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Nahostkonflikt

Unversöhnliches Gedenken

Nahostkonflikt: Zum Tod von Lindsey Graham und Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani

Foto: Michael Brochstein/ZUMA Press Wire/imago

Israel und die USA trauern um Lindsey Graham (1955–2026), den republikanischen Senator aus South Carolina, dessen rückhaltlose Unterstützung für Israel, speziell für Premierminister Benjamin Netanjahu, einzigartig war. Der Arabische Golf sowie islamische Staaten wie Pakistan trauern um Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani (1952–2026) von Katar, den Vater des derzeitigen Emirs Tamim bin Hamad bin Khalifa. Der eine ein überzeugter Zionist, der andere der erste Staatschef auf dem Boden Gazas seit dem Osloer Abkommen 1993.

Beide starben relativ jung. Im Fall von Lindsey Graham kam der Tod völlig überraschend als Resultat einer kurzen und schweren Krankheit. Scheich Hamad bin Khalifa dagegen litt schon seit längerer Zeit unter verschiedenen Krankheiten.

Wer war Lindsey Graham? 2002 wurde er zum ersten Mal zum Senator für South Carolina gewählt. Die letzten Wahlen gewann er 2020 gegen einen demokratischen Herausforderer mit großem Vorsprung. Anfang des Jahres wurde er für die bevorstehenden Wahlen mit voller Unterstützung Donald Trumps nominiert.

Bekannt ist Lindsey Graham international vor allem durch seine Unterstützung für Israel. Er besuchte das Land regelmäßig, zuletzt im April dieses Jahres. Während er regelrecht als Sprachrohr Netanjahus gegenüber Präsident Donald Trump galt, hatte er gleichermaßen enge Beziehungen zur gesamten Opposition.

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»Israel hat einen seiner besten Freunde verloren. Amerika hat einen großen Patrioten verloren. Ich habe einen geliebten Freund verloren«, so Netanjahus direkte Reaktion auf die Nachricht von Grahams Tod. »Lindsey hat verstanden, dass die Sicherheit Israels und der USA untrennbar verknüpft ist. Er hat sein Leben der Verteidigung der USA sowie der Stärkung unseres Bündnisses gewidmet, und er hat sich rückhaltlos eingesetzt für die Erhaltung der freien Welt.«

AIPAC, die größte Pro-Israel-Lobby in den USA, schloss sich den Worten Netanjahus an: »Ein starkes Israel ist im Interesse der amerikanischen nationalen Sicherheit.« Dem würde John Mearsheimer, der 2006 zusammen mit Stephen Walt die erste kritische Analyse der Pro-Israel-Lobby vorlegte, nachdrücklich widersprechen.

Lindsey Graham war eine der wichtigsten Stimmen für einen US-amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. Mearsheimer hat das Argument Grahams, dass dieser Krieg im nationalen Interesse der USA sei, kontinuierlich scharf kritisiert. Er ging so weit, dass die USA beste Beziehungen mit dem Iran herstellen könnten, wenn Washington sich nicht immer wieder dem Druck Israels beugen würde. Aber Mearsheimers Stimme erreicht in den USA und weltweit nur eine kleine, wenn auch sehr aktive Opposition gegen den Iran-Krieg.

Während Grahams Tod große mediale Beachtung erfuhr, wurde, mit Ausnahme der BBC, in westlichen Medien wenig über den Tod des ehemaligen Emirs Hamad bin Khalifa Al Thani von Katar berichtet. Das, obwohl Lindsey Graham und der Emir am selben Wochenende gestorben sind. Aber es lohnt sich, genauer zu schauen, wer Scheich Hamad war und was er während seiner Regierungszeit in Katar von 1995 bis 2013 geleistet hat. Katar erhielt eine Verfassung, und zumindest auf der lokalen Ebene wurden Wahlen abgehalten, bei denen auch Frauen das Wahlrecht erhielten. Zweifellos ändert dies nichts am autokratischen Charakter des Golfstaates.

Ökonomisch war er verantwortlich für die Entwicklung Katars zu einem der führenden Gasproduzenten. Ebenso setzte er sich für die Verarbeitung und Ausfuhr der beträchtlichen Erdölvorräte im Land ein. Vor allem in der arabischsprachigen Welt hat er sich durch die Gründung des Nachrichtensenders Al-Dschasira 1996 einen Namen gemacht, der inzwischen global viele Zuschauer durch seinen englischsprachigen Kanal erreicht.

Gaza hat eine lange Geschichte enger Kooperation mit Katar. Der Emir besuchte Jassir Arafat 1999 in Gaza, als dieser noch Präsident war. Das war der erste Besuch eines arabischen Staatschefs in den palästinensischen »selbstregierten« Gebieten nach dem Abkommen von Oslo. 2012 reiste er über Ägypten nach Gaza, begleitet von seiner Frau Moza, wo er den palästinensischen Premier Ismail Hanija traf. Er war damit auch der erste Staatschef, der die israelische Blockade gegen Gaza durchbrach.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.07.2026, Seite 6, Ausland

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