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Comic

Sein eines Ding

Unermüdlich bei der Sache: Will Blöss’ munter fortlaufende Serie »Künstler-Comic-Biografien« über Picasso, Warhol, Staeck, Kusama, Abramović und Pipapo

Foto: Willi Blöss Verlag
Die Königin der Polka Dots: Yayoi Kusama

Manche Künstler entdecken irgendwann ihren Stiefel respektive Leisten und bleiben dabei. Im besten Fall zahlt sich die Beharrlichkeit aus. Roman Opalka malte Zahlen, der alte Monet Seerosen und die Kathedrale von Rouen, der kurzlebige Yves Klein einfarbige Bilder im patentierten Farbton »International Klein Blue«, und gucken Sie mal, was Sie für einen Museumsbesuch oder gar ein Bild von denen hinlegen müssen. Für Yayoi Kusamas Punkte, Kürbisse und gepunktete Kürbisse haben sie dem Kölner Museum Ludwig monatelang die Bude eingerannt. On Kawara hatte statt mit Bildern mit dem jeweiligen Datum Erfolg, an dem ein Nichtbild entstand: »Der sich ständig auf Reisen befindende Künstler gab weder Interviews, noch ließ er sich fotografieren und erschien nie auf den Vernissagen seiner Ausstellungen. Seit den 1960er Jahren wurden seine Arbeiten kontinuierlich in Einzel- und Gruppenausstellungen international ausgestellt. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen«, heißt es auf wikipädisch. Für den späten Ad Reinhardt wäre das noch viel zu aufregend und aussagekräftig gewesen, der malte die letzten zehn Jahre nur noch Leinwände schwarz.

Auch Willi Blöss macht seit bald dreißig Jahren sein eines Ding, und ihm wäre zu wünschen, wenn schon nicht in den Museen, so doch wenigstens in den Museumsbuchhandlungen zu etwas mehr Berühmtheit zu kommen. Es fing an mit dem Auftrag an seinen Zeichnerkollegen Bernd Jünger, Leben und Werk von Joseph Beuys »irgendwie witzig« darzustellen. Blöss entwarf das Szenario und griff bei späteren Folgen auch fast immer selbst zu Stift und Pinsel. Ein bis zwei der postkartenkleinen, aber auch als 17 mal 24 Zentimeter große Hardcover erhältlichen Biographien erscheinen seither jährlich. Am Anfang standen selbstverständliche: Picasso, Warhol, van Gogh und Hieronymus Bosch bildeten mit Beuys den Grundstein zur Serie. Bald wurde die Liste bunter. Die Künstler elf bis dreizehn, Otmar Alt, Horst Janssen und Nam June Paik sind nicht mehr jedem geläufig, auch die Lebensläufe des Plakatmalers Klaus Staeck (16) und des Fotografen Robert Capa (23) würde nicht jede Interessierte in Angriff nehmen, bevor nicht Rembrandt, Dürer, Munch und Monet abgehandelt sind. Neunundvierzig Biopics sind es jetzt, darunter viele Frauen wie Marina Abramović, Artemisia Gentileschi, besagte Yayoi Kusama, Louise Bourgeois und, noch ganz druckfrisch, Claire Bretécher und Georgia O’Keeffe. Georgia wer? Genau.

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Nach seinen Auswahlkriterien gefragt, schreibt der Künstler, es komme ihm auf eine spannende Lebensgeschichte, auf bekannte Kunstwerke oder historische Begebenheiten als Blickfänge und auf Vielseitigkeit an. »In der Reihe behandele ich Künstler aus sechs Jahrhunderten; Anklänge von Holzschnitt, Kupferstich, Rokoko, Im- und Expressionismus, Jugendstil, Dada, Kubismus, abstrakt, Graffiti, Plastik, Foto, Comic usw.« Kann man davon leben? Nein. »Die Hefte werden von mir seit drei Jahrzehnten mit der unveränderten Schutzgebühr von drei Euro als Kulturservice angeboten, der anderen Angeboten (Ausstellungen, vertiefende Literatur) zuarbeitet. Kulturbetriebe, Verlage und Institutionen fanden das gut, wollten aber kein Geld in den Aufbau einer Comicreihe stecken und sahen sich auch nicht in der Lage, das über einen längeren Zeitraum zu begleiten.«

Wenn schon nicht davon leben, denkt sich der Künstler, dann zumindest dafür. »Was es mich ertragen lässt, mich unter dem Existenzminimum durchzuschlagen, ist das berauschende Gefühl, als alleiniger Autor und (nach anfänglichen Versuchen mit Gastzeichnern) alleiniger Zeichner eine anspruchsvolle, zeitlose deutsche Comicreihe aufzubauen.« Die Serie ist bei aller Vielfalt sehr einheitlich gestaltet und erstaunlich gut recherchiert. Als Künstler alter Schule bezieht Blöss sein Wissen noch aus Holzmedien, also internationaler Fachliteratur. Seine Frau Beatriz López-Caparrós koloriert und gestaltet. Und wo gibt es die handlichen Heftchen? Außer auf der Website »in ein paar treuen Museumsshops, die zum Glück manchmal große Mengen bestellen«.

→ Willi Blöss: Künstler-Comic-Biografien (diverse)

⇒ www.kuenstler-biografien.de

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.07.2026, Seite 11, Feuilleton

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