Vergebliche Mühe
Sauber durchkeifen: Left to Dies Album »Initium Mortis«
Es gibt Erbschaften, die nicht angetreten werden können. Mit Ian Fraser »Lemmy« Kilmister starben Motörhead 2015 mit. Auch wenn der im März dieses Jahres von uns gegangene Philip Anthony »Wizzö« Campbell mit den Bastard Sons das musikalische Erbgut noch weiter von der Bühne in die Welt hinaustrug, war klar, dass es ohne Lemmys Zutun nicht geht.
Auch Death machten den Laden dicht, als Sänger und Leadgitarrist Chuck Schuldiner 2001 34jährig von einem Gehirntumor dahingerafft wurde. 1983 als Mantas in Tampa, Florida, also dem sumpfigen Urgrund des Death Metal, gegründet, mögen der frühe Tod Schuldiners und die damit verbundene Auflösung von Death deren Status im Subsubgenre in die Immortalität überführt haben. Die von »Scream Bloody Gore« (1987) und »The Sound of Perseverance« (1998) gerahmte Diskographie sind die sieben Evangelien des Death. Bands wie Deicide und Obituary sind groß, aber zeitlos ist nur, was nicht mehr ist.
2022 ging Left to Die als Deaths zweitem Album »Leprosy« (1988) Tribut zollende Supergroup an den Start, bestehend aus Matt Harvey (Exhumed, Gruesome), Gus Rios (Gruesome), Terry Butler (Obituary) und Rick Rozz (Massacre). Die beiden letzteren spielten selbst für Death, Rozz als Gründungsmitglied und Rhythmusgitarrist bis 1989, Butler spielte für drei Jahre Ende der 80er Bass. Mit »Initium Mortis« setzt nunmehr das langsame Sterben der Tributeband und der Beginn relativ eigenständiger Musikproduktion als Scheintod ein. Denn auf dem Album finden sich gänzlich Neuvertonungen alter Demo- und EP-Stücke von Death bzw. Mantas in jüngsten Jahren, darunter »Archangel« (»Infernal Death«, 1985) und »Mantas« (»Death by Metal«, 1984), die als Originale nur als mit Raummikro aufgenommene Studiomitschnitte erhalten sind, an deren Tonbändern die Zeit hörbar genagt hat.
Matt Harvey geht nicht wie Schuldiner ins Falsett hoch, dafür keift er sauber durch, weit weniger verrotzt, als es der am ruppigeren Thrash seiner Zeit geschulte, damals 17jährige Schuldiner anstellte. Harvey gibt und nimmt damit etwas: »Mantas« mit seinem zweistimmigen, hymnischen Soloteil scheint dadurch wie aus einem Guss, aus dem die nach Bestandsaufnahmen und emsiger Fragmentfriemelei klingenden Death-Songs mit ihren harten, punkigen Brüchen nie bestanden. Left to Die machen alles sauber, und dadurch geht etwas verloren.
Coverbandsein geht nicht. Die lobenswerte, aber eben doch vergebliche Mühe, die sich Left to Die geben, ist Beweis dafür.
→ Left to Die: »Initium Mortis« (Relapse Records)
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