Umerziehung
In seiner Rede bei seinem Staatsbesuch im September 1937 erklärte Benito Mussolini auf dem Maifeld neben dem Berliner Olympiastadion: »Das Europa von morgen wird faschistisch sein.« Das hat im ersten Durchlauf nicht ganz geklappt, aber diesmal geht es um einen globalen Faschismus (»Blut und Boden« plus Hightech). Und auch in diesem Fall muss an eine »Umerziehung« (»reeducation«) gedacht werden. Deswegen sei schon mal an ein paar Filme erinnert, in denen es darum geht.
1943 haben die sowjetischen Filmemacher Grigori Kosinzew und Leonid Trauberg die 25minütige Agitpropsatire »Der junge Fritz« gedreht, die die verhängnisvollen Folgen eines militant rassistischen Irrationalismus thematisiert: Ein dümmlich-rassenstolzer »Schädelvermesser« kündigt den exemplarischen Lebensweg eines »idealen Nazis« an, der bereits in der Wiege einen Helm auf hat. Motto: »Wir denken nicht. Wir gehorchen.« Das Kind wird zum brutalen Nazilandsknecht abgerichtet und gerät schließlich in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Man stellt ihn im Zoo in einem Käfig aus … als Beispiel »für die Rückentwicklung des Menschen zum Affen«.
Nebenbei: Es gibt in Berlin seit 2016 eine Agentur, die sich »Der junge Fritz« (DJF) nennt, mit dem Zusatz »B2B« (von Business zu Business). Auf der Firmenwebseite heißt es: »Wir leben und arbeiten in Berlin. Der Hauptstadt. Ort der Inspiration. Der persönlichen Entwicklung. Und des wirtschaftlichen Wachstums. Unser Vorbild ist der Alte Fritz. Wie er glauben wir an Tugenden. Die Kraft der Tat. Die Mühen der Aussaat vor den Früchten des Erfolges. Und ein professionelles, kreatives und freundliches Miteinander.«
1990 produzierte der Holocaustüberlebende Artur Brauner den deutsch-polnisch-französischen Film »Hitlerjunge Salomon« nach der Autobiographie von Sally Perel, dem als Mitglied der Hitlerjugend gelang, seine jüdische Identität zu verbergen und den Faschismus zu überleben. Die Süddeutsche Zeitung urteilte über den Film, er erzähle keine Tragödie, sondern vermische »Comic und Agitation zum Agitpop«.
Mein liebster Antifafilm ist der 1928 gedrehte Spielfilm »Salamandra« des jüdisch-sowjetischen Regisseurs Grigori Roschal. Er verarbeitet das Schicksal des österreichischen Biologen Paul Kammerer, der anhand von Amphibienumerziehungsexperimenten nachweisen wollte, dass Umwelteinflüsse sich auf Erbanlagen auswirken (Lamarck statt Darwin). Das missfiel den reaktionären Professoren und Geistlichen derart, dass sie seine Ergebnisse heimlich verfälschten. Im August 1926 bezichtigte die Zeitschrift Nature Kammerer der Fälschung. Kammerer verübte daraufhin Ende September 1926 Suizid. Im Film wird die Forscherfigur jedoch vom Volksbildungskommissar Anatoli Lunatscharski persönlich gerettet, der für ihn ein eigenes Forschungsinstitut in Moskau bereithält, was Lunatscharski Kammerer tatsächlich angeboten hatte.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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