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Nachruf

Spaß und Qualität

Zum Tod des Schauspielers Sam Neill

Foto: IMAGO/EntertainmentPictures
Sam Neill in »Jurassic Park«

»Ich verstehe den Beruf der Schauspielerei, und ich verstehe Schauspieler. Die bizarre Welt der Prominenz hingegen verstehe ich nicht«, sagte Sam Neill im Interview, als er bei der Berlinale 2007 zusammen mit Regisseur François Ozon das Melodrama »Angel – Ein Leben wie im Traum« präsentierte. »Prominenz ist ungesund!« war sein Resümee. Dabei gehörte der am 14. September 1947 im nordirischen Omagh als Nigel John Dermot Neill geborene, stets nur »Sam« gerufene Sohn einer Soldatenfamilie, die 1954 nach Neuseeland auswanderte, selbst zu den berühmtesten Schauspielern der Welt. Das Motto des Hauptdarstellers sowohl in großen Hollywoodproduktionen als auch in Indiefilmen lautete: »Wenn es nach Spaß aussieht und nach Qualität, dann mache ich es.«

Seine Rolle als beherzter Paläontologe Alan Grant, der die Enkelkinder des Multimilliardärs John Hammond (Richard Attenborough) vor dem Ansturm der ausgebrochenen Dinosaurier in der Erlebniswelt von Steven Spielbergs »Jurassic Park« (1993) rettete, schrieb Filmgeschichte. Den Part übernahm Sam Neill nochmals 2001 in der Fortsetzung »Jurassic Park III« und abermals 2022 im Reboot »Jurassic World: Ein neues Zeitalter«. Dabei konnte er in Filmen jenseits des Mainstreams sein schauspielerisches Potential noch besser verwirklichen. So bereits 1981 in Andrzej Żuławskis Westberlin-Thriller »Possession«, einer Mischung aus Ehedrama und Horror. Als Ordnungsfanatiker, Kontrollfreak und Geheimdienstler Mark entfremdet er sich von seiner Frau Anna (Isabelle Adjani), worauf diese nicht nur eine Affäre mit dem irrwitzigen Esoteriker Heinrich (Heinz Bennent) hat, sondern auch Sex mit einem alle Widersacher mordenden Monster, das am Ende zu Sam Neills Doppelgänger verwandelt. Auch in Jane Campions vielfach ausgezeichnetem Historienfilm »Das Piano« (1993) verkörperte er in seiner neuseeländischen Heimat entgegen seiner eher sanftmütigen Art eine äußerst ambivalente Figur.

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Sam Neill hatte einen Sohn mit der Schauspielkollegin Lisa Harrow, eine Tochter mit der Maskenbildnerin Noriko Watanabe und eine Stieftochter. »Würde ich nur schauspielern, würde ich verrückt werden«, sagte er einmal. Ab 1993 war er Inhaber der Two Paddocks Ltd., eines in Otago auf der neuseeländischen Südinsel ansässigen Familienunternehmens, das Weine herstellt. 2022, als er als Sir Nigel John Dermot Neill den Ritterorden (KNZM, OBE) erhielt, wurde bei ihm ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Am 13. Juli starb Sam Neill in einem Krankenhaus in Sydney.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.07.2026, Seite 10, Feuilleton

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