- → Inland
Jubel über Rüstungsgeschäft
Kanada will U-Boote von TKMS beschaffen: Merz zeigt sich »bestens gelaunt«, Pistorius träumt von der weltgrößten U-Boot-Flotte
Deutsche Rüstungsschmieden verdienen sich nicht nur an der Hochrüstung hierzulande eine goldene Nase. Auch jenseits des Atlantiks winken die Profite. Am Montag abend deutscher Zeit verkündete Kanadas Premierminister Mark Carney, seine Regierung habe Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) den Zuschlag für den Bau von zwölf neuen U-Booten erteilt – das größte Beschaffungsprojekt in der kanadischen Geschichte.
Noch ist der Vertrag nicht abgeschlossen, TKMS bleibt vorerst nur der »bevorzugte Anbieter« und will nun mit der kanadischen Regierung bis Ende des Jahres die Details klären. Ottawa hält sich jedoch ausdrücklich die Option offen, die Verhandlungen mit dem zweiten Anbieter, Hanwha aus Südkorea, wieder aufzunehmen, sollte der deutsche Konzern nicht wie gewünscht liefern. Die Börsenspekulanten reagierten entsprechend vorsichtig, die TKMS-Aktie legte am Dienstag lediglich um ein Prozent zu.
Für die Bundesregierung scheint das Geschäft schon beschlossene Sache. Wie ein Handelsvertreter der Rüstungsindustrie hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die deutschen U-Boote vom Typ 212 CD in Kanada angepriesen. Noch am Montag abend bekundete er dementsprechend seine Freude über Carneys Ankündigung, die Boote zu beschaffen, die auch von der deutschen und norwegischen Marine bestellt wurden. Der nordamerikanische NATO-Partner habe sich nicht nur »für ein hochmodernes und leistungsfähiges Produkt von TKMS« entschieden, sondern für »eine strategische Partnerschaft mit Deutschland und Norwegen«. Gemeinsam mit Ottawa und Oslo werde man »die weltweit größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte aufbauen«. Pistorius richtete seinen »besonderen Dank« an TKMS-Chef Oliver Burkhard und den norwegischen Außenminister, mit denen er zusammen »für die gute Sache« gekämpft und sich gegen die südkoreanische Konkurrenz durchgesetzt habe. Jetzt gehe es darum, »die Verträge fertig zu machen und die U-Boote möglichst schnell ins Wasser zu bekommen«.
Die kanadische U-Boot-Flotte besteht zur Zeit aus vier Booten aus den 1980er Jahren, die Anfang des Jahrtausends von der Royal Navy übernommen worden waren. Laut Regierungsangaben ist nur eines davon einsatzbereit. Zu wenig, um dem ständigen Drängen aus Washington, innerhalb der NATO »mehr Verantwortung« zu übernehmen, nachzukommen. Daher ist es auch kein Zufall, dass Carney die Entscheidung verkündete, unmittelbar bevor er sich auf den Weg zum NATO-Gipfel in Ankara machte. Offenbar will er gegenüber US-Präsident Donald Trump etwas vorzuweisen haben. Der hatte erst kürzlich wieder einmal seine »Verbündeten« für deren seiner Ansicht nach zu geringen Rüstungsausgaben kritisiert.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe am Dienstag seinen Regierungsflieger in Richtung Ankara »bestens gelaunt« bestiegen, wie Bild zu berichten wusste. Der Zuschlag für TKMS sei »eine gute Nachricht für unsere Sicherheit und unsere Wirtschaft«, jubelte er und sprach von »einem der größten, wenn nicht dem größten Rüstungsauftrag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland«.
Zum Auftragsvolumen gibt es keine offiziellen Angaben, es könnte aber einem Bericht der kanadischen The Globe and Mail zufolge bei 20 bis 30 Milliarden US-Dollar für die U-Boote selbst sowie bei bis zu 40 bis 50 Milliarden Dollar für Betrieb, Wartung und Modernisierungen liegen. Dazu kommen umfangreiche Investitionen in die kanadische Wirtschaft – insbesondere in Zulieferbetriebe und Bergbau –, mit denen TKMS versucht hatte, den Deal schmackhaft zu machen.
In einer Mitteilung von Dienstag verspricht der Konzern, das Projekt werde in ganz Kanada eine »wirtschaftliche Gesamtaktivität« in Höhe von umgerechnet etwa 100 Milliarden Euro generieren, »wirtschaftliche Auswirkungen« von über 50 Milliarden Euro erzielen und »mehr als 650.000 Arbeitsjahre schaffen«. Gebaut werden sollen die Boote aber größtenteils auf der TKMS-Stammwerft in Kiel und am Standort in Wismar, der momentan aufwendig ausgebaut wird.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
