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09.05.2026
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Büttner in Bredouille
Anschlag auf Antisemitismusbeauftragten wohl von Freunden verübt. Nacht im »Romantikhotel«
Die Spur der heißen Luft nach einem vermeintlichen Brandanschlag auf den Gartenschuppen des Brandenburger Antisemitismusbeauftragten sollte zunächst auf die Palästinabewegung deuten, führte dann aber ins engste Umfeld von Büttner selbst. Wie der Tagesspiegel Ende April herausfand, ermittelt die Polizei gegen zwei junge Männer, Daniel R. und Lucas S., Freunde und Geschäftspartner Büttners. Eine Aktion unter falscher Flagge liegt nahe, aber der Ex-Linke-Politiker will »keine Kenntnisse« gehabt haben. Neue Enthüllungen des Blatts folgten am Donnerstag abend: Der 52jährige Büttner soll kurz vor dem angeblichen Anschlag eine Nacht im »Romantikhotel« mit den beiden 25jährigen verbracht haben.
Ein Rückblick auf die mutmaßliche Inszenierung: In der Nacht zum 4. Januar brannte der Schuppen auf Büttners Grundstück bei Templin in der Uckermark. Auf der Haustür: ein rotes »Hamas-Dreieck«. Zuvor war bei seinem Büro ein Brief mit Morddrohungen eingegangen – wie sich nun herausstellte, wohl verschickt von Lucas S. Presse und Politik vermuteten damals hingegen eine Attacke von »Israel-Feinden«. Büttner via X gleichentags: »Dieser Angriff stellt eine massive Eskalation dar.« Er richte sich gegen ihn persönlich, sei »Ausdruck von Hass und Einschüchterung« und so weiter.
Nur erscheinen die Geschehnisse inzwischen in anderem Licht. Die Chronologie war demnach folgende: Mitte Dezember 2025 fand sich Büttner mit den beiden Mittzwanzigern in einem »Romantikhotel« im Südharz ein, wie er dem Tagesspiegel bestätigte. Ein gemeinsames Zimmer, aber »mit zwei getrennten Schlafräumen«, versteht sich. Eine Liebesbeziehung? Büttner werde gegen jeden vorgehen, der das behaupte. Anlass sei eine Gesellschafterversammlung gewesen, obwohl die im Handelsregister als »Unternehmensberatung« gelistete Firma – 51 Prozent der Anteile gehören Büttner, je 24,5 Prozent den beiden anderen – inzwischen eine »tote Hülle« sei, so Büttner.
Den Ermittlungen zufolge wurden in den folgenden Wochen die Utensilien für den Brandanschlag gekauft und der Drohbrief geschrieben. 3.000 Euro aus der Tasche Büttners landeten außerdem auf dem Konto von Daniel R. Zweieinhalb Wochen später brannte es. Weitere vier Wochen darauf, am 8. Februar, traf man sich zu einem gemeinsamen Opernbesuch in Leipzig, wieder inklusive Hotelnacht. Übernachtungen haben wohl Tradition in dieser Runde: Der Tagesspiegel berichtet, dass R. und S. während der Coronajahre auch mal bei dem Politiker in Templin gezeltet hätten. Kennengelernt habe dieser die beiden 2019 als 18jährige, als er für die Linkspartei Staatssekretär im brandenburgischen Sozialministerium war.
Nicht nur das verbindet die Drei. Eine Gedenk- und Bildungsinitiative der beiden jungen Männer namens »PEBS«, die sich laut Website unter anderem den »wachsenden antisemitischen Tendenzen in unserer Gesellschaft« verschreibt, verweist auf ihren »Schirmherrn«, Andreas Büttner. In diese Position sei er ohne sein Wissen gekommen, behauptete der Antisemitismusbeauftragte. Trotz ihrer regelmäßigen Treffen hätten die beiden im Impressum vermerkten 25jährigen seine Bitte um Entfernung von der Homepage ignoriert.
Geraune gibt es auch rund um eine etwaige Nachfolge des derzeitigen Antisemitismusbeauftragten auf Bundesebene, Felix Klein, der zum Sommer 2026 sein Amt aufgibt. Bei einem Treffen Anfang März soll Lucas S. mit Blick auf den Posten »Wäre geil für dich« zu Büttner gesagt haben. »Mach mal was, dann kannst du mich ins Gespräch bringen«, habe der Landesbeauftragte selbst in einer gemeinsamen Whats-App-Gruppe geschrieben, wie der Tagesspiegel ohne genaue Zeitangabe darlegt. Das sei ein Scherz gewesen, erklärte Büttner der Zeitung. All das sei ohnehin »kein Anlass für einen Rücktritt«, befand er.
Eine Täuschung betreibt Büttner seit Jahren. 2015 versuchte er, sich mittels eines Eintritts in die Linkspartei als links darzustellen. Der Etikettenschwindel des einstigen Polizisten sowie früheren FDP- und CDU-Mitglieds dauerte über zehn Jahre an. Unter Bedauern des Parteivorsitzenden Jan van Aken verließ Büttner im März 2026 die Partei, der er Antisemitismus vorwirft. Im Januar hatten van Aken und Koparteichefin Ines Schwerdtner in der Parteizeitung Links bewegt noch ihre Unterstützung Büttners angesichts des vermeintlichen Anschlags kundgetan. Auf Anfrage von junge Welt wollte sich die Partei am Freitag nicht zu den neuen Erkenntnissen über das Exparteimitglied äußern.
Eine zu seinem Profil passende Position belegt Büttner inzwischen im »Expertenrat« des »Zera Institute«. Der Ende 2024 registrierte Verein ist einer der Hauptprofiteure der CDU-Fördergeldaffäre in Berlin. Am Ende findet eben alles seinen Platz.
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