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Prioritäten setzen

Kolumbiens Präsident sucht Nähe zu Israel

Von Volker Hermsdorf
Foto: Santiago Saldarriaga/AP/dpa

Kolumbien wurde am Montag von einem der schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten erschüttert. Bis Dienstag früh (Ortszeit) sei die Zahl der Todesopfer bereits auf 164 gestiegen. Tausende wurden verletzt, ebenso viele gelten als vermisst. In den Krankenhäusern der vom Erdbeben am stärksten betroffenen Großstadt Cali herrscht »Alarmstufe rot«, sie sind zu 100 Prozent ausgelastet. Unbekannt ist die Zahl der Toten und Verletzten in den umliegenden Gemeinden und Orten, die ebenfalls eingestürzte Gebäude sowie Schäden an Krankenhäusern, öffentlichen Einrichtungen und Verkehrssystemen meldeten.

Der seit Freitag amtierende ultrarechte Staatschef Abelardo de la Espriella hat den Notstand ausgerufen und zunächst 1.000 Einsatzkräfte nach Cali geschickt, als von dort Plünderungen gemeldet wurden. Gegenüber Medien sagte er dagegen: »An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter Trümmern begraben sind.« Zugleich setzt der Multimillionär, der neben der kolumbianischen auch die US-amerikanische und die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, in der Innen- und Außenpolitik Prioritäten, die die Politik seines linken Vorgängers Gustavo Petro in nahezu allen Bereichen in ihr Gegenteil verkehren.

Am Tag vor dem Beben feierte De la Espriella die Tötung von sechs angeblichen Mitgliedern bewaffneter Gruppen als »klare und eindringliche Botschaft an alle Banditen«. Sie können sich »nirgendwo verstecken«, sagte er, nachdem er die von Petro begonnenen Friedensgespräche schon in seiner Antrittsrede für beendet erklärt hatte. Zur selben Zeit, als in Cali, Bogotá, Manizales, Pereira, Medellín und anderen Städten Menschen unter den Trümmern einstürzender Gebäude ums Leben kamen, erkannte die von De la Espriella geführte Regierung Israel die »Souveränität« über die seit 1967 militärisch besetzten und 1981 annektierten syrischen Golanhöhen zu. Die Kontrolle sei »ein wichtiger Bestandteil der israelischen Landesverteidigung«, hieß es in einer Erklärung.

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In einer seiner ersten Amtshandlungen hat der rechte Staatschef die im Mai 2024 ausgesetzten diplomatischen Beziehungen zu Tel Aviv wieder aufgenommen. Petro dagegen hatte der Regierung Netanjahu den Genozid an den Palästinensern vorgeworfen und Donald Trump im September 2025 bezichtigt, »mitschuldig am Völkermord« im Gazastreifen zu sein. Während sich Petro am Rande einer UN-Generaldebatte an einer palästinasolidarischen Demonstration beteiligt hatte, lud De la Espriella Israels Außenminister Gideon Saar zu seiner Amtseinführung ein, bei der ein Oberrabbiner seine Rede mit dem Ausruf »Lang lebe Kolumbien, lang lebe Israel« beendete.

Nur einen Tag später erkannte die neue Regierung in Bogotá auch die Souveränität Marokkos über die Westsahara an, einem nicht autonomen Gebiet, das gegen den Willen des sahrauischen Volkes unter marokkanischer Besatzung steht. Dies markiere einen Neuanfang in den Beziehungen zu Rabat als wichtigem strategischen Verbündeten der USA und Israels in Nordafrika, hieß es.

Welche Prioritäten der neue Präsident Kolumbiens zumindest außenpolitisch setzt, dürfte mithin sehr rasch deutlich geworden sein. Es ist das Bündnis Washington–Tel Aviv–Bogotá.

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.08.2026, Seite 3, Ansichten

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