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Dürre frisst Ackerland
Bauern drohen Ertragsausfall, Futterknappheit und Noternten. Interessenverband warnt vor Höfesterben und fürchtet um Ernährungssicherheit
Über den Feldern liegt ein feiner Staubfilm. Die Erde ist aufgerissen, tiefe Furchen. Zwischen den Reihen verdorrter Pflanzen ziehen heiße Windböen; kein Hauch von Frische, nur trockenes Rascheln. Am Ende der Ackerflächen schimmern Reste eines Weizenschlags: geknickte Halme, leere Ähren. Hier wird kaum noch etwas eingefahren – besonders in Süddeutschland.
Landwirte beklagen hohe Ernteausfälle, selbst das Viehfutter wird knapp, berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Mittwoch. Einbußen gibt es bei Mais, Zuckerrüben, Körnererbsen, Ackerbohnen und Winterweizen; auch das Grünland wächst schlecht. Selbst die tierische Erzeugung sinkt – etwa die Milchmenge, so Berit Thomsen, Pressesprecherin der linken Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), am Mittwoch im jW-Gespräch. »Hochleistungskühe« geben schon bei 25 Grad Celsius deutlich weniger Milch – klassischer Hitzestress.
Unter dem Strich: Die Schäden summieren sich, lokal auch verstärkt durch Starkregenereignisse. Kurz gesagt: Bauern sind die ersten Opfer der Witterung, hieß es jüngst beim Fachportal Agrar heute. Oder wie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, erklärt: »Die aktuellen Erntezahlen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf unsere Betriebe erheblich. Schwächere Erträge, geringere Erlöse und hohe Betriebskosten treffen die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Lage.« Handlungsdruck sieht auch Thomsen. Vor allem die Kombination aus niedrigen Erzeugerpreisen und hohen Produktionskosten treibe Bauern in die Existenznot. Wenn sich das Höfesterben fortsetze, werde bald auch die Frage der Ernährungssicherheit akut. Und nicht zuletzt dürften Handelsriesen die Preisspirale in Lebensmittelmärkten kräftig anheizen. Unterschätzte Gefahren, auf die die »schwarz-rote« Bundesregierung nicht ausreichend reagiere, kritisiert die AbL-Sprecherin.
Zurück zur Dürre. Fraglos, entscheidend ist die Wasserfrage. Grundwasserpegel fallen, Flüsse werden zum Rinnsal, Seen zu Tümpeln. Aber: »Unsere Flüsse trocknen nicht nur aus, weil es zu wenig regnet«, wurde Rocco Buchta, Leiter des Nabu-Instituts für Fluss- und Auenökologie, am Dienstag in einer Mitteilung zitiert. Über Jahrzehnte seien natürliche Wasserspeicher in der Landschaft zerstört worden – Buchta: »Moore wurden entwässert, Wälder verloren ihre Speicherfähigkeit, und viele Auen wurden von den Flüssen abgeschnitten.« Früher wirkten diese Ökosysteme wie ein riesiger Schwamm, der Wasser zurückhält und langsam wieder abgibt. Heute rauscht das kostbare Nass nach Starkregen schneller ab und fehlt Flüssen in Trockenphasen.
Auch, weil es an wasserwirtschaftlichen Anlagen fehlt – an Staubecken, Schöpfwerken und Wehren. Nicht nur das: Allein in Brandenburg sind rund 10.000 Stauanlagen marode, viele Klappen defekt, hatte der Bauernbund Brandenburg unlängst moniert. »Ohne ausreichende Wasserversorgung unserer Kulturpflanzen wachsen keine guten Ernten heran, unter sinkenden Grundwasserständen leidet die ganze Natur«, unterstrich Bauernbund-Präsident Lutz Wercham.
Hinzu kommt: Dürre- und hitzebedingte Einbußen bei der Ernte bedrohen auch die Folgeernte, »weil Zwischenfrüchte oder Raps nicht ausgesät werden können«, schreibt die SZ. Die Tragweite dieser Witterungsbedingungen ist vielen Menschen außerhalb der Landwirtschaft nicht klar: Ackerbaubetriebe haben meist nur eine Chance pro Jahr – fällt sie aus, bricht die Jahresproduktion ein.
Nicht von ungefähr fühlen sich Altbauern an den Dürresommer 1976 erinnert. Sieben Wochen extreme Trockenheit und hohe Temperaturen – eine außergewöhnlich lange Hitzeperiode im Juni und Juli. Seit Beginn der Messreihen ein meteorologischer Sonderfall – oder ein früher Vorbote der heutigen Wetterextreme, wie das Gros der Klimaforscher meint.
Die Aussicht ist düster – regional zumindest: Agrarische Nutzflächen verdorren zu Brachlandschaften. Staubige Wölkchen wirbeln mit jeder Böe über aufgerissene Böden. Hier wächst nichts mehr.
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