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23.03.20261 Leserbrief
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Identitätslose des Tages: Ostdeutsche
Was nicht viele wissen: Vor 36 Jahren wurde das »World Wide Web« (WWW) erfunden, in der Schweiz! Gleichzeitig ging die DDR unter. Und wären wir Verschwörungsrhetoriker, würden wir da einen Zusammenhang sehen, nein, ausgraben. Und wir würden uns nicht wundern, dass eine dahergelaufene KI (betreutes Denken) Ostdeutsche aufgrund ihrer Ethnie schlechter beurteilt als die entfernten Verwandten jenseits der Elbe. Soll heißen, die Bürger aus Deutschland-Nahost werden digital oft mit negativen Attributen versehen. Auf der Grundlage von, äh … voreingenommenen Datensätzen.
Praktisch wirkt sich das aber analog aus. Zum Beispiel in Form des Rechtsstaates. Wenn also meine Schwägerin aus Oranienburg eine Stelle in Berlin (West) nicht bekommt, weil sie »Ossi« ist, geht das in Ordnung, denn Gerichte haben schon mehrfach entschieden, die »ostdeutsche Herkunft« ist kein Merkmal der »ethnischen Herkunft« im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Und nun stelle man sich das real vor: So ein völlig identitätsloser Mensch, sagen wir aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen, startet ins Berufsleben. Dazu ist er noch jung und männlich. Ja, Leute, mit so einer Mehrfachbehinderung kriegst du doch im Leben keinen Job! Vielleicht Kassenwart bei der AfD oder Einhornbeauftragter bei der Linkspartei. Aber nein, stimmt gar nicht. Der Osten wird gerade zum Land der »unbegrenzten« Möglichkeiten: Aus den eben genannten Bundesländern fluten, so MDR (betreutes Denken), Bewerbungen für den »Freiwilligen Wehrdienst« die Karrierecenter der Bundeswehr. Aber einen Haken hat das noch: »Derzeit müssen junge Erwachsene aus Mitteldeutschland für die Musterung noch nach Berlin reisen.« Auweia, hoffentlich nicht in den Westsektor.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 23. März 2026 um 10:09 UhrAch ja, die armen Ossis: Kaum über die Elbe geschippert, schon Karriere wie die Westjobber, als hätten sie im Mutterleib schon BWL gelernt. Tatsächlich sind etliche von ihnen in Berlin, Hamburg oder München Chefetagen, Ministerien und Start-ups fest im Griff – wer hätte gedacht, dass aus dem Osten mehr als nur Kaltwetterresistenz und DDR-Nostalgie kommt? Und im Osten selbst? Wunderbar blühende Wirtschaft dank des »Pflegebooms«! Offenbar sorgt die Wiedervereinigung nicht nur für nostalgische Trabi-Romantik, sondern auch für Seniorenheime, Pflegekräfte und ein halbes Heer von Rollator-Managern. Wer hätte gedacht, dass ostdeutsche Rentner so karriereförderlich für die lokale Wirtschaft sein könnten? Pflegeboom = Vollbeschäftigung, wie von Geisterhand. Fazit: Im Westen Karriere, im Osten Pflegeboom – so sieht echte strukturelle Benachteiligung aus. Wer immer noch glaubt, der Osten sei nur ein Land der Opferrollen, der hat schlicht die Karriereprofile seiner ehemaligen Schulkameraden übersehen und die Pflegeheime nicht auf der Landkarte!
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