Das stimmt, das stand im Internet: Episteme für Anfänger
Glauben ist nicht wissen, sagte die Großmutter immer, wenn es um die Kirche ging. Mit anderen Worten: Wer gläubig ist, der weiß es eben nicht besser. Mit dem nichtreligiösen Glauben verhält es sich ein bisschen anders. Wissen ist Glauben ohne Zweifel. Es geht nicht um die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, die ist für uns prinzipiell unerreichbar. Beispiel: Anton sagt: »Ich weiß, dass die Erde eine Scheibe ist.« Er sagt nicht, er glaube, sondern er wisse, denn er glaubt es ohne Zweifel. Benno weiß, dass Anton nur glaubt, was er zu wissen meint. Benno glaubt nicht, er weiß, dass die Erde eine Kugel ist, bis … Jakob, Ömer, Stifte aus der Nase und zuhören, es wird gleich interessant! Letzte Woche hat sich in der Klasse meiner Tochter einer Murmeln ins Ohr gesteckt, ich glaube, die sind immer noch nicht wieder raus.
Wo war ich? Ach so, wenn sich herausstellt, dass die Erde eine Computersimulation ist und wir selbst gleich mit, haben wir im Rückblick nur geglaubt und nicht gewusst. Und warum sollen wir jetzt die Zeitung lesen? Fast alles, was wir über die Welt glauben oder zu wissen meinen, haben wir aus den Medien. Die einen sagen so, die anderen auch, und wir sollen uns unsere Meinung bilden, das sagt sogar eine Werbung: Bild dir deine Meinung. Wenn man nicht aufpasst, geschieht die Meinungsbildung ganz von selbst.
Klo? Jakob, in fünf Minuten ist Pause, so lange hältst du noch durch. Das glaube ich nicht, das weiß ich. Genau, und weil alle Zeitungen sich darüber einig sind, wissen wir heute, wer die Guten sind und wer die Bösen. Wenn eine aber mit Beweisen und guten Argumenten etwas anderes sagt, dann wissen wir nicht mehr, dann glauben wir nur noch, und im besten Fall auch das nicht mehr lange. Man kann ja nicht glauben, die Erde sei eine Scheibe, und gleichzeitig wissen, sie ist rund. Darum lesen wir diese Zeitung, am besten mit dem Stift in der Hand. Und nicht in der Nase. Und der nächste, der sagt: »Das stimmt, das stand im Internet!«, kriegt einen Eintrag ins Klassenbuch.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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