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Hinter den Kulissen
Politikberatung von Döpfner? Springer-Chef soll Kanzler laut einer RND-Recherche zur Öffnung gegenüber der AfD aufgefordert haben. Konzern dementiert
Es ist kein Geheimnis, dass Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer, politische Interventionen nicht fremd sind. 2023 enthüllte die Zeit, dass Döpfner den damaligen Bild-Chefredakteur vor der Bundestagswahl 2021 nachdrücklich ermuntert hatte, die FDP hochzuschreiben. Und 2020 soll er Angela Merkels Stellungnahme gegen die mit den Stimmen der AfD erfolgte Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten in einer internen Nachricht mit den Worten kommentiert haben, »M« habe den Verstand verloren.
Nun sorgen kurz vor dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt Berichte über angebliche Aktivitäten Döpfners für eine Öffnung der Union gegenüber der AfD für Wirbel. In dem Podcast »Wenn Sie wüssten …« des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Dienstag heißt es, Döpfner habe Anfang 2026 in einem Vieraugengespräch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt. Das Medienhaus wies diese Darstellung vehement zurück.
In dem Podcast sollen Hintergründe des politischen Geschehens in Berlin beleuchtet werden. Recherchiert werden die Beiträge von RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck, Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, sowie dem Dokumentarfilmer Stephan Lamby. Das Trio hat für die erste Folge des Podcasts zu dem Vieraugengespräch zwischen Döpfner und Merz recherchiert, das Anfang des Jahres im Kanzleramt stattgefunden haben soll.
Von dem Treffen wollen die Journalisten von »mehreren vertrauenswürdigen, gut informierten Personen« erfahren haben, die sie auch über den Gesprächsverlauf informiert hätten. Den Angaben der Informanten zufolge habe Döpfner den Kanzler aufgesucht, um ihn von seiner Haltung zur »Brandmauer« abzubringen, sich also für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Im Podcast heißt es, bereits im Wahlkampf vor der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 habe es ein Gespräch gegeben, in dem der Springer-Chef Merz, damals Kanzlerkandidat, von einer Kooperation der Union mit der AfD zu überzeugen versucht habe.
Bei dem zweiten Treffen 2026 habe Merz Döpfners Ansinnen erneut zurückgewiesen. Laut einer RND-Quelle soll Merz gesagt haben, eine Zusammenarbeit der Union mit der Rechtspartei gebe es »nur über meine Leiche«. Da Döpfner aber nicht lockergelassen habe, sei die Situation eskaliert. Merz habe das Gespräch schließlich für beendet erklärt. Daraufhin soll Döpfner aufgestanden sein und im Hinausgehen den Satz gesagt haben: »Das werden Sie noch bereuen!«
Das RND-Trio hat nach eigenen Angaben sowohl die Bundesregierung als auch Springer zu der Recherche befragt. Regierungssprecher Stefan Kornelius habe lediglich mitteilen lassen, über Termine des Kanzlers gebe man keine Auskunft – »unabhängig davon, ob sie stattgefunden haben oder nicht«. Ein Sprecher von Springer habe erklärt, der Verlag äußere sich nicht zu Terminen Döpfners. Es sei »totaler Unsinn«, dass dieser eine Kooperation von Union und AfD anstrebe.
In der Bundespressekonferenz erklärte der Regierungssprecher am Mittwoch auf die Frage, ob das Treffen im Kanzleramt stattgefunden und ob Döpfner »Das werden Sie noch bereuen« zu Merz gesagt habe, das seien »absurde Gerüchte«. Gleichentags erklärte Springer auf seinem Account bei X, die Behauptungen im Podcast seien »absurd«. Dass Döpfner Merz zur Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt habe, sei eine »glatte Lüge«. Es handle sich um eine »gezielt betriebene Rufmordkampagne« gegen Döpfner.
Dass gleich mehrere Informanten ein solches Treffen und dessen Inhalte erfinden, wäre allerdings auch etwas merkwürdig. Auffallend ist, dass Merz am Tag nach der Wahlniederlage der CDU in Baden-Württemberg im März ungefragt erklärt hatte, er werde keine andere Mehrheit im Bundestag suchen, auch wenn er »mittlerweile sogar aus einzelnen Verlagshäusern dazu aufgefordert werde«. Diese Bemerkung, so heißt es im Podcast, habe »eindeutig« auf Döpfner und den Springer-Verlag gezielt. Auffällig sei zudem, dass Merz in den vergangenen Monaten Bild und Welt keine Interviews mehr gegeben hatte, von diesen Blättern aber zunehmend kritisiert werde.
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