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Israels Außenminister in Berlin

Demütig vor Israels Waffen

BRD-Chefdiplomat Wadephul empfängt israelischen Außenminister als »Freund«. Vom Iran fordert er einen Verzicht auf Atomwaffen und ballistische Raketen

Foto: Michael Kappeler/dpa
»Freuen uns, dass wir Freunde wie Israel haben«: Johann Wadephul begrüßt Gideon Saar am Dienstag in Berlin

Während der Staat Israel inzwischen sogar schon EU-Bürger vor der griechischen Küste entführt, als »Terroristen« denunziert, ins besetzte Palästina verschleppt und in Isolationshaft quält, wird der israelische Außenminister Gideon Saar von seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul in Berlin als »Freund« empfangen. Nach dem Treffen am Dienstag abend sagte der CDU-Politiker Sätze wie jenen: »Dieser Konflikt mit dem Iran und auch der Konflikt in der Ukraine haben uns deutlich vor Augen geführt, dass wir uns näher stehen als je zuvor und wir ein gemeinsames Interesse haben.« Und obwohl die BRD offiziell keine Kriegspartei ist, stellte sich Wadephul ganz offen auf die Seite der US-israelischen Angreifer: »Wir fordern den Iran auf, seine Karten nicht zu überreizen.« Konkret forderte er von Teheran einen Verzicht auf Atomwaffen, eine Einstellung des ballistischen Raketenprogramms und die Abwendung von einer »Politik der Brandstiftung in der Region«. Der Krieg müsse so beendet werden, »dass von Iran keine Gefahr mehr ausgeht«. Das kommt der Aufforderung zur bedingungslosen Kapitulation der Islamischen Republik gleich.

Saar pries seinerseits Israel als Gewährleister der »Sicherheit« der BRD an: »Israel ist ein Partner für Deutschland: in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit, Zusammenarbeit der Nachrichtendienste, wirtschaftliche Kompatibilität und Terrorismusbekämpfung.« Israelische Technik wie etwa das Raketenabwehrsystem »Arrow 3« beschütze die BRD »in der Luft, an Land und auf See«. Die Zusammenarbeit der Geheimdienste beider Staaten verhindere »Terrorangriffe auf deutschem Boden« und rette »deutsche Leben«. Wadephul sagte dazu, es erfülle ihn »mit Demut«, dass Technologie aus Israel den deutschen Luftraum schütze.

Seine endgültige Verabschiedung von Völkerrecht und Realität demonstrierte der deutsche Außenminister schließlich mit der »Forderung«, der Libanon dürfe »nicht zu einem Kriegsschauplatz werden«. Während Israel den Süden des Landes bis zum Litani-Fluss besetzt hält, dort systematisch die Bevölkerung vertreibt und schiitische Dörfer ausradiert, verurteilte Wadephul ausgerechnet die Gegenwehr der Hisbollah »auf das schärfste«. Dass Völker unter fremder Besatzung nach internationalem Recht auch bewaffneten Widerstand leisten dürfen, ließ der deutsche Chefdiplomat unerwähnt.

Statt dessen durfte Saar behaupten, die Widerstandsorganisation sei »für das Leid auf beiden Seiten der Grenze verantwortlich«, und israelische Truppen hätten den Südlibanon nur zum »Schutz« der eigenen Bürger besetzt. Zugleich versicherte er, Christen seien im »Heiligen Land« völlig sicher, und jeder, der seine Hand gegen Christen erhebe, werde streng bestraft.

Vergangene Woche hatten Videoaufnahmen eines hinterhältigen Angriffs auf eine katholische Nonne in Jerusalem weltweit für Aufsehen gesorgt. In israelischen Medien wurde der Angreifer als »rechtsradikaler Aktivist« oder »psychisch gestört« dargestellt, aber gegenüber der Times of Israel wiesen in Jerusalem lebende Christen darauf hin, dass sie von der Gewalttat nicht überrascht seien, da solche Übergriffe seit einigen Jahren tägliche Routine seien.

Bemerkenswert ist auch Saars Ankündigung, Kerosin in die BRD zu liefern. Laut Israels Außenministerium habe das deutsche Energieministerium darum gebeten. Dabei hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erst am Dienstag gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt, es gebe hierzulande bei dem Flugzeugtreibstoff »kein Problem mit der Versorgung«.

Ebenso erwähnenswert ist das laute Schweigen in der deutschen Medienlandschaft über den Besuch von Israels Außenminister. Zwar berichtete die dpa über Wadephuls Katzbuckelei, doch nur die wenigsten Mainstreammedien – Springers Welt etwa – griffen die Meldungen auf. Allenfalls die angekündigten Kerosinlieferungen waren einigen von ihnen eine Nachricht wert – vielleicht, weil man sich in manchen Redaktionen mehr um den Sommerurlaub in Übersee sorgt als um deutsche Komplizenschaft bei Israels Staatsterrorismus.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2026, Seite 4, Inland

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