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Vereinigung von Arla und DMK

Sind die Hoffnungen in die Fusion realistisch?

Molkerei-Merger sind angeblich gut für Milchbetriebe. Oft ist das Gegenteil der Fall, erklärt Ottmar Ilchmann

Foto: IMAGO/Joerg Boethling
Da kommt die Milch her

Das dänisch-schwedische Unternehmen Arla Foods und das Deutsche Milchkontor, DMK, haben sich eigenen Angaben nach zur größten Molkereigenossenschaft Europas zusammengeschlossen. Von rund 11.200 Landwirten, 28.800 Beschäftigten und mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz ist die Rede. Wie bewertet die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, AbL, den Vorgang?

Wir haben viele Bedenken gegen diesen Zusammenschluss. Einmal ist das DMK selbst schon Ergebnis einer großen »Fusionitis« der vergangenen Jahrzehnte. Ich war selbst mal Lieferant einer Vorgängerorganisation, der Nordmilch. Bei jeder Fusion gab es die Versprechen: Wir werden Synergieeffekte und Einsparpotentiale sehen, wir werden rationeller arbeiten, wir werden Verwaltung und Personal verschlanken. Wir werden eine größere Marktmacht gegenüber den Abnehmern haben. All das führe dann zu einem besseren Milchauszahlungspreis.

Versprechen, die nicht erfüllt wurden?

All das ist nie geschehen. Im Gegenteil. Obwohl es auch schon vor dieser neuen Fusion die größte Molkerei Deutschlands war, gehörte das DMK im Milchauszahlungspreis immer eher zum schlechtesten Drittel, war oftmals sogar das Schlusslicht Deutschlands. Das macht einen misstrauisch, ob sich dieses Wachstum für die Bauern lohnt. Für die zählt ja, was unterm Strich im Portemonnaie übrig bleibt.

Befürworter der Fusion argumentieren, das neue Unternehmen könne wegen seiner Größe gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel und der Industrie ganz anders auftreten.

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Das ist ein Kinderglaube. Der Industrie oder dem Lebensmitteleinzelhandel ist es egal, ob sie ihre Produkte von einer großen Molkerei beziehen oder von mehreren kleinen. Es geht auch um Eigenmarken. Gerade das DMK ist im Bereich der Eigenmarken stark vertreten, und da ist es völlig egal, welche Molkerei unter dem Label »Nah und gut« oder »Ja« firmiert. Gerade solche Produzenten von günstiger Massenware sind komplett austauschbar.

Wie hat sich der Milchpreis zuletzt entwickelt?

Bis vor einem Dreivierteljahr war er erfreulich hoch, auch über einen längeren Zeitraum. Anderthalb bis zwei Jahre lang lag der Milchpreis bei ungefähr 50 Cent (pro Liter, jW), sogar teilweise etwas höher. Das sind, trotz erheblich gestiegener Kosten, durchaus auskömmliche Preise. Damit konnten wir wirtschaften und unsere Kosten decken. Wenn man gut war, hat man auch etwas Gewinn gemacht. Aber seit vergangenem September ist der Milchpreis stark eingebrochen und auf weniger als 35 Cent gefallen. Mit einer ganz leichten Aufwärtstendenz in den letzten Monaten sind wir jetzt wieder bei 38 Cent, aber auch das ist leider weit unterhalb der Schwelle der Kostendeckung.

Sind die Milcherzeuger der Teil der Landwirtschaft, der es mit am schwersten hat?

Im Moment haben es alle recht schwer. Aber die Milcherzeuger haben eben dieses ganz spezielle Preissystem: Sie liefern die Milch an die Molkerei, und erst im nachhinein, sechs Wochen nach der Lieferung, erfahren sie, was die Molkerei dafür bezahlt, was das Geschäft schwer kalkulierbar macht. Das liegt an den genossenschaftsrechtlichen Voraussetzungen, an der sogenannten Andienpflicht und Abnahmegarantie, sprich: Ich muss all meine Milch an mein Molkereiunternehmen andienen, ich habe dafür aber auch die Abnahmegarantie. Ich kann also soviel produzieren, wie ich will – die Molkerei nimmt mir das alles ab. Nur weiß ich dann noch nicht, zu welchem Preis. Und da wir als Milchbauern in der letzten Zeit um die sieben Prozent mehr geliefert haben als im Vorjahr, hat sich das negativ auf den Milchpreis ausgewirkt.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat außerdem die Befürchtung geäußert, dass durch die Fusion von Arla und DMK der Wettbewerbsdruck für die Kleinmolkereien steigen könnte, etwa bei der Rohmilchbeschaffung.

Theoretisch kann das sein, wenn ich so einen großen Konkurrenten habe. Andererseits können kleinere Molkereien durchaus attraktive Auszahlungspreise erwirtschaften, weil sie wendiger sind als diese großen Molochmolkereien. Die haben einen schlankeren Verwaltungsapparat, können auf Marktanreize schneller reagieren und gute Produkte entwickeln. Solange sie mehr Milchgeld auszahlen als das neue Arla-DMK-Konstrukt, sehe ich keine große Gefahr.

Ottmar Ilchmann ist Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen/Bremen

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.08.2026, Seite 3, Kapital & Arbeit

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