Das lange Verschwiegene
Der »Große Preis des Deutschen Literaturfonds« geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Esther Dischereit (74). Das teilte der Fonds am Donnerstag mit. Die Jury erklärte: »Als Tochter und Schwester von Überlebenden der Schoah setzt sie sich literarisch wegweisend mit verschwiegenen Kapiteln deutscher Geschichte und weiblicher jüdischer Identität auseinander. In ihrem umfangreichen Werk aus Prosa, Lyrik, Hörstücken, Gesängen und Essays verschiebt sie immer wieder formale und diskursive Grenzen.« Dischereit gebe »der deutschen Literatur eine Sprache für das lange Verschwiegene«. Die Jury lobte explizit, dass der »humanistische Imperativ« der Dichterin »immer auch für andere« gelte: etwa für die Hinterbliebenen des NSU-Terrors oder die palästinensische Bevölkerung. Der vormalige »Kranichsteiner Literaturpreis« wird jährlich für ein »herausragendes literarisches Gesamtwerk« verliehen. Mit 50.000 Euro Preisgeld ist es einer der höchstdotierten Literaturpreise im deutschsprachigen Raum. (jW)
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