Hilfe aus Moskau
Die Unterstützung der Sowjetunion für die Spanische Republik
Am 18. Juli 1936 begann der faschistische Militärputsch in Spanien. Zu diesem Zeitpunkt war die Regierung der spanischen Republik überzeugt, dass die »westlichen Demokratien«, England, die USA und besonders Frankreich, ihr die notwendige Hilfe zur Wiederherstellung der republikanischen Gesetzlichkeit und Ordnung leisten würden.
Aber es kam anders. Die Regierung Frankreichs weigerte sich unter dem Druck der konservativen Regierung Großbritanniens und reaktionärer Kreise in Frankreich, der Spanischen Republik Flugzeuge und andere Waffen zu verkaufen, und verbot sogar den Export von bereits bezahltem Kriegsgerät, das zur Abfertigung nach Spanien bereit stand.
In den ersten vier Monaten konnten in Frankreich nur zwölf »Devoitine«-Jagdflugzeuge und sechs »Potez«-Bomber erworben werden – alle ohne Bewaffnung. Beide Typen waren zudem völlig veraltet. Frankreichs Ministerpräsident Léon Blum von der Sozialistischen Partei verweigerte die nachträgliche Sendung von Waffenausrüstungen für diese Flugzeugtypen. Im gleichen Atemzug bot er den Regierungen der europäischen Staaten, darunter auch der Sowjetunion, die Unterzeichnung eines Abkommens an, das sie dazu verpflichten sollte, sich jeder militärischen Hilfe für beide Parteien zu enthalten. 27 europäische Staaten, darunter die Sowjetunion, schlossen sich diesem Abkommen an. Daraus resultierte die Einrichtung eines »Komitees für Nichteinmischung« mit Sitz in London.
Kinder in Sicherheit
Drei der Unterzeichnerstaaten unterliefen die beschlossenen Vereinbarungen von Anfang an. Das waren Portugal, Deutschland, das bereits Ende Juli 1936 achtzehn Transportflugzeuge entsandte, und Italien, das bis Ende Juli 1936 einundzwanzig Bomberflugzeuge lieferte, mit denen dann Madrid angegriffen wurde. In den Sitzungen des Londoner Komitees vom Oktober 1936 erklärte die sowjetische Vertretung nach mehrfachen ergebnislosen Versuchen, dieses Gremium zu irgendwelchen Maßnahmen gegen die sich verstärkende italienisch-deutsche Intervention zu veranlassen, dass die UdSSR nur einen Ausweg aus der entstandenen Lage sehe, nämlich der Regierung Spaniens das Recht zurückzugeben, Waffen außerhalb des Landes zu kaufen.
Als die offene militärische Intervention der faschistischen Staaten die Republik an den Rand des Abgrundes brachte, bat die spanische Regierung die Sowjetunion um militärische Hilfe, die in Moskau gewährt wurde. Am 18. September verließ die »Newa«, beladen mit Lebensmitteln, unter dem Kommando von Kapitän Korenewski den Hafen von Odessa. Acht Tage später erreichte das Schiff den Hafen von Alicante. Als auf dem Fockmast die Fahne der Spanischen Republik aufgezogen wurde, hallten über die ganze Uferstraße die Begrüßungsrufe »Viva Rusia«. Zügig wurde das Schiff von den spanischen Hafenarbeitern entladen, damit die Produkte bald die Gebiete erreichten, wo sie dringend gebraucht wurden.
Ein Akt der humanitären Hilfe war zudem, dass die Sowjetunion spanische Kinder aufnahm, um sie vor den Gefahren in ihrem Land in Sicherheit zu bringen. Im Frühjahr 1937 traf der erste Dampfer mit jungen Spaniern im Alter von drei bis 16 Jahren aus Asturien ein. Es wurden für sie Kinderheime errichtet, so unter anderem in der nordwestlich von Moskau gelegenen Stadt Iwanowo. Im November 1938 befanden sich 2.848 spanische Kinder in der Sowjetunion. In speziellen Internatsschulen wurden sie in ihrer Muttersprache unterrichtet. Alle spanischen Kinder erhielten eine Schul- und Berufsausbildung, und ein großer Teil von ihnen absolvierte Hochschulen.
Erste Waffenlieferungen
Unmittelbar nach der Sitzung des Nichteinmischungskomitees am 9. September 1936 in London begann die UdSSR mit der Planung der militärischen Hilfe für die Republik. Iwan Michailowitsch Maiski, zwischen 1932 und 1943 sowjetischer Botschafter in England und Völkerbundbeauftragter von 1937 bis 1939, übergab im Auftrag Moskaus dem »Komitee für Nichteinmischung« die Erklärung der sowjetischen Regierung, in der es heißt: »Das Abkommen hat sich in ein leeres, zerrissenes Blatt Papier verwandelt. Es hat aufgehört zu existieren. Da die Regierung der Sowjetunion die Menschen nicht in einer Lage belassen will, die einer ungerechten Sache dient, sieht sie nur einen Ausweg: der Regierung Spaniens das Recht und die Möglichkeit zurückzugeben, Waffen außerhalb Spaniens einzukaufen, nach den gleichen Rechten und Möglichkeiten, die derzeit alle Regierungen der Welt nutzen (…).«
Am 29. September wurde dem Volkskommissar für Militär- und Marineangelegenheiten, Kliment Jefremowitsch Woroschilow, ein Plan über aktive Militärhilfe für das republikanische Spanien vorgelegt. Vorerst wurden, aus Sicherheitsgründen, nur Waffen ausländischer Produktion verschickt, vor allem solche, die sich noch in den Zeughäusern der Roten Armee befanden.
Ende September 1936 legte das erste mit Waffen beladene Schiff, das spanische Tankschiff »Campeche«, vom Hafen Feodossija auf der Krim ab. Seine Ladung bestand aus sechs englischen Haubitzen und 6.000 dazugehörigen Patronen, 240 deutschen Granatwerfern mit 100.000 Granaten, 550 großkalibrigen Maschinengewehren, 21.347 Gewehren sowie 16,5 Millionen Patronen. Die Beladung der ihm folgenden Schiffe »Komsomol« und »Stary Bolschewik« war schwieriger, da sie Waffen großer Abmessungen transportierten. Die »Komsomol« hatte 50 T-26-Panzer und die »Stary Bolschewik« zehn Jagdbomber, zerlegt in 120 Kisten, an Bord. Ebenso wurden die ersten 16 Jagdflugzeuge, in Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt, verschickt. Die zweite Ladung mit 14 Bombern war am 6. Oktober fertig. Zusammen mit den Flugzeugen gingen auch die Flieger an Bord. Insgesamt wurden 15 Piloten, 15 Steuermänner, zehn Funker, fünf Motorenwarte, 15 Flugzeugtechniker, ein Waffenmeister, ein Waffentechniker, ein Fallschirmpacker und einunddreißig Leute für den Zusammenbau nach Spanien geschickt.
Die Lieferungen technischer Kampfmittel und Waffen aus der Sowjetunion erfolgten entsprechend den Bitten der republikanischen Regierung, die während der ganzen Kriegszeit an die sowjetische Regierung gerichtet wurden. Insgesamt lieferte die UdSSR Waffen sowie weitere Technik und Personal in sechs Intervallen. Die Literatur nennt insgesamt 71 Schiffsfahrten. Die sechste und letzte Serie an Lieferungen erfolgte vom 15. Dezember 1938 bis zum 15. Februar 1939.
Diese Lieferung sollte vom Hafen Murmansk in Richtung Frankreich auf Reisen gehen. Doch aufgrund der veränderten politischen Lage erreichte sie die spanische Republik nicht mehr. Am 13. Juni 1938 wurde infolge einer Intervention der britischen Regierung der Eisenbahn- und Lkw-Transport von Frankreich nach Spanien eingestellt. Die Grenze war für etwa sechs Monate geschlossen. Zweimal fuhr der spanische Außenminister Julio Álvarez del Vayo nach Paris und beschwor Ministerpräsident Édouard Daladier, die Grenze an den Pyrenäen zu öffnen.
Am 11. November 1938, vor der Schlacht um Katalonien, schrieb der Chef der spanischen Regierung, Juan Negrín, an Stalin einen Brief, in dem er dringend bat, baldigst im großen Umfang Waffen zu schicken, um den Krieg siegreich zu beenden. Ignacio Hidalgo de Cisneros, Befehlshaber der Luftwaffe der Spanischen Republik, wurde zu diesem Zweck Ende November nach Moskau geschickt. In seinen Memoiren schreibt er: »In Moskau angekommen, habe ich am gleichen Tag den sowjetischen Verteidigungsminister, Marschall Woroschilow, besucht und ihm den Brief von Negrin überreicht (…). Mir war es sehr peinlich, als man begann, die Zahlen unserer Bestellung zu betrachten. Sie erschienen mir astronomisch und irreal. Jedoch habe ich mit Erstaunen und Freude bemerkt, dass sich Stalin zu den Zahlen sehr positiv verhielt. Nur Woroschilow scherzte: ›Genosse Cisneros will uns ohne Waffen lassen?‹ Dabei drückte sein Gesicht Wohlwollen aus. Die Erörterung der Listen endete mit deren voller Befürwortung. Ich kam vor Staunen kaum zu mir, konnte nicht glauben, dass sich alles so einfach geregelt hat.«
Frankreich blockiert
Im Dezember dann gewährt die UdSSR Spanien einen weiteren Kredit in Höhe von umgerechnet rund 100 Millionen US-Dollar. Doch das Problem lag in Frankreich. Cisneros: »Die Waffen waren auf sieben sowjetische Schiffen geladen, die in französischen Häfen einliefen. Die ersten zwei Schiffe kamen in Bordeaux an, als unsere Armee noch genug Zeit hatte, um die angelieferten Materialien zu verwenden. Aber die französische Regierung erdachte verschiedene Vorwände, um deren Transport durch Frankreich zu verzögern. Als die Waffen dann in Katalonien ankamen, war es bereits zu spät. Wir hatten keine Flugplätze, wo man die Montage der Flugzeuge hätte ausführen können, keine Territorien, um sich zu verteidigen. Wenn die Regierung Frankreichs sofort nach der Ankunft der sowjetischen Schiffe erlaubt hätte, die Waffen an die Republik zu befördern, hätte das Schicksal Kataloniens anders sein können. Wenn wir über diese Ausrüstungen hätten verfügen können, so hätten wir die Möglichkeit gehabt, noch einige Monate zu widerstehen. Und die Lage beachtend, die sich in Europa entwickelte, hätte das der Untergang der unheilvollen Verwirklichung der faschistischen Pläne sein können.«
Nach dem Münchner Abkommen Ende September 1938 sagten alle Pariser Militäranalytiker den Sieg Francos voraus. Am 6. Dezember 1938 unterschrieben Deutschland und Frankreich eine Freundschaftserklärung. Der zeitweilige Vertreter der UdSSR in Spanien, Sergej Grigorjewitsch Martschenko, teilte im Telegramm vom 3. Februar 1939 dem Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR mit, dass ein bedeutender Teil der gelieferten Waffen den Franco-Leuten in die Hände gefallen sei und er weitere Lieferungen nicht empfehle. Am 27. Februar 1939 erkannte die britische Führung das Regime Francos als einzige und alleinige gesetzliche nationale Regierung Spaniens an. Den Engländern folgten andere Staaten weltweit. Eine Ausnahme bildeten die UdSSR und Mexiko.
Weitere Informationen unter: www.spanishsky.dk/sowjetische-hilfe-spanische-republik
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