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Antizionismus

Gleiche Rechte für alle

Der Gründer von Matzpen wurde 90. Er hält fest an der Hoffnung auf eine sozialistische Revolution in der Region

Foto: matzpen.org
Matzpen-Aktivisten protestieren 1980 in Tel Aviv gegen ein antipalästinensisches Gesetz

Mosche Machover gibt nicht auf. Er bleibt aktiv, schreibt und publiziert, gibt Interviews und hält an seinem Marxismus fest. 1936 geboren, arbeitet und lebt er seit 1968 in London. Dort wollte er eigentlich nur die kurze Zeit der israelischen Besatzung Palästinas – so seine Erwartung – überleben, um dem blinden Siegestaumel und den Drohungen gegen sich und seine Familie zu entgehen – vor der Rückkehr in ein Israel ohne Besatzungsregime. Er hatte gehofft, dass die Anzeige der von ihm mitgegründeten sozialistischen Organisation Matzpen vom September 1967 in Haaretz zum Nachdenken anregen und zu den notwendigen Folgen führen würde. Sie lieferte eine klare Analyse und stellte entsprechende Forderungen:

»Das Recht, uns gegen Vernichtung zu verteidigen, gibt uns nicht das Recht, andere zu unterdrücken (…) Besatzung führt zu Fremdherrschaft. Fremdherrschaft führt zu Widerstand. Widerstand führt zu Unterdrückung. Unterdrückung führt zu Terror und Gegenterror. Die Opfer des Terrors sind meist unschuldige Menschen. Wenn wir die besetzten Gebiete behalten, werden wir zu einer Nation von Mördern und Mordopfern. Wir müssen die besetzten Gebiete SOFORT verlassen.«

Matzpen wurde 1962 unter dem ursprünglichen Namen Ha'Irgun haSozialisti beJisra'el (Die Sozialistische Organisation in Israel) von jüdischen Kommunisten gegründet. Sie waren zuvor aus der Kommunistischen Partei Israels ausgeschlossen worden, nachdem sie deren stalinistische Ausrichtung kritisiert hatten. Sie versuchten, auch Palästinenser in Israel für ihr Anliegen zu gewinnen. Das gelang allerdings erst 1963. Die bedeutendste Rolle, so Machover in Interviews, spielte dabei Dschabra Nicola aus Haifa, »der wichtigste palästinensische Marxist im 20. Jahrhundert«. Er betont, dass Nicola sehr großen Einfluss auf die Entwicklung der Organisation hatte. Denn er war es, der den jungen jüdischen Gründern die Augen über den Zionismus öffnete und ihnen durch seine tiefgehende marxistische Analyse zeigte, dass es sich um ein koloniales Projekt handelte.

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Die minimalen Forderungen von Matzpen, wie sie Machover auch noch als 90jähriger überzeugend artikuliert, sind deshalb: gleiche individuelle Rechte für alle, die im Lande leben, zunächst zwischen Mittelmeer und Jordanfluss; gleiche nationale Rechte für die palästinensische Nation und die hebräische (Machover spricht von einer hebräischen Nation – zur Unterscheidung von der, wie er formuliert, Fiktion eines jüdischen Volkes: Judentum ist für ihn eine Religion) bzw. jüdisch-israelischen Nation; und schließlich Rückkehr der seit 1948 vertriebenen Palästinenser.

Die Organisation entwickelte das Programm einer sozialistischen Revolution in der arabischen Region, einer gemeinsamen Revolution der Arbeiter, die zu einem sozialistischen Staat führen soll. Daran hält Machover unverbrüchlich fest. Eine Zweistaatenlösung hält er für illusionär, denn der Zionismus, ob à la Rabin oder à la Netanjahu, würde diese nie akzeptieren. Dessen Ziel sei ein zionistisch-jüdischer Staat vom Mittelmeer bis zum Jordanfluss. Die Einstaatenlösung sieht er ebenfalls nicht umsetzbar unter den Bedingungen des Kapitalismus, denn die jüdische Arbeiterklasse Israels wäre nie bereit, ihre nationalen Privilegien gegenüber den Palästinensern aufzugeben. Nur ein sozialistischer Staat würde ihnen ermöglichen, Teil der herrschenden Arbeiterklasse in einer sozialistischen Region zu werden.

Machover und der 2013 verstorbene israelische Schriftsteller und Aktivist Akiva Orr gründeten Ende der 1960er Jahre als Matzpen-Aktivisten in London das »Israelische revolutionäre Aktionskomitee im Ausland« (ISRACA). Auch in der damals für linke Analysen zur arabischen Region wichtigsten Zeitschrift Khamsin publizierten sie regelmäßig. Ihre Präsenz in London und Paris ermöglichte ihnen Dialog und Zusammenarbeit mit der internationalen radikalen Linken und enge Kontakte mit arabischen und palästinensischen Linken. Da eine sozialistische Revolution in der nahen Zukunft nicht zu erwarten ist, sollten Marxisten, so Machover, für die Umsetzung des Matzpen-Minimalprogramms kämpfen.

Mosche Machover feiert seinen 90. Geburtstag an der Seite seiner Frau und Genossin Ilana. Im Interview mit Eran Torbiner von Matzpen geben sich die beiden die schönste Liebeserklärung, als sie nach ihren engsten Freunden gefragt werden. Mosche ohne Zögern: Mein bester Freund ist Ilana. Ilanas Antwort: Mein bester Freund ist Moshe. Sie sind seit 68 Jahren ein glückliches Paar.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.08.2026, Seite 6, Ausland

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