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08.06.2026
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Kuba nicht isoliert
Russland bekräftigt Willen zu enger Kooperation und Unterstützung der von Washington bedrohten Inselrepublik. Geplant ist etwa die gemeinsame Entwicklung von Impfstoffen
Während seit Jahrzehnten in Kuba tätige westliche Unternehmen ihr Engagement auf der Insel nach Sanktionsdrohungen des Trump-Regimes reduzieren und teilweise ganz einstellen, bietet Russland neue Kooperationen an. Moskau geht damit über die bisherigen Lieferungen von Treibstoffen, humanitärer Hilfe und Solidaritätsbekundungen hinaus. Auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg machten Vertreter beider Länder in der vergangenen Woche Nägel mit Köpfen.
Laut einem am Donnerstag unterzeichneten Memorandum wollen kubanische und russische Pharmaunternehmen gemeinsam Impfstoffe gegen Krebs entwickeln. Vizepremierminister Dmitri Tschernyschenko versicherte, dass weitere Firmen – trotz des Drucks von außen – bereit seien, in langfristige Projekte in Kuba zu investieren. So seien rund 90 Unternehmen seines Landes an Lieferungen von Fleisch-, Milch- und Fischprodukten interessiert. Russland werde Kuba zudem mit Fahrzeugen der russischen Hersteller GAS, UAS, Kamas und Lada unterstützen. »Moskau hat bereits 50 Fahrzeuge der Marke Moskwitsch für die Taxiflotte in Havanna geliefert«, erklärte Tschernyschenko. Darüber hinaus kündigte er Unterstützung für Lösungen in den Bereichen Telemedizin, Informationstechnologie, Cybersicherheit, und Unternehmensautomatisierung an. Der kubanische Minister für Außenhandel, Óscar Pérez-Oliva Fraga, berichtete, dass sich das russische Zahlungssystem »Mir« in Kuba inzwischen zu einer Alternative entwickle, nachdem Zahlungen mit Visa und Mastercard aufgrund der US-Sanktionen ausgesetzt wurden. »Unsere Finanzaktivitäten werden durch die Verwendung von Mir- und anderen Karten aufrechterhalten, so dass wir weiterhin arbeiten können«, sagte er.
Während des Forums traf Pérez-Oliva mit dem russischen Gesundheitsminister Michail Muraschko zusammen, um die Zusammenarbeit bei Arzneimitteln, der Ausbildung medizinischer Fachkräfte und der Stärkung öffentlicher Gesundheitssysteme zu vertiefen. Besondere Aufmerksamkeit galt der Zusammenarbeit im Kampf gegen Krebs. Beide Länder verfügen auf diesem Gebiet über beachtliche Erfahrungen und wollen nun gemeinsam therapeutische Impfstoffe entwickeln und ihre jeweiligen wissenschaftlichen Stärken bündeln. Die Leiterin der russischen Föderalen Medizinisch-Biologischen Agentur, Weronika Skworzowa, erläuterte auf dem Forum den Wirkmechanismus von Impfstoffen, die bösartige Zellen gezielt zerstören sollen. Klinische Studien mit dem russischen Präparat Oncopept zeigten bereits Tumorverkleinerungen bei Patienten. Kuba wiederum bringt eigene Erfahrungen ein: Mit CimaVax-EGF und Vaxira verfügt die Inselrepublik bereits über zugelassene therapeutische Impfstoffe gegen Lungenkrebs. Erst kürzlich hatten kubanische Wissenschaftler den vielversprechenden Impfstoffkandidaten HEBERSaVax vorgestellt, der verschiedene Tumorarten bekämpfen soll. Zudem arbeiten kubanische und russische Wissenschaftler gemeinsam an einem Biosimilar des weltweit umsatzstärksten Onkologikums Pembrolizumab – ein wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit von teuren Patentmedikamenten.
Doch die Ankündigungen in Sankt Petersburg gingen über die Pharmakooperation hinaus. Alexander Schtschetinin vom russischen Außenministerium sicherte Havanna »unerschütterliche politische und sonstige Unterstützung« zu. Vizepremier Tschernyschenko betonte, die russisch-kubanische Partnerschaft solle auch »ein Vorbild für die neue Architektur der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit in einer multipolaren Welt werden«. Kubas Außenhandelsminister Pérez-Oliva bekräftigte seinerseits den Willen, die Beziehungen zu Russland und anderen strategischen Partnern weiter zu vertiefen – und nutzte die Bühne des Forums, um die seit Jahrzehnten andauernde US-Blockade als »größtes Hindernis für die Entwicklung Kubas« anzuprangern.
Die Ergebnisse des Forums gewinnen angesichts der abermals verschärften US-Zwangsmaßnahmen besondere Bedeutung. Seit Februar mussten mehrere Airlines wegen der totalen Treibstoffblockade ihre Flüge nach Kuba einstellen. Anfang Juni zogen sich die drei größten ausländischen Hotelketten – Iberostar, Meliá und Royalton – zurück. Auch internationale Reedereien wie Hapag-Lloyd haben ihre Transporte ausgesetzt. Vor diesem Hintergrund zeigen die in Sankt Petersburg vereinbarten Projekte, dass Kuba trotz des verschärften Drucks aus Washington nicht isoliert ist und weiterhin Partner findet, die bereit sind, in langfristige Entwicklungsprojekte zu investieren. Die angekündigten Kooperationen in Forschung, Gesundheit, Technologie und Handel sind damit zugleich ein Signal dafür, dass Havanna auch unter erschwerten Bedingungen neue Möglichkeiten sucht, um seine wirtschaftliche und soziale Entwicklung fortzusetzen.
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