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Fuß in der Tür

Einigung über russische Militärbasen in Syrien

Von Nick Brauns
Foto: Adrien Vautier/IMAGO/Le Pictorium
Russische Militärfahrzeuge in der Marinebasis Tartus (28.12.2024)

Die syrische Regierung hat sich nach rund anderthalbjährigen Verhandlungen am Sonntag mit Russland über die Zukunft der beiden russischen Militärbasen in Syrien geeinigt. Der Luftwaffenstützpunkt Hmeimim und der Marinestützpunkt Tartus werden künftig in »gemeinsame Ausbildungs- und Qualifizierungszentren« der syrischen und russischen Streitkräfte umgewandelt. Die dortigen zivilen Einrichtungen, der Flughafen Hmeimim und der Handelskai im Hafen von Tartus, gehen an den syrischen Staat über.

Unter Präsident Baschar Al-Assad hatte Russland unbefristete beziehungsweise langjährige Nutzungsrechte sowie das Recht zur Einfuhr von Waffen, Munition und Ausrüstung für seine beiden Militärbasen – die einzigen außerhalb des Gebiets der ehemaligen Sowjetunion – erhalten. Das dort stationierte russische Militär genoss Immunität. Hmeimim diente als Drehscheibe für Militär- und Söldneroperationen in Afrika, während Tartus die zentrale Reparatur-, Versorgungs- und Nachschubbasis für die russische Flotte im Mittelmeer bildete.

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Mit dem jetzigen Abkommen verliert Russland seine Privilegien und büßt operative Freiheiten ein. Doch es hat weiterhin einen Fuß in der Tür des Levantestaates. Damit kann Moskau versuchen, seinen Einfluss auf andere Weise über eine Kombination von militärischer Ausbildungshilfe, Rüstungslieferungen und zivilen Wirtschaftsbeziehungen zu erhalten – ab Mitte des Monats soll es auch wieder eine direkte Flugverbindung zwischen Moskau und Damaskus geben.

Dass Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa die Russen nach dem Sturz von Assad nicht hochkant aus dem Land geworfen hat, wie es Washington gerne gesehen hätte, hat mehrere Gründe. Zum einen bleibt Syriens Armee vorerst auf russische Ausrüstung und Ersatzteile angewiesen, da der Großteil ihrer Militärtechnik aus sowjetischer beziehungsweise russischer Produktion stammt. Und zum anderen hält Damaskus unter Ausnutzung des größeren außenpolitischen Spielraums, den die Konkurrenz der Groß- und Regionalmächte im Rahmen einer multipolaren Ordnung schwächeren Staaten eröffnet, Russland bewusst als Gegengewicht im Spiel. Wenn seine westlichen Unterstützer nicht dabei helfen, die israelischen Besatzungstruppen zum Rückzug von syrischem Territorium zu bewegen, dann könnte Damaskus die russische Präsenz auch wieder ausweiten, so die Botschaft.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.08.2026, Seite 1, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Klaus Ludwig aus Wildeck 12. Aug. 2026 um 12:48 Uhr
    Nick Brauns sei zugute zu halten, dass eine folkloristische Sicht auf Russland wegen der Vergangenheit als Sowjetunion historisch kein Makel ist und die objektive Rolle, die Russland global einnimmt, s. BRICS, dem Nahrung gibt. Aber in Syrien trifft das alles nicht zu. Bestenfalls hat Russland aus schierer Not, Ukraine-Krieg, Assad fallengelassen, eher aber muss vermutet werden, dass sie wissentlich und sich der Folgen in der Region bewusst, dazu entschlossen hatten, dem IS und al Qaida den Zugriff auf Damaskus freizugeben. Damit hat Russland keinen Fuß mehr in der Tür, dafür aber Syrien verloren und dem Iran einen Schutz entrissen, was Israel sofort als freien Flug gen Iran zu nutzen wusste. Syriens, also das der islamistischen Terrorbanden, Armee hat Israel gründlich zerstört und Neueinkäufe werden jetzt in Washington getätigt, woher auch die Gelder dafür fließen. Die aber haben kein Interesse an einer zur militärischen Abwehr gegen Israel ermächtigten Armee, sondern brauchen einen wehrlosen Nachbarn à la Libanon, um Großisrael realisieren zu können und ggf. in der syrischen Wüste alsbald die Palästinenser zu entsorgen. Die höchste Wahrscheinlichkeit, weil alle Indizien dies bestätigen, erinnert sei an Armenien/Aserbaidshan, an die Auslieferung der faschistischen Gefangenen aus der Asowschlacht an Ukraine u.v.m., lautet, dass Russland mit der Karte Türkei pokert und sich von Zugeständnissen an Ankara geostrategische Vorteile an seinen Grenzen erhofft. Die bislang dafür geleisteten Zahlungen an Erdogan geben aber keinen Anlass, darauf hoffen zu können, dass die Türkei eine positive Rolle je spielen kann, denn sie arbeitet selbst am Revanchismus und der Wiederherstellung eines Osmanenreichs, wozu als erste Opfer die ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken gehören. Einen Puffer im Westen, Ukraine, zu erzielen und dafür alle im Süden zu verlieren, ist nichts, was nach Türen offenhalten aussieht.
  • Onlineabonnent*in Heinz-Joachim R. aus B. 11. Aug. 2026 um 20:10 Uhr
    Zu ergänzen wäre m. E., dass einer Nachrichtenmeldung zufolge, die ganz im westlichen Sinn Baschar Hafiz al-Assad verantwortlich für die Toten im Bürgerkrieg macht, er in Abwesenheit mit seinem Bruder zum Tode in Damaskus verurteilt worden ist. Den »Bürgerkrieg« – welch neutralisierender Begriff, der die Reaktion, der wir uns seit Ende '89/'90 zivilisiert naiv ausgeliefert haben, als heilige Unschuld erscheinen lässt – hatte, nach dem Motto: »Haltet den Dieb!«, kaum Assad und die Bath-Partei ausgelöst.
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