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KI im Schwimmbad

Ist das Geld nicht besser in Personal investiert?

Nicht die KI ist das Problem, sondern der Mangel an Schwimmeistern, erklärt Uwe Klatte

Foto: screenshot: KI im Schwimmbad auf WDR
Soll erkennen, wer Hilfe braucht: KI im Schwimmbad

Künstliche Intelligenz in Bädern, die Schwimmeistern etwa auf Smartwatches mögliche Gefahrensituationen aufzeigt, wird in der Praxis schon angewendet. Sie ist aber umstritten. Wie funktioniert die KI?

Seit etwa 20 Jahren erfassen installierte Kameras das Geschehen rund ums sowie im Schwimmbecken. Bleibt eine Person für mehrere Sekunden regungslos oder verhält sich untypisch, löst sich ein Alarm aus. Der zeigt dem Schwimmeister an, wo er nachschauen soll. KI wertet Bewegungen genauer und zuverlässiger aus. Zuvor war etwa die Schattenbildung im Freibad durch Bäume nicht einberechnet. Man ging hin und nichts war los. Maßgebliche Hersteller sind Swim Eye aus Norwegen, Angel Eye aus Italien, Blue Fox aus der Schweiz, das israelische Lynxight. Ziel ist es, das Personal bei vorausschauender Aufsicht zu unterstützen. Manche Systeme schlagen auch über ein Armband am Handgelenk des Badegastes aus, wenn der sich im Wasser länger nicht bewegt.

Kritiker monieren, dass die KI ohne öffentliche Debatte und mit dem Argument der Sicherheit eingeführt werde. Dies laufe auf totale Überwachung hinaus, zumal das System auch gehackt werden könne. Ist die Anwendung aus Datenschutzgründen problematisch?

Die KI speichert keine Bilder von Personen in Echtzeit, sondern nur Silhouetten oder Strichmännchen. Datenschutz ist Ländersache, einige sind dabei rigoroser als andere. Die KI-Hersteller müssen die jeweiligen Normen erfüllen. Wir sind doch jetzt schon gläserne Menschen, etwa durch eine Bonuskarte oder eigens eingestellte Fotos auf Facebook oder Tik Tok.

Wenn das jemand freiwillig möchte, kein Problem – was aber, wenn nicht?

Die Rechte am Bild liegen bei jeder einzelnen Person. Ich möchte die Datenschützer nicht in den Senkel stellen. Uns aber hilft die KI. Beispiel: Jemand fragt mich am Beckenrand nach Angeboten des Bads. Möglicherweise sehe ich dann ein gerade gefährdetes Kind nicht. Die Uhr schlägt Alarm. Schwimmeister agieren vorausschauend. Beispiel: Kinderbecken sind etwas außerhalb; nähert sich ein Kind dem Schwimmbereich, kann die KI alarmieren. Wir haben eine große Anzahl von Nichtschwimmern. Schwimmeister sind für Notlagen da, nicht um am Beckenrand aufzupassen.

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Könnten Fehlalarme der KI das Personal auf Trab halten?

Die gibt es sowieso. Beim Sport des Apnoetauchens bewegt sich der Taucher nicht, um lange unten bleiben zu können. Ich bitte dann, dies zu unterlassen: Ein Erwachsener kann das einschätzen, Kinder aber könnten es nachmachen. Bekommt jemand einen Herzinfarkt oder Hirnschlag, sinkt er still. Hat jemand Panik, kämpft er und bewegt sich schnell. In solchen Fällen sind Informationen eines Badegastes oder auch der KI hilfreich.

Zur Bäder-KI ist bisher bekannt, dass deren Kosten im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen sollen, plus monatlich 1.000 Euro an Lizenzgebühren. Warum die Geheimhaltung?

Kosten von Forschung und Herstellung sind immens. Damit ein Modell nicht von anderen übernommen und vermarktet wird, veröffentlichen Hersteller keine Zahlen. Hinzu kommt: Oft werden Anlagen und Kameras nicht gekauft, sondern geleast.

Laut Verdi wäre es besser, das Geld in qualifiziertes Personal zu investieren.

Anders als die Gewerkschaft sehe ich persönlich das Problem umgekehrt. Man nutzt die KI nicht deshalb, weil man kein Personal einstellen will, sondern wegen des Mangels daran. Aktuell fehlen in Deutschland etwa 3.000 Fachkräfte für Bäderbetriebe. Ich gehöre zu den sogenannten Babyboomern, die demnächst alle aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Wir sind zunehmend dünner besetzt. KI hilft, das auszugleichen.

Das Budget ist aber begrenzt. Wofür muss sich Verdi dann starkmachen?

Wir brauchen bessere Bedingungen und besseres Marketing für den Beruf. Die Bäderbetriebe bekommen wegen ungünstiger Arbeitszeiten mit Wochenend- und Feiertagsarbeit kaum noch Auszubildende. Der Beruf ist mit 2.500 bis 2.800 Euro brutto monatlich unterbezahlt. Die Kommunen haben kein Geld, am Ende müssen Bäder schließen. KI ist aus meiner Sicht nicht das Problem. Sie hilft Schwimmeistern, sich auf wesentliche Gefahren zu konzentrieren, um mit dem vorhandenen Personal auszukommen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.07.2026, Seite 3, Inland

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