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Kommunalwahlen in Bayern

Großes Beben ausgeblieben

Kommunalwahl in Bayern: Teils historische Verluste für CSU und SPD. Auch in München Stichwahl

Foto: IMAGO/Revierfoto
Muss sich München womöglich auch künftig mit der SPD teilen: CSU-Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder (9.3.2026)

In Bayerns Dörfern, Gemeinden und Kleinstädten mit bis zu 20.000 Einwohnern leben 55 Prozent der dortigen Bevölkerung. Großstädte gibt es im südlichsten Freistaat nur acht, von denen gerade einmal drei mehr als 200.000 Einwohner verzeichnen. Diese strukturelle Verteilung muss auch beim Blick auf die Ergebnisse der Kommunalwahlen berücksichtigt werden. In vielen Regionen standen am Sonntag CSU, Freie Wähler (FW), mitunter lokale Listen, meist SPD, gelegentlich Bündnis ­90­/­Die Grünen auf den Wahlzetteln. In vielen Orten stellen noch nicht einmal alle Parteien Kandidaten für den Bürgermeisterposten auf. Dort besteht meist nur die Wahl zwischen SPD sowie CSU und FW.

In der Fläche wurden oft einige Sitze zwischen den bekannten Parteien umverteilt, neu gegründete Listen zogen in die Rathäuser, gelegentlich wechselte mal der Oberbürgermeister. Welche Rolle dabei persönliche Kontinuität und das Aufbauen geeigneter Nachfolger spielen, zeigte sich im mittelfränkischen Zirndorf bei Nürnberg. Dort trat der bisherige SPD-Oberbürgermeister nach 20 Jahren nicht mehr an, der designierte Nachfolger schaffte es nicht einmal in die Stichwahl. Das Wahlergebnis halbierte sich von 28 auf 14 Prozentpunkte. 80 Jahre ununterbrochene SPD-Regierung waren Geschichte. Der befürchtete AfD-Aufstieg blieb aber auch hier aus. Der Bundestrend kommt nur schleppend an. Vielerorts schaffte die Partei Zugewinne und konnte ihr Stimmergebnis manchmal gar verdoppeln. Dann reichte es für mehr als zehn Prozent. In vielen Städten trat sie aber nicht einmal an, sogar im oberfränkischen Forchheim mit 35.000 Einwohnern stand die AfD nicht auf dem Wahlzettel.

Zuwächse erzielten hier häufig auch die Parteien Die Linke oder die Grünen, sofern sie antraten. Hauptverlierer der Wahl waren mancherorts die CSU, zumeist aber die SPD. In Nürnberg, Bayerns zweitgrößter Stadt und bis 2020 Hochburg der hiesigen Sozialdemokratie, kam sie am Sonntag auf nur 17,2 Prozent. Was im bundesweiten Vergleich ein äußerst starkes Ergebnis wäre – am Sonntag reichte es in Baden-Württemberg nur für (vorläufig) 5,5 Prozent –, ist lokal betrachtet ein ungebremster Absturz aus Höhen von einst bis zu 55 Prozent.

Am 22. März steht auch in Nürnberg die Stichwahl mit dem amtierenden CSU-Bürgermeister an, dessen Partei 37 Prozent erhielt. Wie auch an vielen anderen Orten wurde vor allem eines deutlich: Gewählt wird in den reichen Vierteln, in denen 40 bis 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. In armen Gegenden und Transitgebieten lag die Wahlbeteiligung stellenweise gerade einmal bei knapp über zwölf Prozent.

In der Landeshauptstadt wurde der bisherige SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter abgestraft und muss gegen die Grünen in die Stichwahl, die im Münchner Stadtrat mit 26,6 Prozent stärkste Fraktion werden. Kurz vor der Wahl wurden nicht genehmigte Nebeneinkünfte Reiters bekannt, 10.000 Euro im Halbjahr für einen Sitz im Verwaltungsbeirat des FC Bayern. Ein Problem, das nun gelöst scheint: Er ist einfach Vorsitzender des Beirats geworden und löst zusätzlich den scheidenden Aufsichtsrat Edmund Stoiber ab.

In Augsburg wird das Ergebnis der Wahl erst an diesem Mittwoch mitgeteilt. Ein Wahlsieg der CSU im Stadtrat mit bis zu 25 Prozent der Stimmen steht bereits fest. Die Bürgermeisterkandidatin Eva Weber muss in der Stichwahl gegen SPD-Herausforderer Florian Freund antreten. So auch in Regensburg, wo die CSU mit knapp 27 Prozent ins Rathaus einzog und deren OB-Kandidatin Astrid Freudenstein in der Stichwahl gegen SPD-Bewerber Thomas Burger antritt. Auch in Ingolstadt und Erlangen wurde die CSU stärkste Kraft.

Die einzige bayerische Großstadt, in der sich die SPD halten konnte, war Fürth. Dort herrschen – wie die Lokalpresse titelte – »nordkoreanische Verhältnisse«: über 71 Prozent der Stimmen für den »roten« Langzeitbürgermeister Thomas Jung.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.03.2026, Seite 4, Inland

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