Schlechte Zeiten
Das renommierte Verlagshaus Steidl aus Göttingen hat mit einer finanziellen Schieflage zu kämpfen. Ein vorläufiges Insolvenzverfahren sei am vergangenen Freitag über das Vermögen der Steidl GmbH & Co. OHG eröffnet worden, bestätigte das Amtsgericht Göttingen der dpa. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Braunschweiger Rechtsanwalt Stefan Liese. Nach Auskunft von dessen Büro geht es unter anderem um unbezahlte Sozialabgaben. Laut dem Göttinger Arbeitsrechtler Sascha John, der nach eigenen Angaben den Großteil der Steidl-Mitarbeiter vertritt, sind noch mehrere Klagen offen.
1969 hatte der heute 75 Jahre alte Gerhard Steidl (Foto) den Verlag gegründet. Dort erschienen zahlreiche Bücher bekannter Autoren und Fotografen; der Verlag hält seit 1993 die Weltrechte am Werk von Günter Grass. John sagte, er vertrete seit eineinhalb Jahren eine Vielzahl von Mitarbeitern des Verlages, weil »in erheblichem Maße« Geld nicht bezahlt oder verzögert bezahlt worden sei. Teils seien fünf oder sechs Monatsgehälter offengeblieben. Fast immer sei es auf Zwangsvollstreckung hinausgelaufen, erst dann seien Zahlungen erfolgt. Noch immer sei ein mittlerer bis hoher fünfstelliger Betrag an Nettolohnforderungen offen.
Der NDR zitierte Steidl mit den Worten: »Die Zeiten sind sehr schlecht für das Buchgewerbe.« Der Göttinger Rechtsanwalt Hasso Werk sagte, es gebe Gespräche mit möglichen Investoren, um das Unternehmen »in die nächste Generation zu führen« – er berate den Verleger im Investorenprozess. Er betonte, die Schuld, um die es gehe, sei »nach Angaben von Herrn Steidl beglichen«. (dpa/jW)
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