Ein Weg ins Nichts
Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Angriffs auf die Sowjetunion in der jW-Maigalerie
Der 85. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion wird in der Bundesrepublik weitgehend verdrängt. Mit einer Veranstaltung in der Maigalerie der jungen Welt wurde am vergangenen Donnerstag an die Opfer des Vernichtungskrieges der Nazis im Osten erinnert. Die 27 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion, die im Krieg ums Leben kamen, wurden nach einem genozidalen Plan ermordet.
Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein Grußwort des russischen Botschafters Sergej Netschajew verlesen, der die Anerkennung der von Deutschland begangenen Verbrechen als Völkermord an den Völkern der Sowjetunion forderte. Zugleich erinnerte Netschajew an »die entscheidende Rolle des multinationalen sowjetischen Volkes bei der Zerschlagung des Nationalsozialismus« und verurteilte jede Form des historischen Revisionismus. Kritisiert wurden insbesondere Versuche, die Verbrechen des Faschismus zu relativieren oder die Bedeutung der Roten Armee für die Befreiung Europas herabzusetzen.
Im Grußwort der Botschaft wurde dem deutschen Staat und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für die Pflege der mehr als 4.000 sowjetischen Kriegsgräberstätten in Deutschland gedankt. Gleichzeitig wurde vor einer neuen Militarisierung und einer Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen gewarnt. »Das ist ein Weg ins Nichts.«
Die BSW-Politikerin Sevim Dagdelen nannte den Überfall auf die Sowjetunion einen kolonialen Vernichtungskrieg. Es sei skandalös, dass die Bundesregierung zu diesem Menschheitsverbrechen, dem Völkermord an den Völkern der Sowjetunion, zum 85. Jahrestag kein Gedenken organisiere. »Statt dessen wird im Berliner Abgeordnetenhaus über die Kontextualisierung von sowjetischen Ehrenmalen debattiert.«
Arnold Schölzel von der Chefredaktion der jungen Welt erinnerte an die Wiederaufrüsvtung Deutschlands vor und der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. »Befreiung hat es nach herrschender Lesart nur dort gegeben, wo Westalliierte die Wehrmacht zurückdrängten, nicht aber dort, wo die Rote Armee kämpfte«, kritisierte er. Schölzel zeigte die historische Traditionslinie am Beispiel Adolf Heusingers, eines der maßgeblichen militärischen Planer des Unternehmens Barbarossa auf, der 1957 erster Generalinspekteur der Bundeswehr und Anfang der 1960er Jahre Vorsitzender des NATO-Militärausschusses wurde.
Der Vorsitzende des Vereins Integral e. V. Constantin Pivovarov sprach über Hitlers Generalplan Ost. Er erklärte, warum der 19. April seit 2025 in Russland als »Tag des Gedenkens an die Opfer des Genozids am sowjetischen Volk« begangen und ein solcher Gedenktag für ganz Europa gefordert wird. An der Humboldt-Universität in Berlin will der Verein eine Plakette anbringen lassen, die daran erinnern soll, dass in der dortigen Agrarfakultät im Faschismus der Massenmord an 30 Millionen Russen geplant wurde, um »Lebensraum« für das deutsche Volk zu schaffen. Die Überlebenden sollten versklavt werden. Pivovarov zeigte ein Modell für ein Monument zum Gedenken an diesen Genozid, das bei St. Petersburg errichtet werden soll.
Die Veranstaltung wurde musikalisch abgerundet durch die Sängerin Gina Pietsch und den Pianisten Fabio Costa mit ihrem Programm »Russen«.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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