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Vergessenes Datum des Tages: 13. August 1961

Foto: IMAGO/epd

Interessiert sich noch jemand für die Weihetage der Nation? Am 3. Oktober regnet es meistens, und Pilzsammler stürmen die Wälder. Der 17. Juni, an dem die alten Bundesrepublikaner nicht der Brüder und Schwestern im Osten gedachten, sondern baden gingen – als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. Nur die prächtige Straße des 17. Juni führt noch zur Siegessäule, die an den letzten Krieg erinnert, den »wir« 1871 gewonnen haben. Und nun trifft es den 13. August 1961, den Tag, an dem der Warschauer Vertrag ein Weltwunder schuf: Europa ohne Krieg. Mit Peter Hacks gesagt: »Wer kann die Pyramiden überstrahlen?/Den Kreml, Sans­souci, Versailles, den Tower?/Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen/Der Erdenwunder schönstes war die Mauer./Mit ihren schmucken Türmen, festen Toren./Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.«

Als sie weg war, legten Bonn, Paris, London und Washington los: Jugoslawien zertrümmern, Angriffskriege, Staatsräson und Stellvertreterkrieg gegen Russland mit Hilfe von Bandera- und UPA-Fans. Der 13. August 1961 hat kein Vergessen verdient.

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Aber: Da treten am Mittwoch Kai Wegner und Wolfram Weimer vorm Brandenburger Tor zur Pressekonferenz »65 Jahre Mauerbau« auf – und kein Sender überträgt live. Die Welt wird mit einem PR-Agenturwisch abgespeist. Vier Tage lang gibt es ein paar Pappaufsteller. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke regt sich völlig zu recht auf: »Mit jedem Tag, den die DDR länger zurückliegt, wird sie vermeintlich schöner«, lässt sie per Dpa mitteilen. Wer will was dagegen sagen? Nur einige Ostberliner haben keinen Gedächtnisverlust: Bei einer Umfrage sollen dort 2025 29 Prozent die DDR als »menschenorientiert« oder »fürsorglich« bezeichnet haben; unter den Westberlinern waren es gerade mal vier Prozent. So viele? Skandalöse Kriegsuntüchtigkeit in der Frontstadt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.08.2026, Seite 3, Ansichten

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