Friedhofswächter des Tages: Harry-Potter-Fans
Zweihundert gedachte Thaler sind keiner weniger als zweihundert echte. Auf seine verworrene Weise wolle Kant damit sagen, dass Sein keine Inhaltsbestimmung sei, kommentiert Hegel, immerhin aber hatte der Kaliningrader Knispel darin einen Ansatz gefunden, Anselms ontologischen Gottesbeweis zu widerlegen. Wie viel oder wenig das mit dem Grab des liebenswürdigsten Hauselfen der Romangeschichte zu tun hat, dürfte der ideelle Gesamtleser der Harry-Potter-Reihe nicht ahnen, klar ist bloß: kein Gramm mehr oder weniger als tatsächlich.
Wer bis hierhin folgen konnte, dürfte den unfreiwilligen Hintersinn jener Anekdote begreifen, die sich nun tatsächlich auf der britischen Insel zugetragen hat. Am Freshwater West Beach in Pembrokeshire (Wales) sollte ein 430 Millionen Pfund teures und 200 Kilometer langes Starkstromkabel nach Wexford (Irland) verlegt werden. Das Projekt wurde infolge heftiger Proteste aufgegeben. Der Strand nämlich ist nach der Filmhandlung des siebenten Teils jener Ort, an dem der Hauself Dobby begraben liegt, den Harry im zweiten Buch kennenlernt und der ihm im siebten dann beim Kampf gegen den dunklen Lord hilft, dessen Name nicht genannt werden darf. Dem Projektleiter, einem real existierenden Menschen namens Simon Ludlam, war dieser Fakt nicht bekannt, wie der Mann selbst der BBC berichtete. You’re living next door to Dobby! – Dobby, who the fuck is Dobby?
Gleichwohl gab der Mann den Hunderten Beschwerdebriefen nach. Man fand eine andere Trasse für die Starkstromleitung. Die, wie sich nun herausstellte, führt statt dessen an mehr als bloß fiktiv vorhandenen Gräbern vorbei, an echten Urnen aus der Bronzezeit. Und die wieder hat, Mykene hin, Hethiter her, eine schwächere Lobby als das Zaubereiministerium in London. Einbildung siegt über Wirklichkeit, aber so funktioniert letztere nun mal.
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