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Begrenzte Chancen

Baku trifft Berlin

Von Jörg Kronauer
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Friedrich Merz auf der Suche nach neuen Erdgasquellen (Berlin, 21.7.2026)

Mehr Erdgas, neue Geschäftschancen, nicht zuletzt mehr Einfluss in einer geostrategisch hochwichtigen Region: Das erhofft sich die Bundesregierung vom Ausbau der Beziehungen zu Aserbaidschan, den Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag nach einem Treffen mit Präsident Ilham Alijew durch die Unterzeichnung einer Gemeinsamen Erklärung zu fördern hoffte. Zum Erdgas, das im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, gab es kaum Neues. Die EU hatte recht bald nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs angefangen, sich um neue Gaslieferungen aus Aserbaidschan zu bemühen, um Einfuhren aus Russland zu ersetzen. Seit Jahresbeginn kommt in Deutschland ein Teil davon an, der aus dem Südkaukasus durch die Türkei, Griechenland und Albanien nach Süditalien geleitet und von dort nach Norden weitertransportiert wird. Es geht um 1,5 Milliarden Kubikmeter im Jahr, eher Peanuts als ein Durchbruch; aber immerhin.

Eine aktuell wohl stärkere Dynamik ergibt sich aus den Bestrebungen, Aserbaidschan zum Transitland für den Handel zwischen Europa auf der einen, Zentralasien und vor allem China auf der anderen Seite auszubauen. Die Route aus Zentralasien über das Kaspische Meer und durch den Südkaukasus in die Schwarzmeerregion ermöglicht es, Russland zu umgehen. Sie wird seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs speziell gefördert und noch mehr seit Aserbaidschans Sieg im Krieg gegen Armenien, denn Baku will seine neu gewonnene Macht nun festigen. Globale Rivalitäten spitzen sich in und um Aserbaidschan zu; die Trump-Administration etwa will die rund 40 Kilometer lange Lücke zwischen dem Land und dessen an die Türkei grenzender Exklave Nachitschewan mit einem Verkehrskorridor schließen, der auf armenischem Territorium verläuft – und zwar unmittelbar an der Grenze zu Iran. Armenien galt lange als sehr eng an Russland orientiert; Aserbaidschan wiederum steht der Türkei äußerst nahe.

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Der Mix lässt die derzeitige Intensität der Einflusskämpfe im Südkaukasus erahnen. Die Beteiligung deutscher Unternehmen am Ausbau des Transitkorridors in Aserbaidschan verheißt perspektivisch mehr deutschen Einfluss. Man sollte aber nicht vergessen, dass ein Teil von Chinas Neuer Seidenstraße durch den Südkaukasus laufen soll. Beijing hat in Baku deshalb längst eine starke Stellung inne. Berlin kann ein wenig aufzuholen versuchen; die Chancen sind aber wohl begrenzt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.07.2026, Seite 1, Ansichten

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