Mitgefühl (2)
Auf utopia.de befasst sich ein Artikel mit der »Empathie für Tiere«: »Warum sie so wichtig ist – nicht nur für Timmy.« Mit Timmy ist der in der Ostsee gestrandete Buckelwal gemeint.
»Noch Anfang April hatten Expert:innen seinen Zustand als kritisch eingestuft, weitere Rettungsversuche ausgeschlossen; statt dessen erhielt er palliative Hilfe. Doch bundesweit regte sich Widerstand gegen diesen stillen Abschied. Menschen protestierten, wollten sich nicht damit abfinden, dem langsamen Sterben zuzusehen. Der Wal wurde zum Symbol für Hilflosigkeit, aber auch für Hoffnung.« Der Biologe Robert Marc Lehmann sagte: »Der Wal bringt das Beste und das Schlechteste in uns hervor.«
Zwar starb der Wal dann in der Nordsee, aber seine Rettungsversuche kosteten ein Vermögen und beschäftigten viele Menschen, nicht zu schweigen von den Journalistenmassen.
Für den utopia.de-Autor gilt desungeachtet: »Empathie gegenüber Tieren ist mehr als sentimentale Regung – sie ist ein Maßstab dafür, wie weit eine Gesellschaft bereit ist, Verantwortung über die eigene Spezies hinaus zu denken. Wer das Leiden eines Tieres wahrnimmt und nicht ignoriert, erkennt an, dass Leben nicht erst im Menschlichen beginnt.«
Es gibt Anzeichen dafür, dass wir es angesichts der immer beunruhigenderen Weltlage (Kriegsgefahr, Klimakrise, Aufrüstung statt Sozialpolitik, Flüchtlingsablehnung statt Flüchtlingsintegration usw.) mit einer Verschiebung der Empathie zu tun haben könnten – von Menschen zu Tieren. NZZ-Redakteurin Birgit Schmid schrieb bereits 2018: »Manchmal leidet man mit Tieren stärker mit, als dass einen Kriegsbilder aus Syrien noch erschüttern. Unsere Empathie zu Tieren kennt keine Grenzen. Das macht auch unbehaglich.« Ähnlich empfand es eine Briefschreiberin auf psychomeda.de: »Ich bin weiblich und 49 Jahre alt. Mein Problem ist, dass ich für Tiere erheblich mehr Mitgefühl empfinde als für Menschen! Und ich befürchte, dass das nicht normal ist!!! Wenn ich wählen müsste, würde ich in einer Notsituation von meinem Gefühl her wahrscheinlich eher einem Tier helfen als einem Menschen.«
Die Schriftstellerin Doris Lessing hatte keine solchen Bedenken. In einem ihrer wunderbaren Katzenbücher gestand sie, dass sie inzwischen mehr über eine gestorbene Katze trauere als über einen gestorbenen Bekannten oder Verwandten. Auch die finnische Ethnologin und Vogelbeobachterin Ulla-Lena Lundberg meint (in: »Sibirien: Selbstporträt mit Flügeln«, 2003): »Ich will nicht leugnen, dass ein Teil des Entzückens, mit anderen Vogelguckern gemeinsam draußen unterwegs zu sein, in der unausgesprochenen Überzeugung liegt, die Vögel verdienten das größere Interesse« – als die Menschen.
So ähnlich geht es auch mir, seitdem ich 2002 anfing, Biologie zu studieren, und dabei quasi hinterrücks in eine Anthropause geriet, die immer noch anhält. In anderen Kulturen, etwa in Japan und Indien, ist diese Trennung (zwischen Kultur und Natur) weniger streng. So meint z. B. der Verhaltensforscher Junichiro Itani: »Die japanische Kultur macht kein Aufhebens um den Unterschied zwischen Menschen und Tieren und ist damit bis zu einem gewissen Grad vor den Verlockungen des Anthropomorphismus geschützt. (…) Wir sind davon überzeugt, dass dies zu vielen wichtigen Entdeckungen geführt hat.« Leider ignorierte man im Westen ihre Forschungsarbeiten, vornehmlich an Affen, nahezu komplett.
Wenn man hierzulande den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit den seit 2000 aus dem Osten eingewanderten Wölfen verfolgt, dann kann man nur zu dem Urteil kommen, dass es mit unserer Zivilisation nicht allzu weit her ist. Gegen die konservativ-neoliberale Entwicklung seit der sogenannten Wende bemühen sich Tier- und Naturschützer mit geringem Erfolg trotzdem um die »Förderung des Mitgefühls für Tiere«, wie es auf vegeco.org heißt. Es ist dies eine Firma, die sich für vegane Ernährung einsetzt zugunsten vor allem von Nutztieren, und dazu »fünf Wege« aufzeigt mit »praktischen und inspirierenden Ansätzen«.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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