Diagnose und Symptom
Hitzewelle, trockene Flüsse, LKW statt Lastkahn
Auch der Klimawandel hat sein Präventionsparadox. Das Unglück muss erst eintreten, damit an seine Möglichkeit geglaubt wird. Und nicht mal dann wird es so recht geglaubt. Keine Diagnose kann den Common Sense vom Kohleofen locken. Krankheit beginnt für ihn erst, wo es wehtut.
Drückende Hitze, trockene Böden, schwindende Flüsse. Rhein und Donau setzen die Binnenschiffahrt aus. Die FAZ kennt den Schuldigen. Es sind natürlich die, die was dagegen tun. »Wenn nun Klimaschützer und Umweltaktivisten folgern, die Politik habe noch immer nicht begriffen, was die Klimakrise bedeute, richtet sich ihre Kritik in Wahrheit gegen sie selbst. Zu lange wurde das Phänomen dämonisiert, ohne die Symptome zu bekämpfen.« An den Wirkungen doktern statt auf die Wurzeln weisen. Investitionen anstelle politischer Kämpfe. Warum noch mal nicht beides?
Was folgt, ist das bewährte Manöver: ein soziales Interesse gegen das andere ausspielen. Wer gegen Hochrüstung sei, gefährde Arbeitsplätze, wer gegen höhere Studiengebühren, die Wissenschaft usf. Es nutze »den Bauern, Spediteuren, Stromkunden, Energiekonzernen, Brandbekämpfern, Hitzeopfern nichts, wenn Deutschland und Europa morgen schon klimaneutral wären. Es hilft ihnen aber sehr wohl, wenn in Technik investiert wird, die heute schon die Folgen der Klimakrise bändigt«. Die Folgen wohlgemerkt. Technologien also, den Ausstoß zu kompensieren, statt Technologien, den Ausstoß zu senken.
Etwas weiter ist die Rheinische Post. Im Angesicht der Niedrigstände deutscher Flüsse zitiert die Zeitung den britischen Polarforscher Robert Swan: »Die größte Gefahr für unseren Planeten ist der Glaube, dass schon jemand anderes ihn rettet.« Auch die Rede von Investitionen ist vor dem Hintergrund einer Bundesregierung, deren Wirtschaftsministerin allein ihrer Bindung an die fossile Industrie wegen dieser Behörde vorgesetzt wurde, in der Tat nichts anderes als das Warten auf den großen Anderen, der da schon kommen möge.
Beharrlich wird die Gegenwart gegen die Zukunft in Stellung gebracht. Stilliegende Schiffahrt soll mit Lkw-Verkehr kompensiert werden. Was momentan unvermeidlich scheint, doch die große Farce um den Klimawandel veranschaulicht, die sich mittlerweile tatsächlich in eine Tragödie verwandelt hat. Symptome bekämpfen, das heißt hier und heute: CO₂-Krise mit CO₂-Schleudern behandeln. »Auf das marode Schienennetz lässt sich kaum etwas verlagern. Also müssen es Lastwagen richten. Auf ebenso sanierungsbedürftigen Straßen und Brücken. Größtenteils mit Verbrennungsmotor. 150 davon braucht es, um ein Binnenschiff zu ersetzen«, kommentieren die Badischen Neuesten Nachrichten entsprechend. (fb)
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