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05.06.2026
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Skandal herbeigespringert
Proisraelische Stimmungsmache gegen Hilfswerk für Palästinenser: Bild zeigt TV-Doku »Unraveling UNRWA«
Springers Bild hat die TV-Doku »Unraveling UNRWA« veröffentlicht, die vermeintliche Machenschaften des UN-Palästinenserhilfswerks zu »entwirren« sucht, doch an ihren gesetzten Ansprüchen krachend scheitert. Das Boulevardblatt behauptet, die Doku sei ursprünglich für ZDF, Arte und den israelischen Sender KAN »entwickelt« worden. »Entgegen allen Vorbesprechungen wurde unser Vorhaben nicht genehmigt«, zitiert Bild Reinhardt Beetz, einen der beiden Macher des Films. Das ZDF spreche laut Bild von einer »Überbuchung des Sendeplatzes«, einer thematischen »Verknubbelung« sowie von begrenzten Kapazitäten beim vorgesehenen Themenabend. Auf Anfrage des Blatts bestreitet das ZDF, dass es je einen Auftrag für die Doku gegeben habe. Doch das reicht der Springer-Presse, hier finstere Mächte am Werk zu sehen: »Diese Nahostdoku durften Sie bisher nicht sehen«, titelt Hans-Jörg Vehlewald, Bild-Chefreporter Politik, den begleitenden Artikel.
Ein zentraler Vorwurf des am Montag veröffentlichten Films besagt, UNRWA sei mit Hamas-Mitgliedern durchsetzt und habe eine Rolle bei den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 gespielt. Als Kronzeuge wird der Jurist Hillel Neuer, Kopf der zweifelhaften proisraelischen Lobbyorganisation »UN Watch«, ins Feld geführt. »Es wurde bekannt, dass ein Dutzend UNRWA-Mitarbeiter tatsächlich an dem Massaker selbst beteiligt waren«, behauptet der. Was Neuer hier als Tatsachen darstellt, ist schlicht falsch. Die Erzählung geht auf ein Dossier der israelischen Regierung vom Januar 2024 zurück, in dem behauptet wird, dass zwölf UNRWA-Angestellte in verschiedenen Rollen an den Anschlägen vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein sollen. Daraufhin wurde deren Beschäftigung seitens der UNO proaktiv beendet. Dass sich die Vorwürfe in keinem einzigen Fall zweifelsfrei bestätigen ließen, wird im Film verschwiegen. Dennoch kann der israelische Botschafter bei der UNO, Danny Danon, geschmacklos fragen: »Wie passt die Entführung und die Tötung von Zivilisten in die Stellenbeschreibung eines UNRWA-Mitarbeiters?«
Im Film können proisraelische Akteure wiederholt einfach zu widerlegende Falschaussagen vollkommen widerspruchslos von sich geben. Der israelische »neue Historiker« Benny Morris fährt seine bekannte Geschichtsklitterung auf, wonach der israelische Unabhängigkeitskrieg von 1948 auf palästinensische Gewalt zurückzuführen sei: »Palästinensische Milizen begannen, ihre jüdischen Nachbarn zu erschießen«, so Morris, der in einem Interview mit Haaretz 2004 erklärte, es sei »ein Fehler« gewesen, dass Staatsgründer David Ben-Gurion die brutale Vertreibung damals nicht vollständig durchgeführt hatte. Es ist historisch anerkannt und durch Arbeiten etwa von Ilan Pappé umfassend belegt, dass bereits vor der Staatsgründung Hunderttausende Palästinenser infolge einer Vielzahl von Massakern durch zionistische Milizen geflohen waren, bei denen über 500 palästinensische Dörfer und Gemeinden dem Erdboden gleichgemacht wurden.
Weitere Irreführungen kommen von der Autorin und Politikerin Einat Wilf, die behauptet, UNRWA würde den palästinensischen Geflüchteten das »Rückkehrrecht« ins heutige israelische Staatsgebiet zusprechen. Das Hilfswerk wurde 1949 gegründet, und das Mandat der UN-Generalversammlung enthält humanitäre und administrative Vorgaben, keine politischen Forderungen. Als humanitäres Hilfswerk ist UNRWA selbstredend überhaupt nicht befugt, irgendwelche Rechte zu garantieren. Wilfs Rhetorik verschärft sich: UNRWA sei der Existenzgrund für »all die Probleme, die wir aktuell haben«; das Hilfswerk sei »Brandstifter«, der »den Krieg gegen den jüdischen Staat anheizt«. Die säkular-liberale Politikerin veröffentlichte 2020 das Buch »The War of Return«, in dem sie argumentiert, dass das Rückkehrrecht der zur Nakba 1947 bis 1949 vertriebenen palästinensischen Geflüchteten (engl. »right of return«) der Versuch sei, Israel zu zerstören.
Am Ende bleibt nicht viel Substanz übrig: Die vermeintliche Skandaldoku ist gespickt mit Anekdoten und Meinungen. Sie fördert nichts Neues zutage, liefert keine neuen Erkenntnisse, sondern recycelt bekannte und widerlegte Anschuldigungen. Sie ist für die tatsächliche Debatte zum Thema irrelevant und passt damit wunderbar ins Portfolio der Bild.
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