Baudenkmal des Tages: Zum braunen Hirschen
Die oberösterreichische Kleinstadt Braunau am Inn ist nicht reich an Attraktionen. Und die einzige, die sie hat, bereitet ihr Bauchschmerzen: das Geburtshaus des wohl bekanntesten österreichischen Politikers, Adolf Hitler. In dem denkmalgeschützten Haus aus dem 17. Jahrhundert, in dem sich zeitweise das Braugasthaus »Zum braunen Hirschen« befand, hat der spätere deutsche Regierungschef zwar nur einen kleinen Teil seiner Kindheit verbracht – indes mit nachhaltigen Folgen für die Kleinstadt an der bayerischen Grenze. Denn so begreiflich das internationale Interesse an dem Baudenkmal auch ist, so wenig gern ist es in dem Städtchen am Inn gesehen. Wer es – aus lauteren oder weniger lauteren Gründen – sehen möchte, muss sich verschämt durchfragen und damit rechnen, dass ihm nationalsozialistische Gesinnung unterstellt wird.
Auf die naheliegendste Lösung ist man in Braunau bis heute nicht gekommen: auf die Einrichtung eine Dokumentationsstelle, die dem Interesse Rechnung trägt und die gleichzeitig so gestaltet ist, dass sich kein Neonazi wohlfühlen kann. Zwar gab es nach dem Krieg kurzzeitig eine »Gedenk- und Mahnausstellung«, doch wenige Jahre später erfolgte die Rückgabe an die alten Eigentümer, und das Haus wurde u. a. als Bibliothek, Schule und Behindertenwerkstatt genutzt. Seit der Enteignung der Eigentümerin vor zehn Jahren gehört das berühmte Haus der Republik Österreich. Abrisspläne wurden diskutiert, doch das Baudenkmal konnte gerettet werden und sieht jetzt endlich einer glorreichen Zukunft entgegen: Heute wird im Hitlerhaus eine Polizeidienststelle eröffnet. Nach allem, was über die Gesinnung dieser Berufsgruppe bekannt ist, darf davon ausgegangen werden, dass viele sich auf den neuen Arbeitsort freuen. Wie groß die Anzahl der Versetzungswünsche nach Braunau ist, ist nicht bekannt.
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