhin: Anders als in Ungarn, wo niedrige Wasserstände zu einer Drosselung des einzigen Atomkraftwerks des Landes geführt hatten, ist die deutsche Strom- und Wärmeversorgung bisher nicht gefährdet. Das sagte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Für einzelne Kraftwerke könnte es dennoch Einschränkungen geben.

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Das deutsche Kapital sorgt sich zudem um die Verfügbarkeit der Wertschöpfer. »Wenn Menschen bei Hitze häufiger krank sind, belastet auch das die Produktion«, erklärte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, am Montag gegenüber Politico. Vor Risiken auch für die Bevölkerung warnte tags darauf der Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, Olaf Bandt. In der Rheinischen Post verwies er auf die Klimakrise: »Die aktuell extrem hohen Temperaturen, auch die der Meere, müssen ein Weckruf sein, deutlich mehr für Klimaschutz und Anpassung zu leisten.« Ein Weckruf, der nicht nur mit Blick auf die Wirtschaftsleistung angebracht ist. Das Robert-Koch-Institut geht inzwischen davon aus, dass von Jahresbeginn bis Ende Juli deutschlandweit bereits 11.900 Menschen unter dem Einfluss der Hitze gestorben sind.

Grund genug, um gegenzusteuern. Eine Forderung: den Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz aufnehmen. Das schlug etwa der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, via Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag) vor. So auch der Sozialverband VdK, der in einer Mitteilung gleichentags auch Maßnahmen zum Schutz von armen Menschen während Hitzewellen anmahnte. Felix Banaszak, Parteichef von Bündnis 90/Die Grünen, zeigte sich offen für eine verfassungsrechtliche Verankerung der sogenannten Klimaanpassung. »Der Bund muss seiner Verantwortung gerecht werden«, diese »auch wirklich zu finanzieren und zu ermöglichen«, sagte er im RTL/N-TV-»Frühstart«. Auf die enorme Zahl von knapp 12.000 sogenannten Hitzetoten hatte vergangene Woche schon der Linke-Vorsitzende Luigi Pantisano aufmerksam gemacht. In einer Mitteilung verlangte er »einen verbindlichen Hitzeschutzplan für Deutschland«, der unter anderem ein »öffentliches Sanierungsprogramm« vorsieht, um Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen und Kitas hitzefest zu machen. Auch den Vorschlag einer Verankerung im Grundgesetz unterstützt Die Linke, wie Klimapolitiker Fabian Fahl am Dienstag via AFP verkündete.

Und Friedrich Merz? Der Bundeskanzler werde, »wenn sich diese Wetterentwicklungen fortsetzen, die Lage weiter beobachten und dazu gegebenenfalls auch öffentlich etwas sagen«. Das hatte er Mitte Juli von sich gegeben – und seither nichts mehr. »Der Bundeskanzler ist sich weiterhin auch nur für ein Wort des Bedauerns zu schade«, monierte die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge am vergangenen Donnerstag gegenüber T- Online und attestierte dem CDU-Chef eine »Schockstarre«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.08.2026, Seite 4, Inland

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