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ARD-Dokumentation

Sport im Sinne der Staatsräson

ARD-Dokumentation begleitet Makkabi Deutschland – politische Nähe zum israelischen Staat bleibt unkommentiert

Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH
Fans von Maccabi Tel Aviv auf der Tribüne im Europa-Park-Stadion (Freiburg im Breisgau, 22.1.2026)

Die zweiteilige ARD-Dokumentation »Deutsch. Jüdisch. Sicher? Maccabiah – Sportfest im Krieg« begleitet Mitglieder von Makkabi Deutschland auf dem Weg zur Makkabiade nach Israel. Sie ist seit dem 10. Juli in der ARD-Mediathek abrufbar, eine gekürzte Fassung lief am 11. Juli im Ersten. Die Sendung ist keine klassische Sportreportage, sondern eine politisch aufgeladene Dokumentation.

Alles beginnt mit Bildern vom 7. Oktober 2023. »Der Angriff gilt als schlimmstes Massaker an Juden seit dem Holocaust«, heißt es – dann werden Bilder einer palästinasolidarischen Demonstration eingeblendet, während von »extremer Gewalt« die Rede ist: »Juden in Deutschland sehen sich zunehmend Anfeindungen ausgesetzt.« Später illustrieren Bilder von Zusammenstößen zwischen palästinasolidarischen Demonstranten und Polizei Aussagen über antisemitische »Attacken und Anfeindungen«. So wird ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Protesten gegen Israels Kriegspolitik und antisemitischen Übergriffen suggeriert.

Unkommentiert werden zudem wiederholt Aussagen israelischer und deutscher Regierungsvertreter wiedergegeben. Zum tödlichen Angriff auf ein Team ausländischer Helfer im Gazastreifen am 2. April 2024 bleibt es bei Israels Darstellung: Benjamin Netanjahu spricht von einem »tragischen Zwischenfall« und einem »unbeabsichtigten Angriff durch die Luftwaffe«. Gleich zweimal zeigt der Film Friedrich Merz mit seiner Aussage: »Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle.«

Den größten Raum erhalten Funktionäre von Makkabi Deutschland, allen voran Präsident Alon Meyer. Er beklagt einerseits, als Jude für die Politik des »einzig jüdischen Staates« in eine »Gesamthaftung« genommen zu werden – das sei ebenso unsinnig, wie Muslime für sämtliche Kriege in muslimisch geprägten Ländern verantwortlich zu machen. Andererseits begrüßt Meyer, der sich selbst als »glühenden Zionisten« bezeichnet, dass »Terroristen« durch Israel »liquidiert werden«; angesichts der Angriffe Israels auf den Iran meint er, er sei stolz darauf, »was für ein kleines Land, was für eine kleine Armee sich für uns, für unsere westliche Werteordnung einsetzt«.

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Ariel Leibovici, technischer Leiter von Makkabi Deutschland, erklärt, Kritik an Makkabi habe nichts mit dem zu tun, »was in Israel passiert«, sondern sei »reiner Judenhass«. Kurz darauf ist er bei einer »Pro-Israel-Mahnwache« zu sehen und betont, man müsse »hinter dem Staat Israel stehen«.

Immer wieder zeigt der Film die politische Vernetzung von Makkabi Deutschland. Das Innenministerium sagt dem Verband Unterstützung zu, Meyer freut sich über die ausdrückliche Erwähnung im Koalitionsvertrag. Die Bundesregierung finanziert die deutsche Teilnahme an den Spielen mit, Kanzler Merz schickt eine Grußbotschaft. Bei der Eröffnungsfeier am 1. Juli in Jerusalem wird Netanjahu gezeigt, wie er verkündet, Israel verteidige »Freiheit und Zivilisation überall« – eine Einordnung dieser politischen Inszenierung bleibt auch hier aus.

Unbeleuchtet bleibt auch der historische Hintergrund der Makkabi-Bewegung, die im Umfeld des politischen Zionismus entstand. Nach der Vertreibung hunderttausender Palästinenser 1948 profitierten auch Makkabi-Vereine von der Übernahme ehemaliger Sportanlagen palästinensischer Klubs. Bis heute verstehen sich die Maccabi-Spiele nicht nur als Ausdruck jüdischer, sondern auch zionistischer Identität. Die Maccabi World Union (MWU) ist eng an den israelischen Staat gebunden: 2024 schloss sie eine Kooperationsvereinbarung mit der Regierung. Im Rahmen eines PR-Programms stellt Israel jährlich 15 Millionen Schekel (rund 4,4 Millionen Euro) für den Kampf gegen Antisemitismus und gegen die »Delegitimierung Israels« bereit. MWU-Geschäftsführer Amir Gissin leitete zuvor die Hasbara-Abteilung des Außenministeriums.

So wird aus einem Film über ­Makkabi im Krieg ein Film aus der Perspektive Makkabis: Die politische Rolle der Bewegung und ihre enge Bindung an den israelischen Staat werden als gegeben präsentiert, aber nicht problematisiert. Kritische Stimmen fehlen, eine Einordnung findet nicht statt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.07.2026, Seite 14, Medien

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