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Ein Hauch von Tomatensoße: Rivoli, Tivoli, Napoli

Foto: Paolo Manzo/ZUMA Press/imago
Dünner Teig, hoher Rand? Pizza Napoli!

Rivoli, Tivoli, Napoli … Nicht wenigen tut sich beim Hören solcher Silbenfolgen etwas auf, ein mediterraner Hauch von Zirkus, Magie, Tomatensoße. In der nach einer napoleonischen Schlacht benannten Rue de Rivoli steht das Pariser Rathaus, vor dem sich immer die hübschen Paare küssen – oder jedenfalls, wenn sie vom Fotografen Robert Doisneau dazu aufgefordert werden.

Tivoli heißt der Vergnügungspark gleich hinter dem Hauptbahnhof von Kopenhagen. Keine schlechte Idee übrigens: Man kommt in die dänische Hauptstadt und lässt sich erst mal schnell von der Achterbahn durchschütteln. Der Termin im Außenministerium? Nicht vor dem Kettenkarussell. Und Ravioli, Sie wissen schon, das eine aus der Dose? Seit Generationen notwendige, wenn nicht hinreichende Bedingung jedes erinnernswerten Zelt- und Festivalabenteuers.

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So überzieht das exotische -li noch das schnödeste Alltagserlebnis mit einem Glanz von Dolce vita und dito far niente. Wenn es betont ist, heißt es im Italienischen »da«. Das kennen die Deutschen aus dem Ohrwurm »Furnicolì, Furnicolà«, jenem zur Eröffnung einer Seilbahn auf den Vesuv geschaffenen Lied, dessen Wortspiel (»Seilbahn hier, Seilbahn da«) in der recht freien Übersetzung der 3 Besoffskis (»Der Puff von Barcelona«, 1975) leider untergegangen ist. Der wiederum, also nicht der Puff, der Vulkan liegt bei Napoli, das ist die Pizza mit dem dünnen Teig und hohem Rand, immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe.

Ganz anders das verniedlichende heimische -li. Das gibt man dem Hund oder den Kindern zu essen (Leckerli, Müsli, Globuli) oder den betrunkenen Kumpels zu verstehen (Halali: Hirsch tot, Jagd vorbei). Wer wollte sich bei Rechtsfragen von jemandem beraten lassen, der sich mit Olli, Willi oder Wolli vorstellt? Zumal im medizinischen Bereich ist das -li ungehörig: »Hallo, ich bin die Melli, ich operiere Sie morgen an der Prostata.« Auch wenn Ihr Zahnarzt Ihnen ein Spritzli setzen will oder die Onkologin ein Krebsli diagnostiziert, sollten Sie ernsthaft einen Praxiswechsel in Erwägung ziehen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.09.2026, Seite 11, Feuilleton

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