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Kuba flieht in den Markt
Staatschef Miguel Díaz-Canel kündigt angesichts der brutalen US-Blockade tiefgreifende, politische und wirtschaftliche Reformen für den sozialistischen Inselstaat an
Kubas sozialistisches Wirtschafts- und Sozialmodell steht vor umfassenden Veränderungen, die es insgesamt in Frage stellen könnten. Derzeit stünden mehr als 20 Themen für eine wirtschaftliche und politische Transformation zur Debatte, hatte Präsident Miguel Díaz-Canel am Freitag vor Journalisten erklärt. Das geplante Maßnahmenpaket bezeichnete er als Kubas Weg aus einer Krise, die durch die »kriminelle Energieblockade« der USA verursacht wurde.
Es sei jetzt »Zeit für Veränderung«, damit mehr Investitionen im Land getätigt werden und im Ausland lebende Kubaner sich stärker an der Wirtschaft beteiligen können, sagte er. Díaz-Canel verwies auf die Erfahrungen Chinas und Vietnams, die sich ebenfalls im »Prozess des sozialistischen Aufbaus« befänden und unter Blockaden gelitten hätten. Westliche Agenturen werteten die angekündigten Reformen dementsprechend als Schritt hin zu einer »sozialistischen Marktwirtschaft«.
Während das U. S. Department of State sich bislang nicht zu den Ankündigungen äußerte, kommentierte die Agentur AP: »Die Änderungen gehen in die Richtung, die Washington anstrebt, auch wenn sie nicht so weitreichend zu sein scheinen, wie es die Regierung von Präsident Trump fordert.« Dagegen bemängelte das von den USA finanzierte Contraportal »14 y medio«, Díaz-Canel habe deutlich gemacht, »dass kein wirtschaftlicher Wandel in Sicht ist. Zumindest nicht, soweit es in seiner Macht steht.«
Doch die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen sind tiefgreifend. Nachdem bereits seit 2021 private Unternehmen in Kuba zugelassen sind, die bis zu 100 Personen beschäftigen dürfen, sollen nun weitere Wirtschaftssektoren für Privatunternehmen geöffnet, die Genehmigungsverfahren für neue nichtstaatliche Unternehmen gestrafft und Vorschriften gelockert werden. Im Zuge der Dezentralisierung sollen die Provinzen künftig eigenständig über Importe und Exporte entscheiden, ausländische Investitionen anwerben und Deviseneinnahmen verwalten können.
Ziel sei es, die Wirtschaft zu beleben und stärker zu dezentralisieren, Produktionsengpässe abzubauen und verschiedenen Akteuren mehr Autonomie zu gewähren, erklärte Díaz-Canel. Dadurch könnten Exportmöglichkeiten ausgeweitet und die Versorgung der Bevölkerung verbessert werden. Seit Jahresbeginn sei die Insel nahezu vollständig von der Treibstoffversorgung abgeschnitten. »Wir haben eine Reihe von Prioritäten festgelegt«, um dieser »multidimensionalen Aggression zu begegnen, die das Leben jeder kubanischen Familie und die Wirtschaft beeinträchtigt.«
Geplant sind zudem Reformen des Staatsapparats, der Regierung, staatlicher Wirtschaftsbereiche sowie der Kommunistischen Partei und anderer politischer Organisationen. Weitere Veränderungsvorhaben betreffen die Landwirtschaft, den Tourismus, die Energieversorgung und die Sozialpolitik. So sollen Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs künftig nicht mehr generell subventioniert, sondern nur noch bedürftige Menschen unterstützt werden. Trotz umfangreicher Darstellung der Ziele nannte Díaz-Canel weder konkrete Details der Maßnahmen noch einen Zeitplan für deren Umsetzung.
Die Zurückhaltung begründete Díaz-Canel mit Sicherheitsbedenken. »Wir können nicht alles so deutlich sagen, weil der Feind bei allem, was wir tun, auf der Lauer liegt«, erklärte er. »Die USA können es nicht fassen, dass die Revolution trotz des maximalen Drucks, den sie ausüben, nach wie vor besteht und das Land weiterhin funktioniert. Und nicht einmal sie selbst glauben an das, was sie über einen gescheiterten Staat sagen und ständig wiederholen«, fügte er hinzu. Zugleich verwies der Präsident darauf, dass die Landesverteidigung und Vorbereitungen im Rahmen der kubanischen Doktrin des »Krieges des gesamten Volkes« oberste Priorität hätten. Sie blieben angesichts »der immer aggressiveren Eskalation durch das Imperium« unerlässlich.
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Reinhold Schramm aus Berlin 14. Juni 2026 um 21:50 UhrBei China und Vietnam handelte es sich um einen inoffiziellen Wechsel in die kapitalistische Gesellschaftsordnung und analoge Zukunft. Einen »Prozess des sozialistischen Aufbaus« hat es nicht gegeben, auch wenn die jeweilige Staatspartei sich den demagogischen Mantel einer vorgeblichen kommunistischen Partei umhängte. Die modifizierte feudale Gesellschaftsordnung der bürgerlichen Ausbeutung der Werktätigen konnte sich durchsetzen. Im Prozess der feudal-bürgerlichen Umgestaltung konnte sich die Bourgeoisie auf der Grundlage des Privateigentums an Produktionsmitteln in der Wirtschaft und zunehmend in ihrer Staatspartei durchsetzen. Marxistische Positionen wurden in der Ausrichtung der Staatsführung und Gesellschaft beseitigt. Allenfalls ihre westlichen Apologeten und ideologischen Dampfplauderer interpretieren die kapitalistische Wandlung auch weiterhin als eine Ausrichtung auf sozialistischer Grundlage. Fazit: KUBA wurde über Jahrzehnte in seiner Entwicklung massiv behindert und zunehmend wirtschaftlich erdrosselt. Infolgedessen gibt es heute kein nennenswertes Widerstandspotenzial in der Bevölkerung. Wer es auf der Grundlage beruflicher oder sportlicher Qualifikation konnte, der nutzte häufig seinen Aufenthalt im Ausland, um sich von seiner Verantwortung zu befreien und den persönlichen materiellen Vorteil – auch für die zurückgelassene Familie – zu nutzen. PS: Nicht zuletzt vermittelten die westlichen Touristen der kubanischen Jugend die möglichen materiellen Annehmlichkeiten im westlichen Konsumparadies. 14.06.2026, R.S.
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Mitter Albert aus Gmunden 14. Juni 2026 um 20:22 UhrIhr scheint es immer noch nicht zu verstehen. Die »Flucht« in den Markt ist nicht einfach auf den brutalen Druck, den der US-Imperialismus auf das sozialistische Kuba ausübt, zurückzuführen, der ist nur der Beschleuniger und zwingt zusätzlich zum Abgehen von dem traditionellen, sowjetischen Modell von Sozialismus, das unbestreitbar überall gescheitert ist. Ja, dieser Sozialismus hat einzelne Errungenschaften aufzuweisen, in Kuba insbesondere im Bildungs- und Gesundheitsbereich, in denen Kuba vor allem gegenüber anderen Staaten Lateinamerikas ein wahrer Leuchtturm ist. Und ja, gerade in Kuba zeigt der klassische »reine« Sozialismus noch mehr als das anderswo der Fall war seine moralische, ethische Überlegenheit, insbesondere sein Internationalismus. Aber die Lebensverhältnisse der Bevölkerung insgesamt, der materielle Lebensstandard der Bevölkerung ist seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihres Blocks (der die gleiche Grundursache hatte wie die jetzige unweigerliche Notwendigkeit, das Sozialismusmodell in Kuba radikal zu ändern), dem Ende der massiven Subventionierung des Landes, also seit es auf die eigenen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit angewiesen war permanent in einer Krise, die den Alltag der Menschen sehr belastet. Und mit all den halbherzigen Maßnahmen im Rahmen des bisherigen Modells ist keine Verbesserung der Lage eingetreten. Nun will man wie vorher in der VR China und der SR Vietnam dem eigentlichen Sinn des Sozialismus, der Politik einer Kommunistischen Partei, nämlich das Leben des arbeitenden Volkes zu verbessern, sein Leben schöner, angenehmer zu machen, verwirklichen. Nicht mehr im Sinne einer reinen Lehre der Entwicklung der Produktivkräfte (bei der die kapitalistische Produktionsweise nach wie vor die offensichtlich überlegene ist) selbst im Wege zu stehen. Nicht mehr darauf zu achten welche Farbe die Katze hat die Mäuse fängt, sondern darauf, dass möglichst viele Mäuse gefangen werden. Wie so erfolgreich in China und Vietnam umgesetzt.
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