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29.05.2026
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Phantasialand will expandieren
Betreiber des Freizeitparks wollen angrenzendes Naturschutzgebiet bebauen. Kampf um Boden läuft seit 20 Jahren. Scharfe Kritik von Anwohnern
Die gelben Schriftzeichen auf der ehemals roten Fahne über dem Eingang zur Geister-Rikscha sind verblasst, der Stoff längst mürbe. Eine elektronische Anzeige verspricht: Ab hier noch fünf Minuten Wartezeit, ein Schild warnt: Kinderwägen nicht erlaubt. Jenseits des Eingangs wird es dämmrig. Dann setzt ein wabernder Soundmix ein, der die Besucher durch die ganze Attraktion begleiten wird. Unter den Blicken einer Saisonkraft in schlecht sitzendem Kostüm rastet der Sicherheitsbügel der Gondeln ein, bevor sich die Freizeitparkgäste im Schrittempo abwärts auf die Reise durch das Totenreich begeben. Es riecht nach feuchter Pappe und abgestandener Luft, wenn Puppen, die ruckelnde, sich ständig wiederholende Bewegungen ausführen, unterstützt durch Soundeffekte, blinkende Lämpchen und ein wenig Kunstnebel, um schaurige Szenen vom Friedhof bis zum Geisterschiff zum Leben zu erwecken. Auf dem Höhepunkt der Tour sehen die Besucher beim Vorbeifahren an einem Spiegel, dass sie in ihrer Gondel nicht allein sind: Ein Gespenst hat zwischen ihnen Platz genommen.
Was hier wie ein Verriss klingt, darf nicht täuschen: Für viele Phantasialand-Fans, und die sind zahlreich, hat die Geister-Rikscha Kultstatus. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1981 gehört die längste unterirdische Geisterbahn Europas zum Standardprogramm vieler Freizeitparkbesucher.
Als Phantasialand in Brühl bei Köln die Geisterbahn 2025 für Wartungsarbeiten schloss, überschlugen sich Fans in Freizeitparkforen mit sorgenvollen Posts. Viele fürchteten, dass die Parkleitung in Wahrheit einen Abriss und den Bau einer neuen Attraktion planen könnte. So, wie es seit der Eröffnung des Parks im Jahr 1967 schon mit einigen Fahrgeschäften geschehen ist, die Platz für Neues machen mussten.
Klein, aber profitabel
Eine konsequente Vorgehensweise. Denn das Phantasialand hat, verglichen mit anderen Parks, wenig Platz. Der insgesamt 28 Hektar große Park ist durch ein Wohngebiet, die Bundesautobahn 553 und ein Naturschutzgebiet begrenzt. Die eigentlichen Attraktionen wie Themenwelten, Theater, Fahrgeschäfte und Restaurants stehen auf rund zwölf Hektar Fläche. Den Rest belegen drei Hotels, Veranstaltungs- und Konferenzräume.
Dass der Park vergleichsweise klein ist, gefällt vielen Besucherinnen. Auch der Abriss älterer Fahrgeschäfte oder Parkbereiche scheint kein Nachteil: 2024 hatte der Park rund zwei Millionen Besucher und erhielt 2025/2026 erneut den Publikumspreis des Branchenportals »Parkscout«.
Doch Robert G. Löffelhardt, Geschäftsführer der »Phantasialand Schmidt-Löffelhardt GmbH & Co. KG« und Nachkomme eines der beiden Gründer des Freizeitparks, steht der Sinn nach Größerem: Er will den Park deutlich erweitern – und zwar um das angrenzende Naturschutzgebiet »Ententeich«.
Das ist rund 14 Hektar groß und ein trichterförmiges Auffangbecken, das nach Angaben des Netzwerks »NSG Ententeich« auf rund 145 Metern Höhe über Brühl liegt. Es handelt sich um einen See mit Flachmoor, Röhrichtgürtel und Bruchwaldbereich, in dem Grauerlen, Weiden und Birken in sumpfig-nassem Boden stehen. Solch vernässte Gebiete gelten als besonders artenreich, erklärt Doris Linzmeier in einem Video des Netzwerks, das sich für den Erhalt des Refugiums einsetzt. Die Phantasialand-Betreiber wollen genau hier ein Hotel, einen Aquapark und eine Veranstaltungshalle bauen.
Der Ball liegt nach gut 20 Jahren Diskussion über eine mögliche Freizeitparkerweiterung bei der Stadt Brühl. Und die aktuelle Stadtratsmehrheit aus CDU und SPD ist sich einig, dass sie die Erweiterung prüfen will. Auf der Ratssitzung am 18. Mai sollte deshalb über einen Aufstellungsbeschluss entschieden werden. Das ist zwar der Startschuss zu einem Bauleitverfahren, jedoch noch längst keine Baugenehmigung.
Den Sitzungstermin des Rates nahm das Netzwerk NSG Ententeich zum Anlass für eine Kundgebung vor dem Brühler Rathaus. Im Netzwerk haben sich unter anderem der Naturschutzbund Rhein-Erft, die Initiative »50Tausend Bäume«, die BUND-Gruppe Rhein-Erft, der Landschaftsschutzverband Vorgebirge und die lokalen Ortsgruppen der Linkspartei und von Bündnis 90/Die Grünen zusammengeschlossen. Rund 300 Teilnehmer unterstützten die Forderung, das Naturschutzgebiet zu erhalten. In ihren Augen droht die Schaffung eines Präzedenzfalles bei der Abwägung zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz, der den Status als schützenswert ausgewiesener Gebiete grundsätzlich erschüttern könnte. Schon vor der Ratssitzung kündigte die Initiative an, ein Bürgerbegehren anzustreben, falls der Rat für den Aufstellungsbeschluss stimmen sollte.
Zunächst jedoch wurde entschieden, den Aufstellungsbeschluss zur Beratung an den Planungsausschuss zurückzugeben. Vielleicht ein erster Erfolg der Erweiterungsgegner. Und eine Entscheidung, die Phantasialand umgehend kritisierte.
Quo vadis?
Das Naturschutzgebiet Ententeich gehörte dem Land NRW, bis die Landesregierung unter CDU und FDP 2022 einen Tauschvertrag mit Phantasialand schloss. Auf jW-Anfrage bei der Stadt Brühl, was genau die Bürger als Gegenleistung für die mögliche Vernichtung des Naturschutzgebietes bekommen, erfolgte lediglich der Verweis auf das Land NRW. In Presseberichten ist vage von der Aufforstung einer nicht näher bezeichneten, 38 Hektar großen Ausgleichsfläche die Rede. Auch die SPD Brühl bestätigt gegenüber jW, dass keine aktuelle, vollständige und allgemein zugängliche Datengrundlage vorliegt. Die SPD unterstütze deshalb die Einleitung eines Planverfahrens, weil so die notwendigen Entscheidungsgrundlagen geschaffen würden, so Karim Hayit, Vorsitzender des Brühler Ortsverbandes. Worin das öffentliche Interesse liegen könnte, der Phantasialand-Besitzerfamilie Löffelhardt ein Naturschutzgebiet für die Erweiterung ihres Geschäfts zur Verfügung zu stellen, ist unklar. Damit wenigstens in der Frage, was genau und in welchem Zeitrahmen gebaut werden soll, Verbindlichkeit geschaffen wird, fordert auch der Brühler CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Köllejan in der Presse einen vorhabenbezogenen Bauplan. Schon jetzt betreibt die Phantasialand Schmidt-Löffelhardt GmbH & Co. KG die Themenhotels »Matamba«, »Charles Lindbergh« und »Ling Bao«, inklusive etlicher Bars und Restaurants. Der Bau des vierten Hotels soll den Park für Kurzurlaube noch attraktiver machen. Ziel ist, dass Übernachtungsgäste zukünftig ein Viertel der Besucher ausmachen.
Befürworter der Erweiterung argumentieren mit der Gewerbesteuer, an der die Stadt Brühl verdiene. Doch die Auskunft über die Höhe der von Phantasialand an die Stadt gezahlten Gewerbesteuern wird mit Hinweis auf das Steuergeheimnis verweigert. In der rund 20 Jahre andauernden Diskussion wurde die Frage nach der Höhe der Steuereinnahmen der Stadt durch den Freizeitpark viel diskutiert, blieb aber ungeklärt. Dazu kommt: Wie viele Gewerbesteuern fließen nach der Abschreibung noch, wenn Phantasialand das rund 14 Hektar große Gebiet räumt, rodet, entwässert und dann für einen mutmaßlich hohen Millionenbetrag bebaut?
Ein anderes Argument der Ausbaubefürworter: Arbeitsplätze. Nach eigenen Angaben beschäftigte der Freizeitpark neben 500 festen Mitarbeitern auch 800 Saisonkräfte. In den Jobbörsen sind Stellen oft nur als befristet ausgeschrieben. Viele Beschäftigte scheinen unzufrieden: Auf dem Jobbewertungsportal Kununu zum Beispiel schneidet Phantasialand im Mai 2026 deutlich unter Durchschnitt in der Tourismusbranche mit nur 3,2 von fünf möglichen Punkten ab. Hauptkritikpunkte sind schlechte Bezahlung und Behandlung der Saisonkräfte.
Zu einer Anfrage seitens jW zur Qualität und Nachhaltigkeit neuer Arbeitsplätze infolge der Erweiterung wollte sich Phantasialand nicht äußern.
Konflikt mit der Natur
Fünf Jahre ist es her, seit das Ahrhochwasser in der Region die bundesweite Öffentlichkeit beschäftigte. Die Menschen vor Ort haben eine klare Vorstellung, was Starkregen anrichten kann. Doch die angestrebte Expansion des Freizeitparks könnte die Gefährdung noch gravierender machen. Denn mit der Flächenversiegelung des trichterförmigen Naturschutzgebiets oberhalb der Wohngegenden würde ein natürliches Rückhaltebecken zerstört werden.
Auf der Kundgebung vor dem Rathaus beklagen Anwohner des Ortsteils Eckdorf, dass ihr Stadtteil schon jetzt »im Wasser stehe«. Ein hydrologisches Gutachten zu den Folgen des geplanten Ausbaues gibt es jedoch nicht – auch ein solches würde erst im Rahmen eines Bauleitverfahrens erstellt werden. Auch zu anderen möglichen Auswirkungen, wie beispielsweise auf die Frischluftzufuhr von Brühl, gibt es keine Gutachten.
Ebenso würden Konzepte zur Bewältigung des steigenden Verkehrsaufkommens erst im weiteren Verfahrensverlauf in Auftrag gegeben, wie die Stadt Brühl jW bestätigte. Bereits jetzt leiden die Anwohner des Freizeitparks unter häufigen Staus. In der Wintersaison sind sie dazu noch mit allabendlichen Feuerwerksshows konfrontiert, die Haus- und Wildtiere in Panik versetzen.
Immerhin: Der Brühler CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Köllejan betonte bezüglich der Erweiterungswünsche des Phantasialandes im Kölner Express, es dürften »keine Menschenleben gefährdet werden«. Wenigstens darin scheinen sich Befürworter und Kritiker des Ausbaus einig.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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