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Union Busting Monitor

Anschlussverwendung für Skandalmanager

Jessica Reisner und Elmar Wigand kommentieren Union Busting

Von Jessica Reisner und Elmar Wigand
Foto: jW

Wie kann es sein, dass ein Manager, der mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wurde, keineswegs auf dem Abstellgleis landet, sondern die Karriereleiter auch noch nach oben fällt?

Der Gesundheitsmanager Dr. Johannes Hütte hat dieses Kunststück bereits zweimal vollbracht. War Hütte in Wesel für die Gesellschaft Pro Homine für rund 1.000 Angestellte zuständig, standen am Klinikum Lippe an den Standorten Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen ungefähr 3.750 Lohnabhängige unter seiner Fuchtel. Die Uniklinik Essen, seit dem Frühjahr 2025 seine neue Wirkungsstätte als kaufmännischer Direktor und Vorstandsmitglied, hat sagenhafte 11.000 Beschäftigte. Chapeau, Herr Hütte!

Hüttes Wirken hatte nach Auffassung des »Aktionsbündnisses Klinikum Lippe« verheerende Auswirkungen. Die Bürgerinitiative kämpft für die Rechte der Beschäftigten und das Patientenwohl. Von Personalmangel, Überlastung, einem Klima der Angst und Mobbing war die Rede. Der Ruf eines der größten kommunalen Krankenhäuser Deutschlands litt erheblich; der Organismus stank offenbar vom Kopf her. Nach langem zähen Kampf wurde man den verhassten Hardcore-Personaler Hütte endlich los. Doch, o Wunder: Hütte bekam eine direkte Anschlussverwendung. Dabei hätten die Verantwortlichen sowohl in Lippe als auch in Essen wissen können, was sie erwartet. Bereits aus seiner ersten Wirkungsstätte in Wesel gab es negative Berichte über Hüttes Führungsstil.

Man kann einerseits Systemversagen und Verrottung vermuten, also Unfähigkeit, Filz, politische oder religiöse Seilschaften, die solche Versager aufsteigen und oben schwimmen lassen wie das Fett auf der Suppe. Andererseits ist die dunkle Triade ein Wesensmerkmal unserer Zeit. Was für empathiefähige Menschen nach Kaltherzigkeit und blankem Horror gegenüber Lohnabhängigen und Patienten klingt, ist für andere scheinbar die reinste Empfehlung: Ein Sanierer, der keine Angst hat, sich unbeliebt zu machen …

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Es geht um viel, sogar um Todesfälle. Der WDR berichtete über den Tod eines zwölfjährigen Mädchens. Die Abmahnkanzlei Schertz Bergmann versuchte vor dem OLG Köln erfolglos zu verhindern, dass die »Aktion gegen Arbeitsunrecht« einen Zusammenhang zwischen Personalmangel und Gefährdung des Patientenwohls am Klinikum Lippe herstellte.

Das Personal dort war überlastet: Eine Palliativkrankenschwester führte am Arbeitsgericht Detmold einen Musterprozess gegen das Klinikum Lippe. Mehrere Überlastungsanzeigen waren ihrer Meinung nach unbeachtet geblieben – allein auf ihrer Station waren es über 40. Letztlich wies das Arbeitsgericht Detmold die Klage 2024 ab, weil eine Mindestbesetzung nicht individuell einklagbar sei. Die Klage scheiterte auch in zweiter Instanz.

Dem verantwortlichen Klinikleiter Johannes Hütte haben die Skandale offenbar nicht geschadet. Aber negative Berichterstattung juckt ihn natürlich, wie er in einem PR-Interview zu seinem Amtsantritt in Essen zugibt. Deshalb versucht er, sie zu unterbinden.

Walter Brinkmann, Sprecher des »Aktionsbündnisses Klinikum Lippe«, hatte die Zustände und die Personalie Hütte in einem Interview mit der »Aktion gegen Arbeitsunrecht« thematisiert. Das nahm Hütte zum Anlass für ein medienrechtliches Verfahren, das nach zweijähriger Dauer jetzt per Vergleich beendet wird. Brinkmann hat mit Unterstützung der Initiative »Aktion gegen Arbeitsunrecht« am Oberlandesgericht Köln in wichtigen Punkten obsiegt. Die ursprüngliche Untersagung hätte verboten, »den Verdacht zu erwecken und/oder erwecken zu lassen, im Klinikum Lippe sei es aufgrund von Personalmangel und Überlastung des Personals zu mehreren Todesfällen gekommen«. Dieses Verbot wäre uferlos gewesen, so der Kölner Anwalt Eberhard Reineke, der das Mandat für Brinkmann in zweiter Instanz übernommen hatte.

»Das Internet vergisst nicht«, da macht sich Dr. Hütte keine Illusionen. Wir hoffen, dass Erinnerung mitunter zu Lerneffekten führt. Gewerkschafter, Patienten und Angehörige sollten gewarnt sein, wenn ein Hütte vor der Tür steht.

→ Unsere Autoren gehören zur »Aktion gegen Arbeitsunrecht« und moderieren den Podcast Arbeitsunrecht FM

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.05.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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