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Wasserschutz

Ist Sehrings Waldrodung noch zu stoppen?

Hessen: Der Langener Bannwald soll einer Kiesgrube zum Opfer fallen. Das verstärkt den Wassernotstand, erklärt Harald Gülzow

Foto: 5VISION.NEWS/imago
Baumschützer hatten das zum Firmengelände erklärte Waldstück vorübergehend besetzt, um Fällarbeiten zu verhindern (Langen, 12.11.2025)

Zuschauer des Sportevents »Ironman« in Frankfurt am Main bekamen am Sonntag an der Brücke »Eiserner Steg« Transparente mit der Aufschrift »Stoppt Sehring, Banny bleibt« zu sehen. Gemeint ist der von Aktivisten besetzte Langener Bannwald. Das Unternehmen Sehring will den Wald dem Kies- und Sandabbau opfern. Stimmt der Vorwurf an den Konzern, dass er mit dem Ausheben der Kiesgrube Wassernotstand verursacht?

Für die Region dort trifft das zu, weil das Freilegen von Wasserlöchern eine wesentliche Verdunstung des Wassers an der Oberfläche verursacht. Das nachkommende Wasser strömt dann aus dem Grundwasserbestand nach und reduziert diesen. Deshalb senken solche Baggerlöcher den Grundwasserpegel grundsätzlich ab, während der Wald, der zuvor da war, das Klima stabilisiert – und damit auch die Wasserverhältnisse, was bei niedriger Temperatur sogar zur Anreicherung des Grundwassers führen kann.

Was bedeutet das für diese Region in Hessen rund um den Langener Waldsee?

Je mehr der See abgebaggert wird, desto mehr Wasser verdunstet. Noch mehr Grundwasser geht verloren, wenn die Temperaturen keine moderaten 20 Grad haben, sondern bis zu 40 Grad ansteigen, wie wir es jetzt erlebt haben.

Sehring rodet große Teile des Bannwalds, während in Offenbach sowie im Kreis Offenbach der Wassernotstand ausgerufen wurde und es zu Ausfällen des Trinkwassers kommen kann, monieren Aktivistinnen und Aktivisten. Zu wenig passiere, um den Konzern zu stoppen. Teilen Sie die Kritik?

Ja. Es gilt zu verhindern, dass so viel Sand und Kies abgegraben wird. Trinkwasser ist zu wertvoll, um es dazu zu nutzen. Sinnvoller ist es, vorhandene Ressourcen und Bestände zu nutzen, als zu riskieren, den Wasserbestand weiter zu verringern. Auch, wenn der Aufwand zunächst größer ist, gibt es andere Möglichkeiten: Wir könnten etwa für Neubau Material von Abrissen alter Gebäude verwenden. Es müsste nur entsprechend sortiert, gefiltert, zerkleinert und gesiebt werden, um es wieder aufzubereiten.

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Ist es für Sie nachvollziehbar, dass die Umweltaktivisten sich beschweren, dass der Konzern zynisch und scheinheilig agiere, wenn er mit seinem Schwimmbad nun den Veranstaltungsort für den »Ironman« stellt und sich so als »familienfreundlich« präsentiert?

Ich verstehe dieses Argument. Sie regen sich auf über das Greenwashing. Die Vergrößerung der Kiesgrube und das Vernichten des Waldes sind ökologisch unsinnig. Das treibt die Klimakrise voran. Es ergibt Sinn, die Bäume zu erhalten. Aber ich verstehe auch die Bürgerinnen und Bürger, die – wenn nun schon gebaggert ist – das Wasser zum Schwimmen nutzen. Menschen halten sich gern in oder nahe von Gewässern auf. Aus genannten Gründen lehnen wir es aber ab, dass ständig weiter gebaggert wird.

Die globale Klimakrise wird auch auf die Umweltzerstörung durch Unternehmen wie Sehring zurückgeführt, die sich eine goldene Nase damit verdienen.

Das Argument ist richtig. Die Bäume können in der Region ein besseres Klima erhalten, uns vor Hitze schützen. Sie haben kühlende Wirkung. Hätten wir mehr davon, hätten wir die Temperaturen in Deutschland in diesen Tagen unter 40 Grad halten können. Mit dem Erhalt von Bäumen können wir den Klimawandel auf der Erde rejustieren und dafür sorgen, dass das Klima menschengerechter bleibt.

Ist die Umweltzerstörung durch Sehring durch politische Intervention noch zu stoppen?

Das Regierungspräsidium Darmstadt könnte seine bergrechtliche Genehmigung zum Planfeststellungsbeschluss wieder zurückziehen – und so das Vorhaben stoppen. Darauf politisch einzuwirken, ist eine politische Entscheidung der hessischen Landesregierung.

Welchen Beitrag kann der VSR-­Gewässerschutz leisten?

Wir arbeiten hauptsächlich zur Wasserverschmutzung mit Nitrat durch intensive Landwirtschaft, die unsere Trinkwasservorräte stark belastet, sowie zu Chemikalien wie PFAS oder PFC, die an Industriestandorten ins Grundwasser sickern und es verunreinigen. Das ist aktuell unsere Spezialisierung.

Harald Gülzow ist Vorstandsmitglied der Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.07.2026, Seite 3, Inland

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