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Apostelgeschichte des Tages: Diebstahlrekorde

Foto: IMAGO/Gemini Collection
Der Ladendieb (1925)

Sehr tragisch: Sonnabend schloss die ostfriesische Landesbibliothek – das Buch wurde geklaut. Spaß beiseite, fest steht jedoch, der Ladendiebstahl kommt wieder groß in Mode. Zuletzt sorgten ein katholisches Gymnasium und eine weitere Schule in Tilburg (Niederlande) für Aufsehen, denn die Diebstähle in einem benachbarten Supermarkt und einer Drogerie hatten solche Ausmaße angenommen, dass nun radikal eingeschritten werden soll: »Die Lehrer werden im nächsten Schuljahr in diesen beiden Geschäften anwesend sein, um das Verhalten der Schüler im Blick zu behalten«, wird die Rektorin im Rundfunk zitiert. Da muss ich die Frau aber tüchtig tadeln! Es wird ausdrücklich von einem katholischen Gymnasium geredet. Also! Im Neuen Testament (Apg.) steht ausdrücklich: »… keiner sagte von seinen Gütern, dass sie sein Eigentum wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.« Zum Teufel, da haben die Schüler einmal aufgepasst, und schon werden sie mit Zwangsmaßnahmen belegt.

Im Focus lesen wir ähnliches: Ein Rewe-Geschäftsführer und mehrere Edeka-Marktleiter berichteten in der Onlineausgabe »von einer neuen Klauwelle und immer mehr Diebstählen«. Der Anstieg belaufe sich auf »30 oder 50 Prozent«. Nun ja, das sind wirklich sehr präzise Zahlen. Da wundere ich mich, dass der Diebstahl bei der genannten Spanne überhaupt aufgefallen ist. Auffällig klug sind die Gründe, die für die Situation verantwortlich gemacht werden: »Den Kunden fehle das Geld. Lebensmittel würden immer teurer werden.« Wenn die Händler Marx gelesen hätten, wüssten sie, dass unsere Gesellschaft auf legalisiertem Diebstahl begründet wurde, denn der Kapitalist eignet sich den vom Arbeiter produzierten Mehrwert unentgeltlich an. Deswegen sehe ich die Sache rundweg politisch. Und Diebe können mir gestohlen bleiben.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.06.2026, Seite 3, Ansichten

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