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Eishockey

Drei, vier, viele Meistertitel

DEL-Saisonauftakt: Die Eisbären Berlin trotzen den Zweiflern. Eishockeyfans fordern die Abschaffung von Donnerstagsspielen

Foto: IMAGO/Nordphoto
Mit vollem Einsatz: Jack LaFontaine im Tor der Eisbären Berlin (17.9.2026)

Die Ära der Eisbären ist vorbei. Das meinen zumindest die meisten Trainer der Deutschen Eishockeyliga (DEL). Nur zwei der Coaches zählen die Berliner, die in den vergangenen sechs Jahren fünfmal deutscher Meister geworden sind, laut einer Umfrage der dpa noch zu ihren Titelfavoriten. Was den Eisbären herzlich egal sein kann, solange sie gewinnen. Am Donnerstag besiegte die Hauptstadtmannschaft im Auftaktspiel der DEL-Saison die Straubing Tigers mit 4:2.

Die Zweifler haben ihre Gründe. Der langjährige Eisbären-Erfolgstrainer Serge Aubin hatte nach dem jüngsten Meistertitel sinngemäß erklärt: Es war mir eine Ehre, aber das war’s. Er entfernte kurzerhand zwei Buchstaben von seiner Visitenkarte und wechselte zum SC Bern in die Schweiz. Jetzt steht bei den Eisbären ein als Chefcoach bislang unerfahrener Mann hinter der Bande: der Kanadier Éric Dubois. Die beiden Hattrick-Meistergoalies Jake Hildebrand und Jonas Stettmer verschlug es nach Mannheim und Ingolstadt, das neue Eisbären-Duo im Tor besteht aus Jack LaFontaine und Jonas Neffin. In der bereits begonnenen Champions-Hockey-League (CHL) verbuchten Dubois und Co. zwei Siege und zwei Niederlagen – eine gemischte Ausbeute. Fragezeichen sind berechtigt.

Die Eisbären geben sich routiniert: »Wir wollen Meister werden, wir verstecken uns auch nicht. Aber ich glaube, gerade mit den ganzen Neuerungen können wir ohne den riesigen Druck in die Saison starten«, hatte Geschäftsführer Thomas Bothstede wenige Tage vor dem DEL-Start erklärt. Und so entbehrte es auch nicht einer gewissen Ironie, dass die Berliner ihr erstes Ligaspiel ausgerechnet gegen Straubing bestreiten sollten – hatte man das Team doch zuletzt mit 2:4 in der Serie aus den Playoffs gekegelt. Tigers-Coach Craig Woodcroft sah übrigens als einziger der befragten Trainer die Berliner noch als Topfavoriten auf den Titel.

Vielleicht hatten sie diese Prophezeiung im Hinterkopf: Die Eisbären waren am Donnerstag vor 13.422 Heimspielzuschauern direkt im Spiel. In der 17. Spielminute traf Manuel Wiederer zum ersten Mal für die Gastgeber, Liam Kirk legte zu Anfang des zweiten Drittels das 2:0 nach. Die spannendste Phase des Matches wurde von Eisbären-Verteidiger Adam Smith eingeleitet – mit einer Strafzeit wegen Beinstellens. Weitere Strafen gegen Andreas Eder und Jonas Müller sorgten für eine fast fünfminütige Unterzahl der Gastgeber. Die verteidigten teils nur zu dritt, hatten aber die lautstark pfeifende, nach der DDR-Eishockeylegende Hartmut Nickel benannte Fankurve im Rücken. Die Tigers blieben erfolglos. Spencer Kersten scheiterte mit der bis dato besten Chance der Gäste an einem hervorragenden LaFontaine, der das sichere Ding noch rücklings mit einem Stick-Save abwehrte, was ihm die Fans mit »Dynamo, Dynamo«-Gesängen dankten.

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Ty Ronning, der Playoff-Topscorer der vergangenen Saison, erhöhte noch im mittleren Abschnitt auf 3:0. Nach der Drittelpause bröckelte die Ein-Mann-Mauer LaFontaine dann doch: In den letzten zehn Spielminuten verkürzten Adrian Klein und Stefan Loibl auf 3:2, bevor Berlins Eric Mik mit einem Treffer ins leere Tor das Spiel entschied.

Erster Sieg im ersten Spiel, eine kleine Erleichterung für Cheftrainer Dubois. »Ein wichtiger Sieg zum Auftakt«, sagte er nach dem Spiel vor Journalisten. Und ergänzte: »Das letzte Drittel hat mir nicht besonders gefallen.« Mit dem starken Forecheck der Tigers habe man zwar gerechnet, aber fehlende Unterstützung beim Aufbau habe zu vielen Puckverlusten und den zwei Gegentoren geführt. Dennoch: Torwart LaFontaine habe gut gespielt, befand der Coach. »Als er einige wichtige Saves machen musste, hat er einige wichtige Saves gemacht.« Aus Fragezeichen werden vorläufig Ausrufezeichen. Noch ist die Eisbären-Ära nicht zu Ende. Die Berliner können zum vierten Mal in Folge deutscher Eishockeymeister werden.

Möglichst schnell vorbei sein soll dagegen die Ära der Donnerstagsspiele, da waren sich die Fans beider Teams einig. Die Fankurven protestierten in den ersten zehn Spielminuten mit demonstrativer Stille gegen die von Magenta Sport, das die DEL-Übertragungsrechte hält, vertraglich auferlegten Wochentagsspiele. Die angereisten Straubinger verließen sogar ihre Plätze. Auf Transparenten stand zu lesen: »Donnerstags ist kein Witz, unmöglich für Kids«, »Attestpflicht ab Tag 1? Ein Grund mehr: Donnerstagsspiele abschaffen« und »Donnerstags kann man weniger trinken.« Die Fanszene fordert bereits seit 2017, dass unter der Woche keine Matches stattfinden sollen. Dem haben sich bisher 163 Fanklubs angeschlossen.

Weitere Ergebnisse des ersten Spieltags: Die starken Münchner besiegten die Vizemeister Adler Mannheim (laut Trainerumfrage die Favoriten) am Freitag mit 4:3 nach Penaltyschießen. Nürnberg schlug Augsburg 4:1, die Begegnung Iserlohn gegen Ingolstadt endete 3:4 und Schwenningen gegen Frankfurt 0:5. Im Duell der Pinguine unterlagen die Aufsteiger aus Krefeld den Bremerhavenern mit 1:3. Tore hagelte es in Köln: An ihren guten Auftakt in der CHL (vier Spiele, vier Siege) konnten die Haie in der deutschen Liga nicht anknüpfen. Gegen die Grizzlys Wolfsburg trafen sie viermal ins Tor, kassierten aber acht Gegentore.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2026, Seite 16, Sport

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